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Termin: 22.07.2010

Café

Donnerstag, 22.07.2010, Einlass: 20:00 Uhr

2cl Sommerkino und CEE IEH live

Fritz Bauer - Tod auf Raten
Ilona Ziok, BRD 2010, Dok, 110 min

20:00 Diskussionsveranstaltung zum Film mit Jens Hoffmann (Konkret-Autor und Autor des Buches »Das kann man nicht erzählen«)
21:30 Film

Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Saal statt
- Gefördert im Rahmen der LAP Leipzig und des Bundesprogramms Vielfalt tut gut -

siehe auch: conne-island.de/sommerkino.html, cinematheque-leipzig.de, fritz-bauer-film.de
Fritz Bauer - Death by Instalments
Film und Diskussionsveranstaltung

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess begann im Dezember 1963 und endete nach 183 Verhandlungstagen im August 1965. 357 Zeugen wurden gehört, 211 waren KZ-Häftlinge gewesen. Mehr als 20 SS-Leute und Beteiligte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurden zu teilweise lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Dass der Prozess überhaupt zu Stande kam, ist vor allem der Hartnäckigkeit von NS-Verfolgten wie Fritz Bauer zu verdanken. Der damalige hessische Generalstaatsanwalt hatte den Prozess vorbereitet und vorangetrieben. Nach den Prozessen kommentierte er die Zäsur juristischer Aufarbeitung des Nationalsozialismus mit den Worten: »Wir Juristen in Frankfurt haben erschreckt gerufen nach dem Dichter, der das ausspricht, was der Prozess auszusprechen nicht imstande ist.« Fritz Bauer, zurückgekehrter jüdischer Emigrant, war einer der wenigen prominenten Juristen des postnationalsozialistischen Deutschlands, die sich von Anfang an vehement für die Verfolgung von NS-Verbrechen eingesetzt haben. Neben seiner Mitinitiatorenfunktion bei den Frankfurter Auschwitzprozessen spielte Bauer auch eine wichtige Rolle bei der Ergreifung Adolf Eichmanns, indem er dessen Aufenthaltsort an den israelischen Geheimdienst Mossad verriet, damit dieser in Jerusalem vor Gericht gestellt werden konnte. Im restaurativ-regressiven Klima der Adenauer-Ära galt Fritz Bauer mit seinen Aufsätzen und Reden mit Titeln wie »Mörder unter uns« und »Am Ende waren die Gaskammern« als eine »Provokation für den Zeitgeist«. Antisemitische und politische Anfeindungen begleiteten das Leben des jüdischen Schwaben. Bis zu seinem Tod 1968 in Frankfurt blieb ihm weitestgehend die Anerkennung für sein Engagement gegen das »Vergessen« und »Verdrängen« verwehrt. Der im Februar 2010 zur Berlinale uraufgeführte Dokumentationsfilm von Ilona Ziok erzählt nicht nur das Leben Fritz Bauers. Vielmehr beschreibt er – durch Originalaufnahmen Bauers und vor allem durch die Interviews mit Freunden und Kollegen – die unglaubliche Verharmlosung, Verdrängung und aktive Vertuschung nationalsozialistischer Beteiligung von Juristen, Staatsanwälten und Richtern bis weit in die 1990er Jahre hinein. Fritz Bauer war einer derjenigen, die den Kampf um Verfolgung von NS-Juristen und die Aufarbeitung ihrer Verbrechen geführt haben. Heute gilt Bauer auch als Aufbauhelfer einer demokratischen Rechtspflege in der jungen Bundesrepublik. Querulant, Außenseiter und immer auf der Suche nach unpopulären Lösungen gegen herrschenden Mehrheiten und Autoritäten beschreibt das Leben und Wirken Fritz Bauers allerdings besser...



[aus dem CEE IEH #177]

22.07.2010
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
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