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18.09.2020

Start der Reihe "Inseln der Freiheit"

Nächste Woche startet die Reihe "zum Gebrauchswert der Jugendsubkultur" im Conne Island.

Mit dem Massenkonsum der Nachkriegsgesellschaft nahm auch die Freizeitindustrie so richtig Fahrt auf. Parallel dazu steigerte sich der Unmut am Bestehenden, der seinen Drive in der stark durch die Jugend geprägten Protestkultur, seine Bahn im Begriff der Konsumkritik, und seinen Ort in den Nischen als Subkultur fand. Und so wurden die Aufbrüche der späten 60er begleitet vom Ruf junger Leute nach eigenen Orten, an denen man nicht von Pfaffen und anderen Ordnungshüter:innen umhergescheucht und sich mit Katalogangeboten die rare Freizeit vertun würde. Selbstbestimmt und selbstverwaltet sollten die Räume sein, die wir nun seit Jahrzehnten als AJZs kennen, als selbstverwaltete Jugendkulturzentren.

Freizeit sollte nicht das schnöde Komplement zur stupiden Arbeit sein und so stellte man dem stumpfen Amüsement der Massenkultur die Subkultur entgegen, die abseits von Markt und Reglement, Freiheit und Selbstbestimmung versprach. Mehr noch waren die Nischen die Ausdrucksorte für die Ideen der Protestkultur, die neben großem Spaß für sich, auch der herrschenden Ordnung mit einigem Ernst ans Leder wollte. Grund genug einmal dem Gestus der Jugend- und Protestkultur damals nachzuspüren und zu fragen, wie verträglich die farbenfrohen Orte heute sind und wo denn der Spaß aufhört?

Im Rahmen der Reihe werden ein Vortrag und vier Workshops/Tagesseminare stattfinden.

24.9. Freizeit ohne Kontrollen - Vortrag zur Geschichte der Jugendzentrumsbewegung 18:00 Uhr

Mit Parolen wie »Was wir wollen: Freizeit ohne Kontrollen« gingen in den 1970er Jahren Tausende Jugendliche auf die Straßen, sammelten Unterschriften und stritten sich mit Kommunalpolitikern. Gemeinsam haben sie aus der tristen Nachkriegsgesellschaft zu flüchten versucht und bauten sich eigene Räume auf, die selbstverwaltet werden und damit einen Ausweg aus der Enge der Familienbande und der Öde der Freizeitindustrie bieten sollten. Woher wir kamen, das wollen wir mit David Templin besprechen - und auch, ob im Osten nochmal alles ganz anders war.

https://www.facebook.com/events/676481049891926

Mehr Infos unter InselnderFreiheit.de

26.9 "Wer wenn nicht wir?" Workshop zur Ästhetik der 68er mit Mirjam Schaub 10-18 Uhr

Radikale Gemengelagen, unreine Praktiken, beschädigte Theorien.

Warum gingen im Mai 1970 die teilzeitradikale 'Spaßguerilla' und die 24-Stunden-Radikalität der 'Stadtguerilla' unwiderbringlich getrennte Wege? Die Antwort liegt vielleicht weniger in der Praxis der Selbstermächtigung oder ihren Avantgarde-Anspruch, als in der Frage, welcher Anreiz von der Vorstellung des 'Ernst-Machens' der eigenen, radikalen Ideen ausging. Die Scham, wenn nicht sogar der Ekel der Intellektuellen vor sich selbst als 'tatenlosen Alleswissern', könnte als Motiv eine unglückliche Rolle gespielt haben.

Manche Konflikte, so erbittert sie auch sein mögen, überleben sich, noch während sie stattfinden – und existieren doch geisterhaft weiter, wie „Supertanker, welche noch ganze Meere durchqueren, obwohl die Maschinen längst abgestellt sind." (Martin Gessmann). Liegt hierin vielleicht auch der Grund für die rasante Entpolitisierung der Roten Armee Fraktion (RAF) im öffentlichen Bewusstsein, die um so vieles schneller stattfand als ihre mühsame, zähe Entwaffnung? Wieso ließen und lassen sich ausgerechnet kollektiv erlebte Politisierungen so rasch und umstandslos wieder in Individual-Psychologie auflösen? Ist die Radikalisierung selbst dafür der Grund – oder nur der Vorwand?

Die Radikalität wirkt um so rätselhafter, als ein Großteil der Protagonisten zuvor in der 'Spaßguerilla' höchst erfolgreich agierte oder mit ihr assoziiert war. Was geschah zwischen dem Berliner Flugblattprozess und dem Frankfurter Brandstiftungsprozess? Warum wurde aus Spaß- plötzlich eine militante Stadtguerilla? Wieso gründeten ausgerechnet drei ehemalige Stipendiat_innen der Deutschen Studienstiftung die RAF? Wie nah kam Hans Magnus Enzensberger Ulrike Meinhof?

50 Jahre nach 1968 rückt mit dem Drama der Nähe zugleich die Radikalisierung als Absatzbewegung vom eigenen Milieu neu in den Fokus des Interesses. Radikalität ist mit dem Nimbus der Unkorrumpierbarkeit verbunden und hält damit offenbar ein attraktives Sinnangebot, ja, eine exemplarische 'Lebensform' bereit, die sich in den unterschiedlichsten Kulturen der Welt im Verein mit austauschbaren Idealen, Glaubenssätzen und Überzeugungen erschreckend großer Beliebtheit erfreut.

Am Beispiel der 1968er lässt sich exemplarisch studieren, wie rasant schnell eine Radikalisierung erfolgen kann, welchen Dynamiken und Zufällen sie folgt; warum und wie Menschen, den eigenen Wankelmut durchaus antizipierend und anerkennend, Brücken abbrechen, um sicherzugehen, nicht wieder umkehren zu können. Es wirkt, als ob Radikalisierung buchstäblich jede und jeden treffen kann und durchaus für sensible Geister, nicht nur für Raubeine von großer Verführungskraft ist. 'Attraktiv' ist sie, trotz der hohen sozialen wie persönlichen Kosten, weil sie mit ihrem hohem Avantgarde-Bewusstsein für eine gehörige Portion „Distinktionsgewinn" (Pierre Bourdieu) sorgt.

Rigorismus und Populismus, „Links-Faschismus" (Habermas) und künstlerischer Situationismus, 'Spaßguerilla' (Fritz Teufel) und 'Stadtguerilla' (Marighella) bilden im Fall der 1968er Paarungen und Überkreuzungen aus, die es, so meine These, von der 'Reinheit' der Theorie her eigentlich gar nicht geben dürfte. Jedenfalls nicht, solange Radikalität und Popkultur – wie gewöhnlich – als unvereinbare und einander abstoßende Kräfte oder Dispositionen begriffen werden.

Anders als gedacht, lasen die sogenannten '68er' zumal an der federführenden FU Berlin – im Vergleich mit den deutschen Studierenden der 70er, 80er und 90er Jahre – übrigens erstaunlich selten und erstaunlich wenige Bücher von Adorno oder Horkheimer: dies, wie ich langsam begriff, aus gutem Grund. Ein gewisses Helden- und Heroen-Pathos überlebte in ihren so ganz anderen, existentialistischen Lektüren, welche, zumindest für den 'inner circle' der späteren RAF-Gründer_innen, die stilistisch wichtigere, theoretische Referenz blieb.

Einzig Herbert Marcuse, der in West-Berlin eine Reihe von Gastvorlesungen hielt, mit seiner eher anthropologischen Lesart punktete (zeitweise) bei den aktivistischen Berlinern, ebenso wie Ernst Bloch – beim dem u.a. Bernward Vesper und wohl auch Gudrun Ensslin in Tübingen Seminare besuchten.

War also ausgerechnet die theoretisch fundierte Abdichtung und Abschottung gegenüber aktivistischen und interventionistischen Lösungen durch die Vertreter der Kritischen Theorie, war gerade der Praxis-Vorbehalt der Kritischen Theorie einer der Gründe dafür, warum die Baader-Meinhof-Bande überhaupt meinte, sich radikalisieren zu müssen? Wer, wenn nicht wir?, heißt treffend eine spätere Verfilmung von Andres Veiel.

Der Workshop versucht anhand neuer Archivfunde die sehr unterschiedlichen Motivlagen der frühen RAF Gründer_innen Mahler, Baader, Meinhof und Ensslin neu zu gewichten.

Die Teilnahme am Workshop läuft über Voranmeldung an foreveryoung@conne-island.de

https://www.facebook.com/events/686423048632209

Mehr Infos unter InselnderFreiheit.de

17.10 Deutschrap zwischen Subkultur und Industrie – Workshop mit Pöbel MC 10-18 Uhr

Pöbel MC spricht über das Musiker*in werden im Verhältnis zum Musik machen. Dabei geht es unter Anderem um das Verhältnis von musikalischer Subkultur und Musikindustrie sowie die Wechselwirkung zwischen kreativer Arbeit und Kommerzialisierung.

Die Teilnahme am Workshop läuft über Voranmeldung an foreveryoung@conne-island.de

https://www.facebook.com/events/623360608313718

Mehr Infos unter InselnderFreiheit.de

30.10 Die Gewalt der Musik- Workshop zur Clubkultur mit Iris Dankemeyer 10-18 Uhr

Techno begann einmal als Revolte gegen die Unterhaltungsindustrie und wurde von einer Subkultur schnell zu einem Massenphänomen. Ist die Clubkultur Versammlungsort subversiven Potenzials oder Hort des eskapistischen Hedonismus? Das Seminar diskutiert kontrovers entgegengesetzte Positionen von affirmativen Techno Studies bis zu kritischen Haltungen gegenüber dem Tanzbetrieb.

Die Teilnehmenden sollen nichts mitbringen außer der Bereitschaft zur Auseinandersetzung und ihrer eigenen Erfahrung.

Die Teilnahme am Workshop läuft über Voranmeldung an foreveryoung@conne-island.de

https://www.facebook.com/events/311984359902159

Mehr Infos unter InselnderFreiheit.de

15.11 Wer Subkultur sagt, sagt auch Verwaltung – Workshop zu Freizeit und Arbeit heute mit Kim Lehnert 10-18 Uhr

Die gemeinsame Freude am Topfschlagen hielt die Subkultur seit je zusammen. Geeint gegen die Kälte der bürokratischen Verwaltung von oben, hat man es sich kuschelig gemacht und ihr mit der Kultur von unten ordentlich eingeheizt. So ordentlich, dass man sie heute gar vor dem Kältetod bewahrt? Doch passt am Ende wirklich zu jedem Topf ein Deckel?

Gemeinsam soll diskutiert werden, wie weit her es mit der These über die Integration der Subkultur ist.

Die Teilnahme am Workshop läuft über Voranmeldung an foreveryoung@conne-island.de

https://www.facebook.com/events/356920518776091

Mehr Infos unter InselnderFreiheit.de

18.09.2020
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
info@conne-island.de, tickets@conne-island.de