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Montag, 29.12.2014, Einlass: 20:00 Uhr

20 Jahre LOIKAEMIE - Das Finale

LOIKAEMIE
Stage Bottles
Lousy


siehe auch: loikaemie.de
Loikaemie

Dass Loikaemie genau jetzt »den Deckel draufmachen« ist so richtig wie konsequent. »Auf der richtigen Seite zu stehen« war der Band, so wie ich sie kennen 
ernt habe, immer sehr wichtig  – und eine gewisse Konsequenz zieht sich durch die gesamte Bandgeschichte. Bevor man sich der Glaubwürdigkeit beraubt (ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich auch nur eines der Bandmitglieder der heutigen Skinheadszene zugehörig fühlt) und als peinliche Karikatur seiner selbst jahrein, jahraus die üblichen Festivals beackert, um vor einem Haufen besoffener Idioten den Kasper zu machen, ziehen Loikaemie den Schlussstrich. Bezeichnend, dass der Großteil der Fanschar die Ironie eines Songs wie »Wir sind geil, wir sind schön« gar nicht zu kapieren schien. Das vorgehaltene Spiegelbild zu erkennen ist für einige scheinbar schon zuviel. Dazu die sicher frustrierende Einsicht, dass für ebenjene Kandidaten kein Widerspruch darin besteht, heute zu Loikaemie zu gehen und morgen ein Deutschrockfestival zu besuchen. Irgendwann hat man es dann sicher einfach nur satt. Oder einfach keinen Bock mehr.
Aber genug der Vermutungen, für nicht eben wenige waren Loikaemie einer der Fixsterne der deutschen Oi! – ach sind wir ehrlich – der deutschen Punkmusik der letzten 20 Jahre. Die Jungs hinterlassen ungezählte partytaugliche Gassenhauer, eine absolute Gottplatte (»III«), sagenhafte Jugenderinnerungen und nicht zuletzt eben auch eine große Lücke zu Gunsten des Einerlei und der unpolitischen Beliebigkeit, die mittlerweile im deutschen Punk eingekehrt sind. Bereiten wir ihnen einen gebührenden Abschied!

[ecke]



Ü ber Band-jubiläen, die toten Hosen und nervige Fans.

Die alten Helden der deutschen Punkszene sind sich seit einigen Jahren für nichts zu schade. Aus groß angekündigten »One-Reunion-only« Shows werden Marathontouren (Slime), und alle wollen dabei sein (Wizo, Terrorgruppe, Hass). Der Trend erreichte im Oktober Leipzig (L’Attentat).
Will Loikaemie dieses Konzept nun auch für die Skinheadszene adaptieren? Keine Ahnung. Der erste Schritt zur Reunion ist zumindest mit dem Abschiedskonzert im Conne Island getan.
Muss man sich das »absolut letzte« oder »absolut einzige« Konzert einer Band, die man damals vor 100 Jahren vor 5 Leuten gesehen hat, nun an einem bzw. bei Loikaemie an zwei ausverkauften Abenden anschauen, nur um dabei gewesen zu sein? Um sich und die alte Gang mal wieder darüber zu vergewissern, dass man auch nach Jahrzehnten noch alle Texte kennt, auch wenn diese schon lange nichts mehr mit dem eigenen Leben zu tun haben?
Es ist ein schmaler Grat zwischen dem sehnsüchtigen Abfeiern eines Kults und dem unglaubwürdigen Versuch, eine lang verdrängte Jugend (oder einen ganzen Lifestyle) für einen Abend wiederherstellen zu wollen.
Es ist übrigens auch ein schmaler Grat –um jetzt mal die Band selbst und nicht nur deren Fans zu dissen – zwischen »Trinkfestigkeit« und »Kein Alkohol ist auch keine Lösung«. Ansonsten sind die Texte von Loikaemie ja ganz gut. Musste der Tote Hosen-Gassenhauer, der dazu führte, dass dieses Lied immer von den nervigsten Gestalten auf Punk- und Oi-Festivals gegrölt wurde, denn wirklich sein? Wahrscheinlich schon.
Dieser Text ist bald zu Ende. Seine Hauptaussage, so wird mir gerade klar, ist nicht die, dass Loikaemie eine schlechte Band ist, sondern dass Musikfans generell nervig sind. Sollte euch das davon abhalten, Ende Dezember ins 
 Island zu gehen? Aus rationalen Gründen: ja.
Wird es euch davon abhalten? Vermutlich nicht.
Für mich bedeutet Oi: Ein Abend voller Ellbogen in der Fresse, Bier auf der Jacke und blauer Flecken am Körper. Nicht zu vergessen die Kopfschmerzen, das Ohrenrauschen und die Gewissheit am nächsten Tag, erstmal für ne Weile genug zu haben von feierlichen Abschiedsshows und – vor allem – deren Publikum.

[ila]




[aus dem CEE IEH #219]

12.12.2018
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Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
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