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Happy Birthday
100 Jahre Deutscher Fußball Bund Eine Geschichte nationalistischen Großmachtstrebens.
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Am 28. Januar 2000 durfte der Deutsche Fussball Bund (DFB) sein hundertjähriges Jubiläum feiern. Dass dessen Gründung just in hiesiger Stadt vollzogen wurde, ist wohl eine der berühmten Zufälle der Geschichte. Man kennt das, besonders als Deutsche/r. Begangen wurde der Akt der Hundertjahrfeier mit einem rauschenden Fest im Leipziger Gewandhaus, welches ein Jahrzehnt 100-Jahr-Feiern im Leipziger Fussballgeschäft beendete. 1993: VfB Leipzig, 1999: Sachsen Leipzig und Roter Stern Leipzig, und zum Höhepunkt nun „100 Jahre DFB“.
1.200 geladene Gäste demonstrierten Größe und Stärke. Geladen waren RepräsentantInnen aus Politik, Kultur und natürlich dem Sport. Gefeiert wurde das wahrscheinlich letzte große Fest deutscher Gemütlichkeit dieser Art. Denn all jene Beteuerungen von der ursprünglichen Kraft des Fussballsportes können eines nicht verdecken: Das Ende des DFB naht. Der Markt, die Geister und ProtagonistInnen
Tiefensee und Braun, 9.0k

„grosses Fest deutscher Gemütlichkeit“ – der Leipziger OBM Wolfgang Tiefensee und DFB-Prominenz bei der Einweihung einer Gedenktafel zum 100. Jahrestag der DFB-Gründung
des Kapitalismus haben ihren Angriff auf die nationalstaatliche Institution DFB schon längst begonnen. Schritt für Schritt verliert der DFB an Attraktivität und überhaupt an Einflussmöglichkeiten. Internationale Gerichte oder einfach die im DFB organisierten Spitzenvereine beschneiden fortlaufend die Regularien desselben.
Der Kampf indessen wird umso verbissener geführt. Schließlich geht es um Posten, Karrieren, ja die Rettung eines ganzen Kartells schmieriger Beamten-Verschnitte. Und es geht um Ansehen, um Prestige und um die Nation, das Volk, Deutschland. Für solch hehre Ziele wird entsprechend auch großes Geschütz aufgefahren. Dessen größtes ist die WM 2006, welche nach Deutschland geholt werden soll. Hierin sind sie sich einig, die Größen des prunkvollen Abends, sei es Egidius Braun, seines Zeichens Präsident des DFB, oder Gerhard Schröder, oder Johannes Rau oder der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee.
Und gekämpft wird auch gegen das raffgierige Kapital der Grosskonzerne. In altbewährter deutscher Tradition kämpft Egidius Braun in seiner Festansprache gegen die Spekulanten der Börse, für den ehrlichen Sport: „Unser wirkliches Kapital sind die Millionen Menschen, nicht die anonymen Aktien und Aktionäre einer Kapitalgesellschaft. Unsere Fans, unserer wichtigsten Begleiter in unserem Sport, müssen ihn erleben und an ehrliche Leistungen glauben dürfen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen“ lässt er dort verlauten.
Dafür gekämpft haben schon andere vor ihm, besonders in den Jahren 1933-1945. Eine wesentliche Institution des Kampfes der „ehrlichen Arbeiter“ gegen die „jüdischen Aktionäre“ war seinerzeit der DFB. Nicht ganz vernachlässigt wird die integrierende Funktion des DFB jener Tage, mit leichter Kritik versehen, aber mit dem gleichen Stolz auf die Traditionen. Bereits am 19. April 1933 ließ der DFB über sein damaliges Verbandsorgan „Kicker“ verlauten, dass „Juden und Marxisten in führenden Stellungen der Vereine und Verbände nicht mehr tragbar seien“. Damit wurden tatsächlich keine Vorgaben des nationalsozialistischen Systems erfüllt, wie man heute gern glaubhaft machen möchte, sondern Zeichen gesetzt. Die rechtliche Sanktionierung dessen, was der DFB bereits 1933 forderte, folgte erst 2 Jahre später im Rahmen der „Nürnberger Gesetze“. Egidius Braun beschreibt jene Zeit in seiner Festansprache mit den Worten: „Der Moloch Nationalsozialismus vereinnahmte mit der ihm eigenen Brutalität auch den Fussball und missbrauchte ihn für seine Ziele und Ideologie.“ Mit Verlaub, das ist schlichtweg gelogen. Nicht vereinnahmt wurde der DFB, sondern Wegbereiter des Nationalsozialismus war er, so wie dessen Protagonisten zum nicht unerheblichen Teil überzeugte Nationalsozialisten waren. Nur ein paar Namen sollen hier genügen, um zu verdeutlichen, welche Rolle der DFB spielte.
Bereits der erste DFB-Präsident Ferdinand Hueppe (1900 bis 1904) hob den Gegensatz von „asiatischen Herdenvölkern“ und „europäischen Edelvölkern“ hervor. Der DFB war ein begeisterter Anhänger des ersten Weltkrieges. 1918, als die Reichswehr kurz vor ihrer Niederlage stand, forderte der Westdeutsche Fussballverband dazu auf, „dem Vernichtungswillen unserer Feinde das deutsche Schwert entgegenzuhalten“. Zur Weimarer Republik konnte man sich nie richtig bekennen, dann schon eher zum Nationalsozialismus, wie oben beschriebenes Beispiel zeigt.
Otto Nerz, Reichstrainer bis 1933, verfasste 1943 ein Pamphlet mit dem Namen „Europas Sport wird frei vom Judentum“, in dem er erläutert: „In der Krise von 1933 war die Gefahr der Verjudung auch im Fußball sehr groß“. Guido von Mengden, Pressewart des DFB und nach dem Krieg Generalsekretär des deutschen Sportbundes äußerte in Bezug auf
Braun, 6.5k

„An Distanz zur Vergangenheit ist nicht zu denken“ – DFB-Präsident Braun
die europäischen Juden: „Wer wagt es ernsthaft, unser ganzes Volk nach seinem Gesindel und Lumpenpack oder nur nach seinen missratenen Söhnen einzuschätzen? Wer das wagt, dem fliegt heute, gottlob wieder eine Faust zwischen die Zähne“. Felix Linnemann, DFB-Präsident während des Nationalsozialismus „unterstützte den Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, der verantwortlich war für etwa 100 Morde an politischen Gegnern“ weiß die Süddeutsche Zeitung (22.1.00) zu berichten.
Auch nach dem Krieg wollte sich der DFB von seiner Vergangenheit nicht distanzieren. Stattdessen wurden DFB-Präsidenten nur solche mit deutlich nationalsozialistischer Vergangenheit. So Peco Bauwens, welcher bereits Anfang 1933 in die NSDAP eintrat und nach dem WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft 1954 in Bern verlauten ließ, dass der germanische Kriegsgott Wotan den Deutschen beigestanden hätte. Das Erfolgsrezept der Weltmeisterelf, so Bauwens, wäre das „Führerprinzip“. Dessen Nachfolger Gösmann war schon zu NS-Zeiten Präsident des VfL Osnabrück. 1940 brachte er seine Freude über den Vernichtungskrieg der Deutschen zum Ausdruck: „Ganz Deutschland steht heute voller Ergriffenheit vor seinem Führer und seinen Soldaten.“
Der nächste Präsident des DFB, der letzte vor Braun, war schließlich Hermann Neuberger. Unter seiner Führung war es Spielern, die im Ausland unter Vertrag standen, nicht gestattet, bei der deutschen Nationalmannschaft mitzuspielen. Jenes Verhalten grenzte für Neuberger wohl an Vaterlandsverrat.
Bei der WM 1978 in Argentinien lud Neuberger den ehemaligen Nazi-General und Kampfflieger Hans-Ulrich Rudel in das deutsche WM-Quartier ein. Die damalige Galionsfigur der DVU wurde von Neuberger heftig verteidigt. Die Kritik an ihm komme „einer Beleidigung aller deutschen Soldaten des Krieges gleich“. Nach Neuberger kam Braun. In den offiziellen Verlautbarungen des DFB wird die eigene Geschichte jedoch alles andere als kritisch betrachtet. In seiner Festansprache am 28.01.00 im Gewandhaus bekräftigte Egidius Braun die Traditionen des DFB genussvoll: „Dank sagen bedeutet auch immer: sich erinnern. Erinnern an die Menschen, die unseren Sport durch ihre Haltung, durch ihre Lebensleistung und durch ihr vorbildliches Tun gestaltet und geprägt haben [...]: Professor Dr. Ferdinand Hueppe (s.o.), Herrn Friedrich-Wilhelm Nohe, Herrn Gottfried Hinze, Herrn Felix Linnemann (s.o.), Herrn Dr. Peco Bauwens (s.o.), Herrn Dr. Hermann Gösmann (s.o.), Herrn Hermann Neuberger (s.o.), mein unvergessener, persönlicher Freund.“ Von Distanz zur Vergangenheit, von der an anderer Stelle gesprochen wird, ist nicht zu denken. Bei der Festansprache werden vielmehr den nationalistischen und nationalsozialistischen Präsidenten des DFB gedankt und „ihr vorbildliches Tun“ gewürdigt.
Die Geschichte des DFB war laut Süddeutscher Zeitung (22.01.00) „immer national-konservativ ausgerichtet, selten liberal oder modern und nie links“, das erfüllt den DFB jedoch mit tiefem Stolz: „Der DFB ist stolz darauf, eine Bilanz der guten Taten ziehen zu können. [...] Deshalb wird der DFB auch in Zukunft alles in seiner Macht stehende unternehmen, dass Randgruppen wie Hooligans und andere blindwütige Fanatiker keine Plattform für ihre menschenverachtenden Aktivitäten finden.“
Der Ton ist noch immer der gleiche, mit dem der DFB „blindwütig“ gegen „Randgruppen“ der Gesellschaft vorgeht.
o.i.


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last modified: 28.3.2007