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Alle Termine für den 25.10.2017

Café

Mittwoch, 25.10.2017, Einlass: 20:00 Uhr, Beginn: 21:00 Uhr

Swans

Conne Island & Schubladenkonsortium pres.:

SWANS (Young God Records)
+ Support: Baby Dee

Michael Gira, Mastermind der Swans, erlangte eine nervenaufreibende Biographie ganz von selbst. Drogenerfahrungen bereits im Alter von 12 Jahren und das darauffolgende Dealer-Dasein im fernen Israel mit Gefängnisaufenthalt machen ihn zu einem archetypischen Rebellen. Die Rückkehr in die USA kann als feiner Zug seiner musikalischen Laufbahn gesehen werden, denn erst so konnten die Swans entstehen. Dank Interpol und der Vehemenz seines Vaters wurde der junge Gira gefunden und zurückgebracht.

1979 zieht er nach New York und die Kreativität packt ihn vollends. Thurston Moore von Sonic Youth ist ebenso kurze Zeit Teil von Giras Kombo. Es entsteht mit den Swans eine Vorzeigeband der New Wave-Szene und des Post-Punk. Sie polarisieren und mit den ersten drei Longplayern Filth, Cop und Public Castration is a Good Idea nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Das Einschreiten der Polizei bei Shows ist nicht selten. Gira will eben verstören und schafft es auch. Das 1987 erscheinende Children of God wird zum Maßstab der alternativen Kultur. Nachdem Swans von dem Frontmann-Genie auf Eis gelegt werden, erfolgt 2010 die große Erleichertung: Swans are not dead! Mit My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky und The Seer meldet sich Gira mit seinen Swans zunächst zurück. Er vermag immer noch auf verstörende Art und Weise die Hörer zu elektrisieren wie das Album nachhaltig beweist.

To Be Kind, Swans jüngstes Studioalbum, das dritte nach ihrer sensationellen Wiedergeburt, erscheint als Dreifach-Vinyl, Doppel- CD, Download und 3-Disc-Deluxe-Version inklusive einer Live-DVD. Das Werk bietet Gastauftritte von Little Annie, St. Vincent, Mute-Künstlerin Cold Specks und Bill Rieflin. Produziert wurde es von Michael Gira und aufgenommen von John Congleton auf der Sonic Ranch, Texas. Jetzt Tickets im Vorverkauf sichern für Swans!

siehe auch: https://www.facebook.com/SwansOfficial, https://www.facebook.com/TheFabulousBabyDee
Swans + Baby Dee

I. Tinder. Jobcenter. Callcenter. Vegan kochen. CDU. Hausprojekt. LVZ. Ellesse. No Cops. MacBook Pro. Puh! All diese Momente der Freiheit, die zwischen Eisi, Karli und Späti tagtäglich aufscheinen - es kann einem schwindelig werden. Oder fad, enthalten sie doch einige Trostlosigkeit. Gegen diese Gleichzeitigkeit von eklatanter Überforderung und bedrückender Langeweile lässt sich nicht leicht ankämpfen. Zu den klassischen Methoden dem Leben dennoch ein wenig Bedeutung abzutrotzen gehören Dinge wie Liebe, Aufstand, Drogen, Kunst. Die Band Swans, die im November ins Conne Island kommt, hat all das in unterschiedlicher Ausführung im Angebot; bietet deswegen an, uns Geschundenen einen Abend lang Trost zu spenden in Form einer »sonic experience«, wie sie selbst sagt. So ähnlich wie Sunn o))) im letzten Jahr, geht es Swans um Überwältigung durch musikalische Brachialität, Trance durch unablässige Wiederholung, Ekstase durch künstlerische Hingabe. Das 2012er Album The Seer kann ohne Weiteres zu den wenigen wirklich relevanten Platten der letzten zehn Jahre gezählt werden. Es besteht aus teils unheimlich langen, von Noise, Industrial, Neo-Folk, Post-Punk, Drone (also praktisch allem, was geil ist) beeinflussten Exkursionen. Bei Konzerten stehen die Musiker grimmig dreinschauend im Halbkreis, improvisieren auf Basis der Songs, verändern oder dehnen sie noch weiter aus. Die Szenerie erinnert an ein dunkles Ritual, der Sound entfaltet sich düster psychedelisch, wird nur selten von Momenten der Schönheit unterbrochen. Inhaltlich drehen sich die Songs um Abtrünnige, Seher, Wahnsinn, die Gosse. Natürlich klingt das furchtbar prätentiös und übertrieben. Spätestens wenn du in der ersten Reihe von Sänger Michael Gira böse angefunkelt wirst, dich zwei Stunden lang starr an deinem leeren Bier festhalten musst, nur um von dem Spektakel nichts zu verpassen, die Ohren trotz Ohropax klingeln (dennoch: bitte unbedingt einpacken!), vergeht das Lachen. Ironisch gemeint ist das alles definitiv auch nicht. II. Könnte also alles ganz schön sein. Wir haben gemeinsam einen guten Abend, lassen uns von den Gitarren umpusten, wundern uns ein wenig über die lauten alten Männer auf der Bühne, gehen leicht erheitert vom Žatec-Bier und um eine sonische Erfahrung reicher nach Hause. So einfach ist es nicht, wird es nicht sein - und das hat einen Grund: Im Februar 2016 veröffentlichte die Musikerin Larkin Grimm auf ihrer Facebook-Seite ein Statement, in dem sie Michael Gira der Vergewaltigung im Jahre 2008 bezichtigte. Im unmittelbaren Nachgang mit dem Vorwurf konfrontiert, beendete Gira die Zusammenarbeit mit der Musikerin, die bis dato bei seinem Label Young God Records unter Vertrag stand. Gira hat in Interviews Stellung zu den Vorwürfen genommen, sie zurückgewiesen und die Situation als einvernehmlichen Geschlechtsverkehr charakterisiert. Andererseits hielt er es für notwendig in einer offiziellen Social-Media-Stellungnahme verunglimpfend über Grimm zu sprechen. Es ist nicht meine Aufgabe hier Stellung zur Richtigkeit der Vorwürfe oder zur Angemessenheit der Reaktion zu formulieren. Zu einem Gerichtsverfahren ist es nicht gekommen. Die Situation lässt sich über das Internet kaum rekonstruieren. Einige Aspekte möchte ich dennoch hier ansprechen: Angesichts der von Swans zuerst nur künstlerisch exerzierten Unmittelbarkeit und Rohheit stellt sich bei mir aufgrund der Vorwürfe und ihrem Umgang damit ein sehr unangenehmer Nachgeschmack ein. Eine weitere inhaltliche Beschäftigung ist hier geboten. Nach einem kurzen Aufschrei in entsprechenden Kanälen im Frühjahr letzten Jahres fand die Kontroverse ein schnelles Ende. Weder die Tour veranstaltende Agentur, noch das Label Mute, das Swans in Europa betreut, haben die Problematik in ihren Ankündigungen erwähnt. Leider gilt dies auch für das in Leipzig zuständige Schubladenkonsortium und nicht zuletzt das Conne Island selbst. Weder im Ankündigungstext auf der Homepage, noch in der entsprechenden Facebook-Veranstaltung wird der Vorfall auch nur angeschnitten. Soweit ich weiß, ist das Thema bis September auch nicht im Plenum besprochen worden. Dies ist umso bedenklicher, als dass derartige Probleme zuletzt häufiger auch im Island eine Rolle gespielt haben – man denke nur an die unsäglichen Wolf Down, die sich nach ähnlichen Vorwürfen zurecht aufgelöst haben und vorher mehrfach im Eiskeller zu Gast waren. Input von Außen hat es auch nicht gegeben, obwohl über das Thema zeitweise umfassend berichtet wurde und sicher an vielen Interessierten nicht vorbeigegangen ist. Die Auseinandersetzung mit Gewalterfahrungen und Geschlechterverhältnissen darf allen Versprechen nach Genuss zum Trotz nicht beim ersten gespielten Ton aus dem Verstärker enden und auch nicht beim Zahlen von 25 Euro für eine Eintrittskarte.

[Christopher Sprelzner]



[aus dem CEE IEH #244]

19.11.2017
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