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#264, Februar 2021
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Aktuelles Heft

INHALT #265

Titelbild
Editorial
• das erste: Die islamistische Rechte. Teil 1: Die Muslimbruderschaft und der legalistische Islamismus
• kulturreport: Die Stadt als Zelle – Gedanken zu graffiti writing und darüber hinaus
• interview: Kein Dancefloor ist ein Safe Space
• interview: Interview mit Hot Topic!
• position: Conne Elend: ein Nachgesang
• position: Der Ignorant bist Du!
• review-corner buch: Ignoriert die Befindlichkeiten der Männer!
• review-corner buch: Rezension: tapis-Magazin – Analyse zur islamistischen Rechten
• doku: What's Right?
• doku: Die hochtrabenden Fremdwörter
• das letzte: Je te présent: Françoise Cactus

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What's Right?

Warum der Kampf gegen den Islamismus ein Kampf gegen Rechts ist

Bei der Unterscheidung zwischen politischen Extremismen hat sich für Sicherheitsbehörden, Politik und weite Teile der medialen Öffentlichkeit eine kaum hinterfragte Dreiteilung herausgebildet. Neben linkem und rechtem Extremismus wird der Islamismus als dritte Strömung aufgeführt, die die rechtsstaatliche und liberale Ordnung westlicher Demokratien bedrohe – sei es mit friedlichen oder gewaltsamen Mitteln. Der Islamismus als moderne politische Bewegung nahm mit der Gründung der Muslimbruderschaft in Ägypten in den 1920er Jahren seine erste maßgebliche Gestalt an. Neu ist diese Ideologie also schon lange nicht mehr. Und doch wird der Islamismus als eine Bewegung begriffen, die sich einer Einordnung im Links-Rechts-Spektrum entziehe und mit dem seit der Französischen Revolution wirkmächtigen politischen Koordinatensystem nicht begriffen werden könne. Dieses Paradigma exotisiert den Islamismus als fremdländisches Ideenkonstrukt und nimmt seine Organisationsformen nicht als politische Akteure ernst.

So wird ignoriert, dass Muslimbrüder, Salafisten und dschihadistische Gruppen wie der Islamische Staat Positionen zu diversen Themen vertreten, die sich politisch präzise einordnen lassen. Und so sollte es nicht schwer sein zu erkennen, dass nichts, was Islamisten vertreten, zu einem linken oder zumindest fortschrittlichen Weltbild gehört: virulenter Antisemitismus, keine Trennung zwischen Staat und Religion, Bekämpfung jeglicher Gleichberechtigung der Geschlechter, Hass auf die Freiheit der Kunst und Nostalgie für ein untergegangenes Weltreich, das Kalifat. In islamisch geprägten Gesellschaften stellen Muslimbrüder und Salafisten somit eine rechte Massenbewegung dar, die nicht nur das Leben von säkularen Aktivisten, Linken, Feministen, Ex-Muslimen und Muslimen bedroht.

Fundamentalistische Abtreibungsgegner im Christentum, homophobe Pfarrer und nationalkonservative Evangelikale werden selbstverständlich dem reaktionären und teils rechtsextremen Lager zugeordnet. Medien, Bildungseinrichtungen, zivilgesellschaftliche Akteure und Parteien scheuen sich jedoch im Gegenzug, die Muslimbrüder als Teil eines nicht minder rechten Netzwerks mit islamischem Antlitz zu bezeichnen. Dies mag mit den realen antimuslimischen Ressentiments zusammenhängen, die von Organisationen wie Pegida und Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) propagiert werden. Die Tatsache, dass unter der Gruppe derer, die Opfer fremdenfeindlicher Gewalt sind, auch Fraktionen vertreten sind, die eine islamistisch-rechtsextreme Gesinnung verfolgen, ist für viele schwer artikulierbar. Hinzu kommt das mangelnde Wissen über die Strategien und Strukturen der Muslimbruderschaft in Europa und in Deutschland.

Ähnlich wie die Neue Rechte in Deutschland, die mit seriös klingenden Organisationen wie Institut für Staatspolitik oder Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft den Nationalsozialismus relativiert und einen völkischen bzw. rassistischen Diskurs pflegt, versucht auch das Organisationsgeflecht der Muslimbrüder mit diversen harmlos daherkommenden Vereinsnamen einen Platz in der Zivilgesellschaft zu finden und an öffentliche Gelder zu gelangen. Die Akteure aus diesem Umfeld benutzen dabei bewusst das Vokabular der offenen und multikulturellen Gesellschaft. So sprechen sie sich engagiert für »Diversität« aus, prangern »antimuslimischen Rassismus« an und benutzen neuerdings zum Teil sogar das Gendersternchen.

Die vorgeblich politisch korrekte Sprache und die Zusammenarbeit mit linken Bewegungen, Parteien und staatlichen Stellen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die finanziellen Strukturen dieser Vereine unauflöslich mit Islamic Relief Deutschland verbunden sind, einem der Hauptfinanziers der internationalen Muslimbruderschaft, die überall, wo sie an realem Einfluss gewinnt, der Vielfalt, der Toleranz und der Emanzipation schrittweise den Krieg erklärt. Diese Vernebelungstaktik aufzudecken, ist der erste Schritt im Kampf gegen den Islamismus, der nur als Kampf gegen Rechts verstanden werden kann.


tapis – Analysen zur islamistischen Rechten

28.04.2021
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