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Termin: 15.03.2012

Café

Donnerstag, 15.03.2012, Einlass: 18:00 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr

Rebellion-Tour 2012

Madball
H2O
Deez Nuts
First Blood
Devil in me
Strength Approach


siehe auch: strengthapproach.com, myspace.com/madball, myspace.com/deeznuts, myspace.com/firstblood, myspace.com/devilinmeband
Selbstüberschätzung at its best
Zum Umgang des Conne Island mit der Causa First Blood

Ach, wie harmonisch könnte ein soziokulturelles Zentrum sein, in dem einfach alles Unpässliche unter den Tisch gekehrt würde! Wie schön wäre aber auch eine Welt, in der Künstler und Künstlerinnen zweimal darüber nachdächten, mit wem sie sich fotografieren lassen, welche Bands sie in ihrer Freizeit veranstalten und wessen Illustrationen sie für ihre T-Shirts verwenden. Das Conne Island ist weder dieses idyllische soziokulturelle Zentrum, noch hat es das Glück ausschließlich solche idealen KünstlerInnen auf seine Bühne stellen zu können.

Am 15. März 2012 fuhren zum nunmehr neunten Mal die New Yorker Hardcore-Chefs von Madball vor und brachten ihre liebsten Kumpels mit. Am Start war unter anderem die Band First Blood um den Sänger Carl Schwartz. Bereits viele Monate im Vorfeld wurde dem Conne Island-Plenum zugetragen, dass sich im Merchandise-Sortiment der Band ein T-Shirt befände, dessen Message bestenfalls israelkritisch sei. Wie es im Conne Island-Plenum gängige Praxis ist, wurde die Auseinandersetzung mit eben jenem Shirt Woche um Woche zu Gunsten zahlreicher anderer mehr oder weniger wichtiger Vorkommnisse verschoben. Als der Fall dann endlich auf den Tisch kam, wurde schnell klar, dass der Laden ein Statement der Band verlangen würde, bevor eine endgültige Zu- oder Absage erteilt werden konnte. Die Show war zu diesem Zeitpunkt längst komplett gebucht und bereits fast ausverkauft.

Auf dem T-Shirt ist ein stilisierter Hamas-Kämpfer, anscheinend in einer kriegerischen Situation, abgebildet. Neben der Illustration ist ein Ausschnitt des Berichtes von Amnesty International über die „Operation Gegossenes Blei“ im Winter 2008/2009 zu lesen. Darin werden die Missetaten israelischer SoldatInnen gegenüber der Zivilbevölkerung im Gazastreifen angeprangert.
In einer erst über verschiedene Umwege und mit einiger Verspätung zugestellten Email wurde First Blood mitgeteilt, dass das Conne Island als ein Projekt, das sich mit Israel solidarisch erklärt, eine Stellungnahme der Band zur Aussage des Shirts fordere und unter den zu jenem Zeitpunkt gegebenen Umständen einen Auftritt als nicht möglich erachte. Begründet wurde dies damit, dass die Art der Darstellung des Hamas-Kämpfers, der für die Nichtanerkennung des Existenzrechts Israels und vor allem für die Zerstörung eben dieses Staates steht, im Gegensatz zu jeglichem politischen Konsens innerhalb des Conne Island steht.

In einem vorläufigen Antwortschreiben erklärte der Sänger Carl Schwartz die antirassistische Position der Band, die sich außerdem mit Palästina solidarisch, aber ausdrücklich nicht anti-israelisch oder antisemitisch gestalte. Der Künstler hinter der Illustration des Shirts, Carlos Latuff, sei ein weltbekannter Menschenrechtsaktivist und dem Conne Island wurde einmal mehr Meinungs-Zensur vorgeworfen; es gehe hier ja schließlich um Hardcore, also freies Denken und Open-Mindedness. Eine ausführlichere Erläuterung wurde angekündigt.
Dank Google konnte der „Menschenrechtsaktivist“ Latuff in der Zwischenzeit kurzum als politisch mehr als schwieriger Zeitgenosse identifiziert werden. Unter anderem wurde einer seiner Cartoons im iranischen Holocaust-Karikaturenwettbewerb im Jahr 2006 mit dem zweiten Platz geehrt; Israel mit dem NS-Regime zu vergleichen scheint ihm eine ertragreiche Quelle der Inspiration zu sein.

Die eine Woche vor dem Konzerttermin folgende ausführliche Antwort Schwartz` trug nicht dazu bei, die Aufregung zu dämpfen, sondern eröffnete einen weiteren Blick in die Untiefen der politischen Differenzen zwischen First Blood und dem Conne Island. Es wurde klar, dass man Schwartz ob seiner mindestens antizionistischen Argumentation selbst mit Augen zu und größtem Wohlwollen kaum mehr nur blinden Pazifismus oder Gutmenschentum unterstellen konnte. Da die Zeit aufs Äußerste drängte, gab sich das Plenum mit der Forderung nach einer deutlichen Distanzierung der Band von Carlos Latuff und seinen Cartoons sowie einem Verkaufsstopp des betreffenden Shirts zufrieden, beschloss jedoch bei Nichterfüllung dieser Forderungen First Blood nicht auftreten zu lassen.



Die Antwort folgte postwendend und mit mehr Tamtam und Krawall, als es sich das Plenum hätte vorstellen können.
Freddy „Madball“ Cricien, Sänger der gleichnamigen Band, der die Tour höchstpersönlich zusammengestellt und gebucht hatte, drohte mittels der verantwortlichen Agentur mit weitreichenden Folgen für das Conne Island in Form der Absage des Konzertes und eines zukünftigen Boykotts durch sämtliche amerikanische Hardcore-Größen, wenn die Band seines Kumpels Carl Schwartz von der Show ausgeschlossen würde und ließ auch sonst keine Möglichkeit aus, um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen. Die einzig positive Neuigkeit war die Tatsache, dass das den Konflikt ursprünglich auslösende Shirt zu diesem Zeitpunkt offenbar zumindest in Deutschland schon längst nicht mehr im Verkauf war, was allerdings nichts mit einem politischen Einlenken der Band zu tun hatte.
Daraufhin musste ein „Notfall-Plenum“ einberufen werden, in dessen Rahmen abgewogen, gerechtfertigt und diskutiert wurde, bis man sich dazu durchrang, die eigene Credibility zum Wohle der Zukunft von Hardcore im Conne Island aufs Spiel zu setzen. Außerdem entschloss man sich dazu, eine kleine Delegation zu einem Gespräch mit Schwartz am Tag des Konzertes zu entsenden.

Diese Unterhaltung führte zu keiner überraschenden Erkenntnis. Schwartz gerierte sich als Pazifist und Menschenrechtler und konnte nicht umhin, den Holocaust trotz klarer Ansagen der Conne Island-VertreterInnen mit anderen „Ungerechtigkeiten“ gleichzusetzen. Seine pro-palästinensische Haltung sei als Opposition zum vorherrschenden gesellschaftlichen Diskurs in den USA zu verstehen; sein Mitgefühl gelte natürlich trotzdem all den Jüdinnen und Juden, die dem Holocaust zum Opfer gefallen seien. Er sei außerdem froh, dass nun im Tourbus endlich einmal auch über Politik statt immer nur über Bier und „Tough Guy- Shit“ gesprochen werde. Er könne nicht für Carlos Latuff sprechen und kenne nicht alle seine Arbeiten, der Hamas-Kämpfer sei jedoch ein Freiheitskämpfer, der fälschlicherweise als Terrorist missverstanden würde. Um das Gespräch versöhnlich zu beenden, zeigte Schwartz einen Cartoon Latuffs, der dessen eigentliches tiefstes Herzensanliegen deutlich machen solle: ein Israeli und ein Palästinenser, die sich weinend und freundschaftlich in den Armen liegen.

Obwohl das Conne Island seine Position First Blood gegenüber deutlich zum Ausdruck gebracht hat und ein erneutes Auftreten der Band eher unwahrscheinlich ist, hält sich auch nach dem Konzert ein bitterer Nachgeschmack des Eingeknicktseins. Bisher war das Conne Island meist in der privilegierten Position, politische Debatten innerhalb ladennaher Subkulturen beeinflussen und prägen zu können. Doch wie soll man am Einlass Teenagern erklären, dass sie ihr buntes Palituch schleunigst verschwinden lassen sollen, wenn es die Leute mit den wirklich indiskutablen Positionen ohne Umwege auf die Bühne schaffen? Die selbst praktizierte Erpressung am eigenen „Leib“ zu spüren, sollte eine Lektion für die Zukunft sein, inhaltliche Bedenken am Kulturprogramm nicht auf die lange Bank zu schieben. Der Vorgang um First Blood war zwar ein bisher einmaliger in der Geschichte des Ladens, stellt jedoch auch einen Höhepunkt des seit einiger Zeit gängigen, oberflächlichen Umgangs mit dem eigenen Booking dar. Dass Bedenken gegenüber einer Band, die als dritte von insgesamt sechs Bands an einem Abend auftritt, überhaupt zur Sprache kommen und so ausführlich diskutiert werden, ist eine absolute Seltenheit und kann in diesem Fall fast als Zufall bezeichnet werden. Dies ist auch der Arroganz des Plenums gegenüber vermeintlich „unwichtigen“ Vorbands und der Überschätzung der eigenen Verhandlungsposition geschuldet. Die Verantwortung für das Dilemma, in dem sich das Conne Island dadurch befindet, trägt in erster Linie das Plenum, das sich bereitwillig immer wieder in ein unfassbar aufwendiges, aus allen Nähten platzendes und vor allem kaum Zeit für derartige Diskussionen zulassendes Veranstaltungsprogramm stürzt. So wenig irgendjemand im Conne Island Bands wie Sick of it all, Madball, H2O oder Agnostic Front als stetige Begleiter des Ladens verlieren will, so sehr fühlt sich die Entscheidung an wie ein weiterer Schritt hinein ins Business, weg vom politischen Anspruch.

jimmy



[aus dem CEE IEH #195]

14.03.2012
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