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Termin: 30.05.2012

Café

Mittwoch, 30.05.2012, Einlass: 19:30 Uhr

Mythos der Stadt

Diskussionsveranstaltung mit Roger Behrens zur Kritik der politischen Ökonomie der Stadt

Mythos der Stadt
Diskussionsveranstaltung mit Roger Behrens zur Kritik der politischen Ökonomie der Stadt

In den zuletzt auch in Leipzig vehement geführten Diskussionen um Gentrifizierung, Verdrängung, urbane Entwicklung und ganz allgemein „Stadt“ schien in den meisten Fällen klar, wer das Feindbild ist. An konkreten und zu Recht kritisierten Fakten – Mietsteigerung, Freiraumschwund oder Luxussanierung – mangelte es in der Regel nicht, bisweilen aber an der Anbindung der Frage, was die derzeitigen Auseinandersetzungen um „Stadt“ mit Vergesellschaftung und Kapitalismus zu tun haben.
Zu konstatieren ist im Moment auch die Heterogenität, Individualität und Selbstbezogenheit der Gentrifizierungskritik. Es geht um die eigene Miete, das gefährdete Atelier und die vertraute Kneipe nebenan. Im Streit um (Über)lebenspraxen und Alltagskritik existieren allerdings kaum Rückkopplungen mit theoretisch-emanzipatorischen Bewegungen. Und überhaupt, manchmal wirkt es so, als ob sich aktuelle Politikansätze und Freiraumdebatten im Unterschied zu den Häuserkämpfen der siebziger Jahre nur noch schwer von gegenwärtigen administrativen Maßnahmen der „behutsamen“ Stadterneuerung unterscheiden lassen. „Wächterhäuser“ und „Guerilla Gardening“ gelten hier schon als politische Konzepte. Zwar wird „das Recht auf Stadt“ proklamiert, wer dies allerdings in welchem Namen gegen wen durchsetzt und wie das überhaupt funktionieren soll, erscheint unklar.



Die Veranstaltung mit Roger Behrens setzt bei der Frage nach den AkteurInnen an, möchte gleichzeitig aber auch diskutieren, wie Veränderung, Modernisierung und Verbesserung der Lebensqualität – eigentlich genuin linke Anliegen – und die aktuellen Verschlechterungen und zunehmenden stadträumliche Ausschlüsse, die mit dem (Kampf)-begriff Gentrifizierung gelabelt werden, zusammen gehen. Dafür lohnt auch ein Blick in die Geschichte des kapitalistischen Wesens der Stadt. Während die kapitalistische Stadt des neunzehnten Jahrhunderts die Stadt des Klassenkampfes im Übergang vom Absolutismus zur Moderne war, vollzog sich in der fordistischen Variante die formale und strukturelle Durchkapitalisierung aller menschlichen Beziehungen durch das städtische Leben. Dieser Prozess ging dabei weit über die Architektur hinaus. Die Bedeutung der Verwandlung der Stadt in den für den Kapitalismus bestimmten Ort bleibt heute weitestgehend unsichtbar, verbindet sich in die Erscheinungen des Alltags und zeigt sich in der konkreten Praxis städtischen Lebens. Die Frage ist daher auch, was die „Stadt“ von heute eigentlich ausmacht? Kann es Modernisierung ohne Ausgrenzung und Verdrängung geben? Und schafft es die Kritik der politischen Ökonomie der Stadt, politische Handlungsspielräume auch für kapitalismuskritische Positionen auszuloten?

Vorbereitungsgruppe „Disneyland des Unperfekten“



[aus dem CEE IEH #195]

02.04.2012
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