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Sonderangebot: Antideutsche AntiimperialistInnen.


"Die Eroberung Osteuropas durch Deutschland ist heutzutage kein militärisches Planspiel mehr, sondern ökonomische Realität." (Phase 2 Leipzig, Wir kaufen einen Kontinent, in: Phase 2, Nr.6)

Die Antifa. Immer will gegen Deutschland sein und auf der Straße was bewegen: Aktionismus, starke Sprüche und Öffentlichkeit erregen. Wegen ihrer Begriffsstutzigkeit läuft sie ein zweites Mal Deutschland hinterher. Das erste Mal bekam das die Antifa im Sommer 2000 zu spüren. Wie schön war es zuvor, als man den deutschnationalen Feind in den Nazis personifiziert hatte und sowohl den eigenen antifaschistischen Willen in Anti-Nazi-Aktionen manifestieren konnte, als auch den radikalen Aktionismus befriedigen durfte: Ich handle extrem, also bin ich. Dann kam der Antifa-Sommer, in dem alle Nazis zu Staatsfeinden erklärt wurden; vorbei war es mit der fadenscheinigen Antifa-Radikalität durch das Anti-Nazi-Geschrei.
Jetzt versucht man es anders. Deutschland ist böse, wirtschaftliche Interessen sind böse fertig ist der linksradikale Eintopf. Ein paar antideutsche Zutaten vermischt mit antiimperialistischer Soße, als Nachtisch für die BesserwisserInnen ein paar Krisis-Referate: Das ganze wird schlussendlich heißer aufgetischt, als es gekocht wurde, um auch den letzten Suppenkasper anzulocken. Die Köche sind die intellektuelle Avantgarde, haben fleißig in der Universität gelernt, wie man aus den Zutaten der Volksküche ein ansehnliches Essen zusammenstellt, während die Kellner als Organisationstalente immer genau wissen, was gerade erwünscht ist, auf schnelles Kochen drängen und alles zum rechten Platz bringen.
"Die deutsche Wirtschaft bringt nicht nur die Nationalökonomien in direkte Abhängigkeit, sondern fördert zudem die gesellschaftlich-kulturelle Germanisierung Osteuropas." (Phase 2 Leipzig) Und, hat's gut geschmeckt? Mir ist der Happen im Hals stecken geblieben: Germanisierung. Die Redaktion Phase 2 Leipzig möchte doch tatsächlich ihrem Publikum verklickern, dass Germanisierung heute durch wirtschaftliches Agieren deutscher Firmen im osteuropäischen Ausland geschieht. Zudem findet die Phase 2 Leipzig weitere Chiffren, um dem Lesenden einzutrichtern, welch schlimmes Ereignis die linksradikalen Detektive der Redaktion gerade aufgedeckt haben: "aggressive deutsche Außenpolitik", "die Eroberung Osteuropas durch die deutsche Wirtschaft" und schlussendlich: "der deutsche 'Drang nach Osten' ist erst am Anfang". Hätten die Leute der Phase 2 Leipzig weniger Ahnung von politischer Propaganda, dafür ein wenig mehr Schimmer von Gesellschaftskritik oder hätten sie zumindest etwas im schulischen Geschichtsunterricht aufgepasst, dann könnten sie mit Begriffen wie "Drang nach Osten" oder "Germanisierung" nicht so leichtfertig umgehen. Es ist sicherlich kritisch zu bewerten, dass und wie deutsche Firmen im Ausland tätig sind. In dem Artikel der Phase 2 wurden auch ein paar wenige Fakten genannt, die durchaus von Gesellschaftskritik anvisiert werden müssen. Daraus aber einen "deutschen Weg" zu basteln, den man angreifen will, entlarvt die bewegungsfixierte Scheinradikalität politisch abgebrühter Spießbürger, die nicht auf die Kritik der Gesellschaft, sondern auf öffentliche Distinktion abzielt.
Das, was ihr, liebe GenossInnen der Phase 2 Leipzig, entlarvt, ist nicht die Germanisierung oder der deutsche "Drang nach Osten", sondern die dem Kapital innewohnende Expansion. Oder würdet ihr à la Claus Peymann die Expansion der Fastfoodkette McDonald denn auch als Amerikanisierung bezeichnen? Es bleibt nichts anderes als zu vermuten, dass die dimitroffsche Faschismusthese sich auf leisen Sohlen in die Redaktion der Phase 2 eingeschlichen hat. Die Phase 2 Leipzig verknallt die gesellschaftskritische Munition, zu der Begriffe wie Germanisierung im richtigen Augenblick angewendet taugen, auf ihrem linksradikalen Hornberger Schießen. Reichen wir der Redaktion der Phase 2 Leipzig etwas Zielwasser:
Der Nationalsozialismus, dessen Ziel die Germanisierung Europas und der ganzen Welt war, bestand nicht aus Managern deutscher Firmen, sondern war eine zutiefst reaktionäre Krisenbewältigung. Es ist unbestritten, dass vom nationalsozialistischen Drang nach Osten die deutsche Wirtschaft zu profitieren wusste. Jenen Drang nach Osten in der zeitgenössischen Analyse jedoch in wirtschaftlicher Expansion deutscher Firmen wiederzuentdecken, bedeutet den Nationalsozialismus in seinem Wesen zu verkennen und insgesamt zu bagatellisieren. Der NS ist in erster Linie keiner rationalen wirtschaftlichen Dynamik gefolgt, sondern hat dieser, wenn es um die Endlösung der Judenfrage oder einem Angriff auf die Sowjetunion ging, sogar zuwider gehandelt. Den NS kann man nicht verstehen, wenn man sich als linksradikaler Politiker den lieben langen Tag damit beschäftigt, welche deutsche Firma wo welchen Furz gelassen hat und dabei vergisst, dass sich die Bevölkerung zu großen Teilen bei der Wahl ihrer Ideologie nicht en Détail über wirtschaftliche Interessen deutscher Firmen informiert. Und somit werden die Wirtschaftsfachleute der Phase 2 eben nicht kapieren, dass deutsche Ideologie wie z.B. "Germanisierung" nicht eine im Bewusstsein wiedergespiegelte wirtschaftliche Interessenpolitik ist, sondern das Subjekt gerade gegen das Chaos kapitalistischer Ökonomie zusammenhält und die Subjekte zu einer Gemeinschaft formiert, die sich eine Ordnung erkämpfen will, die auf der Grundlage kapitalistischer Vergesellschaftung Ruhe bringen soll. Dass diese deutsche Ideologie nicht Ruhe, sondern mörderische Rastlosigkeit erzeugt, sei hier nur am Rande erwähnt. Wenn im nationalsozialistischen Deutschland von der "Eroberung des deutschen Lebensraumes im Osten und seine vollständige Germanisierung" (Adolf Hitler, 3.2.1933) gesprochen wurde, dann ging es auch um die Eroberung wirtschaftlicher Ressourcen, vor allem jedoch um die ewige Ruhe des deutschen Volkes vor der "jüdisch-bolschewistische Gefahr aus dem Osten". Immerhin haben wichtige wirtschaftliche Interessenverbände im dritten Reich vor einem Angriff auf die Sowjetunion gewarnt.
Mit eingereiht in den Tanz antideutscher AntiimperialistInnen hat sich auch die linksradikale Leipziger Gruppe Bündnis gegen Rechts (BGR): "Die zurückliegenden 12 Jahre ... stehen ... alles in allem für die Überwindung der europäischen Nachkriegsordnung und die Aufgabe deutscher Selbstbeschränkung als Folge des deutschen Sonderweges, welcher im Vernichtungsfeldzug in den Jahren 1933-1945 gipfelte und vorläufig endete. ... " (BGR). So weit so gut. Wenn man dem Redebeitrag vom 3. Oktober 2002 aber weiter gelauscht hat, erfuhr man näheres über den "deutschen Sonderweg". Der ist nämlich gar nicht so besonders, sondern schlängelt sich laut BGR-Angaben entlang von Wirtschaftsinteressen: "Entscheidend ist, wie sich der wirtschaftliche Einfluss Deutsch-Europas im Nahen Osten gegen die Vereinigten Staaten halten lässt", weiß das BGR über die deutsche Irak-Politik und deren Stellung zu den USA zu berichten. Und weiter heißt es: "Das aktuelle 'Nein zum Krieg' ist ein 'Ja zum Krieg' genau dann, wenn es deutschen Interessen zum Vorteil gereicht. ... In diesem Sinne: Deutschland verrecke!" (BGR). Das BGR schreit "Deutschland verrecke" und hätte in diesem Sinne jeden anderen Staat, der wirtschaftlichen Interessen gemäß handelt, an Stelle Deutschland einsetzen können. Nebenbei quasselt das BGR irgend etwas vom "deutschen Sonderweg": was man halt so aus der antideutschen Kritik aufgeschnappt hat. Man kann dem BGR schnell erklären, warum die Schröders und Fischers mal "Nein" und mal "Ja zum Krieg" sagen. Das "Nein" dient dem Wahlkampf im antiamerikanischen Deutschland, das "Ja" der Außenpolitik gegenüber der USA und damit auch wirtschaftlichen Interessen. Das deutsche Volk, von dem über siebzig Prozent gegen den Krieg sind und höchstens ein halbes Prozent dezidierte Ahnung von wirtschaftlicher Außenpolitik hat, kann das BGR genau so wenig wie den deutschen Sonderweg erklären nicht mit diesem universitären wirtschaftlichen Expertenwissen: wo haben deutsche Firmen wie viele Prozent Anteile am Export. Der "deutsche Sonderweg", liebe GenossInnen vom BGR, besteht nicht aus wirtschaftlicher Interessenpolitik, sondern propagiert in Abgrenzung zur kapitalistischen Klassengesellschaft die Volksgemeinschaft. Hätte das BGR im Übrigen auch nur ein wenig seine eigens veranstaltete Vortragsreihe zur Kritik der Arbeit ernst genommen, müsste es sowieso ganz anders argumentieren und sich hämisch über die aufgedeckte dämliche deutsche Wirtschaftspolitik freuen - so in Zeiten der finalen Krise. Aber das ist nicht der von mir zu lösender Fall. Aussagekräftig ist dieser Fall aber hinsichtlich der gesellschaftskritischen Beliebigkeit und der politischen Zielgenauigkeit des BGR: Gesellschaftliches Spektakel statt Gesellschaftskritik.
Ein zweites Mal auf die Schnauze fallen würde die Antifa (jetzt auch unter dem Label "Radikale Linke" agierend) dann, wenn in Deutschland die Profitgier wieder offensiv angeklagt und somit die Wirtschaftsexperten der Antifa, die das Benennen wirtschaftlicher Interessen für Kritik halten, wiederum eingemeindet würden. Solange mag sie die Wirtschaftsinteressen geflissentlich durchbuchstabieren und das Benennen der wirtschaftlichen Interessen zur linksradikalen Kritik erheben. Tatsächlich jedoch vernichtet solche Kritik den Funken kommunistischer Hoffnung in jeder wirtschaftlichen Handlung innerhalb einer unvernünftigen Welt, in der eben das gesamtökonomische Resultat aller einzelnen Handlungen dem egoistischen Interesse nach Befriedigung materieller Bedürfnisse entgegensteht. Nicht das materielle Interesse ist das kapitalistische Problem, sondern dessen Nichtbefriedigung. Wer anderes behauptet, landet in den Reihen rechter Kulturkritiker, welche die materiellen Wünsche anstatt die Verhältnisse beklagen, in denen die Wünsche nicht erfüllt werden. Das Kritisieren von wirtschaftlichen Interessen ist zuletzt der Weg, den die deutsche Ideologie schon immer eingeschlagen hat. Der "schnöde" Materialismus wurde zu Gunsten dem Dienst an höheren ursprünglicheren Idealen kritisiert. Zum Glück muss man sagen gilt in den Reihen der Antifa das radikalvulgäre Bekenntnis, gegen Deutschland zu sein. Das sollte letztendlich dann doch reichen, sich nicht in den Mob deutscher Ideologen einzureihen.
Kommunistische Gesellschaftskritik hingegen wehrt sich gegen den Ruf nach Verzicht und drängt auf die Aufhebung gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen die Menschheit nicht über die eigenen Geschichte herrscht, in denen somit Interessenpolitik immer Gewalt impliziert und materielle Sorglosigkeit nicht zu erreichen ist.

Hannes


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last modified: 28.3.2007