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Termin: 11.05.2010

Café

Dienstag, 11.05.2010, Einlass: 19:30 Uhr

Die Erste Frauenbewegung – antimoderne Moderne?

Referentin: Anna Pollmann, Kulturwissenschaftlerin

Die Erste Frauenbewegung kann einerseits als Ausdruck der Moderne verstanden werden, andererseits trägt sie auch antimoderne Züge, die sich besonders in der Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff, antisemitischen Stereotypen und Rassedenken zeigen. Ihre GegnerInnen sahen die Frauenbewegung oft als Untergang für die bestehende Kultur an und setzten z.B. jüdische Emanzipation mit der von Frauen gleich, um sie als jüdisches Machwerk zu diffamieren. Die Veranstaltung zeigt moderne wie antimoderne Inhalte der Ersten Frauenbewegung auf und diskutiert, welche Themen die Frauen beschäftigten, wie sie sich zusammenschlossen und welche Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Organisationen existierten.

Gefördert durch Amplify! und dem Fond Soziokultur

- Eine Veranstaltung vom afbl in der Reihe "In Bewegung - Know your feminist history" -

siehe auch: afbl.tk
In Bewegung – know your feminist history
Vorträge, Diskussionen und Filme

Glücklicherweise müssen wir nicht mehr darüber diskutieren, ob Frauen wirklich wählen sollten, ob verheiratete Frauen ein eigenes Konto besitzen dürfen oder ob Frauen ihren Beruf, ihren Wohnort und ihre Partner_innen selbst aussuchen können. Aber seit wann sind diese Rechte denn durchgesetzt? Wer hat dafür gekämpft und wie wurden diese Kämpferinnen bekämpft? Und: Was ist denn geblieben von vergangenen Kämpfen? Welche müssen weiterhin geführt werden, welche sind neu hinzugekommen? Um diese und weitere Fragen wird es in den Veranstaltungen gehen.
Die Erste und Zweite Frauenbewegung und ihre Protagonist_innen sollen nicht nur vorgestellt, sondern auch kritisch diskutiert werden. Die Differenzen, die innerhalb der sehr verschiedenen Frauenorganisationen existierten und die unterschiedlichen Themenfelder, mit denen sich Frauenrechtlerinnen und Feministinnen beschäftig(t)en, werden genauso aufgegriffen wie die gesellschaftlichen und politischen Wirkungen, die sie erzielten. Doch nicht nur der feministische Aufbruch in Westdeutschland wird thematisiert, auch Emanzipationsbegriff und Rollenverständnis von Frauen in der DDR werden in einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Protagonistinnen diskutiert.
Heute geht es neben einer Analyse des Geschlechterverhältnisses und der Frage nach dem Status Quo des strukturellen Patriarchats auch darum, wie Gechlechtergrenzen aufzuweichen oder gar aufzulösen seien.
Queere Theorie und Praxis hat sich aus dem Feminismus heraus entwickelt, mit dem Ziel Geschlecht zu dekonstruieren und die heterosexuelle Norm zu hinterfragen. Häufig, so scheint es zumindest, werden dabei vornehmlich individuelle Praktiken entwickelt und Gesellschaftskritik vernachlässigt. Grund genug zu fragen: Welche politische Dimension besitzt „queer“?
Begleitet werden die Veranstaltungen von einer Filmreihe im UT Connewitz, in der einige Perlen der queer- feministischen Filmgeschichte zu sehen sein werden. Filme als Medium wurden oft genutzt, um deviante Rollenbilder und ein emanzipatorisches Geschlechterverhältnis zu entwerfen oder Kritik am Bestehenden zu formulieren. Wir wollen rückblickend zeigen, wie diese Bilder aussahen und aussehen und dem kulturellen Wirken von Feminist_innen eine Öffentlichkeit bieten.

I DISKUSSIONEN UND VORTRÄGE
11.05., 19:30h, Conne Island:
Die Erste Frauenbewegung – antimoderne Moderne?

Die Erste Frauenbewegung kann einerseits als Ausdruck der Moderne verstanden werden, andererseits trägt sie auch antimoderne Züge, die sich besonders in der Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff, antisemitischen Stereotypen und Rassedenken zeigen. Ihre GegnerInnen sahen die Frauenbewegung oft als Untergang für die bestehende Kultur an und setzten z.B. jüdische Emanzipation mit der von Frauen gleich, um sie als jüdisches Machwerk zu diffamieren. Die Veranstaltung zeigt moderne wie antimoderne Inhalte der Ersten Frauenbewegung auf und diskutiert, welche Themen die Frauen beschäftigten, wie sie sich zusammenschlossen und welche Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Organisationen existierten.
Referentin: Anna Pollmann, Kulturwissenschaftlerin

03.06., Conne Island
„Die Frauenfrage ist gelöst!“ Rollenbilder und Emanzipationsbegriff von Frauen in der DDR

Das sozialistische Ideal sah für Frauen Gleichberechtigung vor. Als Werktätige galten sie quasi automatisch auch in allen anderen Bereichen als befreit.
Aber waren Frauen in der DDR dem Abbau geschlechterspezifischer Hierarchien tatsächlich nähergekommen? Es gab Einige, die dies in Frage stellten, und sich damit der Anschuldigung der Systemkritik aussetzten. Wie sich Frauen dennoch organisierten, welche Formen und Inhalte Frauengruppen in der DDR hatten und wie widersprüchlich die Situation von Frauen wahrgenommen wurde, ist das Thema dieses Abends.

Podiumsgespräch mit
Karin Dauenheimer (Diplom-Theologin, Künstlerin, damals AK Homosexualität in der ev. Kirche, AK Feministische Theologie)
Annegret Schüle (Historikerin mit Schwerpunkt Frauen als Werktätige in der DDR)
Birgit Bütow (Soziologin mit dem Schwerpunkt Frauen- und Mädchenarbeit)
Monique Förster (Leiterin Kunsthaus Erfurt, Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe ExterraXX)

17.06., 19:30h, GfzK:
Die Zweite Frauenbewegung – Wie aus Selbstbestimmungsrecht Self-Management wurde

Nach einer kurzen Einleitung in die Geschichte der Zweiten Frauenbewegung in der BRD diskutiert Paula-Irene Villa in ihrem Referat die Frage, inwieweit die Zweiten Frauenbewegung mit ihrer Verknüpfung des Privaten und Politischen sowie ihrem Einklagen nach feministischer Selbstermächtigung und Autonomie in Bezug auf den eigenen Körper („mein Bauch gehört mir“) die heute gängige individualistische Manipulation des Körpers (z.B. durch Schönheitschirurgie, Diäten, Kosmetik), beziehungsweise einen Zwang zum Selbstmanagement qua Körper gleichsam mit hervorgebracht habe.
Referentin: Paula-Irene Villa, Soziologin

05.07., 19:30h, Conne Island:
Theorie und Bewegung – Queere Herrschaftskritik und politische Interventionen

Queere Theorie befragt die Normierung von Geschlecht und Sexualität und verweist auf die Ausschlüsse bei der Re-/Produktion von Identitäten. Dabei betont sie die Verwobenheit verschiedener Herrschaftsunterscheidungen. Queer-politische Interventionen sind zu einem festen Bestandteil feministischer und sexualpolitischer Kämpfe geworden. Wie sind Queer Theory und Queer Politics entstanden? Welche neuen Begriffe werden diskutiert? Welche Entwicklungen und Konflikte gab es? Wo sind ungelöste Sollbruchstellen? Welches politische Potenzial steckt darin?
Referent: Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe, Kulturwissenschaftler

II FILMREIHE
Die Filmreihe gibt einen kleinen Einblick in queer-feministische Filmgeschichte. Die Filme laufen ergänzend zur Veranstaltungsreihe und spannen ebenfalls einen Bogen von der Zeit der Ersten Frauenbewegung bis zur queeren Theorie und Praxis.

18.05. 20:00, UT Connewitz:
A Florida Enchantment (USA 1914, 63 min, Stummfilm, Sidney Drew)

Lillian Travers, eine gelangweilte junge Frau, ist die Eskapaden ihres wesentlich älteren Verlobten leid. Zufällig gelangt sie in den Besitz geheimnisvoller Kräuter, die eine Verwandlung von Männern in Frauen und von Frauen in Männer bewirken sollen. Einmal eingenommen, hat Lillian als Mann eine phantastische Zeit. Sie küsst andere Frauen, raucht Zigaretten, trägt Männerkleidung und genießt die neu entdeckte Unabhängigkeit. Das sorgt ordentlich für Verwirrung, nicht zuletzt bei ihrem Verlobten. Um ihn loszuwerden, bewegt sie ihn zur Einnahme der Kräuter. Für ihn jedoch wird der Geschlechtertausch gefährlich, als er versucht, einen Mann zu verführen. Der außergewöhnliche Stummfilm aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts gilt als der erste von einer Frau gedrehte Hollywoodfilm.

01.06. 20:00, UT Connewitz
Born in Flames (USA 1983, 80 min, Regie: Lizzie Borden)

Ein feministischer Science-Fiction, der mit pseudodokumentarischen Bildern ein imaginäres New York zehn Jahre nach der sozialistischen Revolution entwirft. Immer noch sind Frauen von Unterdrückung und Gewalt betroffen. Im Untergrund beginnen sie sich zu organisieren – doch je nach Herkunft und Identität bilden sich verschiedene Gruppen, die sehr unterschiedliche Ideen davon haben, was zu verändern sei und wie. Als die charismatische Anführerin der „Women`s Army“ auf mysteriöse Weise im Polizeigewahrsam umkommt, schließen sich ein Zeitungskollektiv weißer Mittelschichtsfrauen und die zwei ungleichen Piratinnen-Sender „Phoenix Radio“ (Rap) und „Radio Ragazza“ (Punk) zusammen, um die feministische Gegenrevolution anzuführen. Noch 25 Jahre nach Entstehung des Films haben die politischen Debatten eine erstaunliche Aktualität.

08.06. 20:00, UT Connewitz
Tausendschönchen (CSSR, 1966, 74 Min., Regie Vera Chytilová

Weiblicher Hedonismus im realen Sozialismus: Marie und Marie toben spielerisch durch die bürgerlich-patriarchale Gesellschaft und hinterlassen eine dabei eine Spur der Zerstörung. In lose verbundenen, surrealistischen Szenen erzählt der Film mit allem was Avantgarde und Pop-Art zu dieser Zeit zu bieten hatten von der Zerstörung als befreiender und gefährlicher Kraft. Dieses anarcho-feministische Glanzstück wurde nach der Zerschlagung des Prager Frühlings in der CSSR verboten.

24.06. 20:00, UT Connewitz:
Wild Side (Frankreich/Belgien 2004, 94 min, Regie: Sébastien Lifshitz)

Stéphanie erfährt durch einen Anruf, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Die Prostituierte, einst als Pierre in der Provinz aufgewachsen, fährt mit dem Gelegenheitsstricher Djamel und dem Tschetschenien-Veteranen Mikhail in ihre ungeliebte Heimat. Wortkarg und mit wundervollen poetischen Bilder beschreibt der Film die Ablösung von der Mutter als Repräsentantin der bürgerlichen Familie und entwirft die Wahlverwandschaft der Figuren als innige Gemeinschaft, in der es um Bindung und nicht um Identitätssuche geht.

AFBL



[aus dem CEE IEH #176]

28.04.2010
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
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