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#264, Februar 2021
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Aktuelles Heft

INHALT #264

Titelbild
Editorial Nr. 2021
• das erste: OMG Katja
• inside out: Die Unterstützungsgruppe stellt sich vor
• inside out: Die U-Gruppe sucht Verstärkung
• neues vom: Neues vom ... Viertel
• position: Conne Elend: Ein Abgesang
• review-corner event: »Nikol, du bist ein Verräter!«
• doku: Fuck the Family
• doku: Positionierung der Radicals Crew
• doku: »Antisexistische Arbeit ist in erster linie auch ganz viel frustrierende Arbeit«
• leserInnenbrief: Zeichen pflastern die Misogynie
• das letzte: Sachsen seucht sich weg

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Conne Elend: Ein Abgesang

Das Conne Island steht und fällt mit dem Ehrenamt. Egal ob Diskurse, Veranstaltungen oder die generelle Gestaltung der Räume: Ohne die nicht entlohnte Arbeit wäre das Conne Island nur ein besseres Täubchenthal. Alle partizipierenden Menschen, Sprüher*innen, Skater*innen, die ehrenamtliche Ladencrew und die Festangestellten tragen zum optischen und ideellen Erscheinungsbild des Ladens bei. Die Spaltung zwischen Professionalisierung und Zugänglichkeit wird jedoch immer spürbarer. Die Problematik wird in den Alltagsaufgaben, die im Island bewältigt werden müssen, sichtbarer denn je. Klos putzen, Tresendienste, kochen, Auf- und Zuschließen. Umso weniger Ehrenamtliche diese Aufgaben übernehmen, umso mehr müssen sich die Festangestellten neben ihren eigentlichen, infrastrukturellen und administrativen Aufgaben um genau diese Probleme kümmern.

Folgende Fragen stellen sich daher.

Weshalb sollten Ehrenamtliche im Laden arbeiten, ihre Freizeit opfern und Zeit und Energie in den Laden stecken? Es scheint jedenfalls immer weniger Gründe zu geben, die den geneigten Ehrenamtlichen die unbezahlte Maloche versüßt! Egal ob ausschweifende Aftershow-Crewpartys, Freigetränke, Arbeitsmaterialien und Angebote zum geistreichen Zeitvertreib. Es sei damit nicht gesagt, dass Freisaufen das Island retten kann, aber trotzdem muss sich gefragt werden, warum das Ehrenamt im Sterben liegt. Wenn das Thema innerhalb der Crew angesprochen wird, dann werden schnell vermeintliche Gründe genannt: Die Welt werde immer kapitalistischer, Studis könnten es sich nicht mehr leisten neben dem Studium ehrenamtliche Arbeit zu leisten, immer mehr Menschen würden arbeiten und könnten neben ihrem Beruf nicht mehr im Island tätig sein und vor allem Corona. Natürlich verändert die globale Pandemie den Laden und doch scheint sich auch schon seit einigen Jahren die Tendenz abzuzeichnen, dass die bleibenden Neuzugänge zum Laden durch Festanstellungen kommen. Generell werden die neuen Gesichter am Laden weniger.

Sogar die Politgruppen haben den Laden verlassen wie Zecken das sterbende Tier. Einst waren sie diejenigen, die Missstände im Island angesprochen haben oder schwierige Texte im Plenum diskutieren wollten. Mittlerweile versuchen Festangestellte sowie ein erlesener Kreis aus langjährigen Ehrenamtlichen in Plena problematische Themen zu diskutieren, da diejenigen, die tatsächlich Probleme mit dem Laden haben, nicht mehr gewillt sind, ins Plenum zu kommen. Allen ist bewusst, dass dem Conne Island sämtlicher Inhalt abhandengekommen ist und anstatt das offensichtliche Problem anzugehen, wird versucht, diese Inhalte zwanghaft als »große Fragen« ins Plenum zu tragen, welche meist nicht abschließend geklärt werden.

All diese Probleme werden unter anderem in der Tatsache sichtbar, dass sich die Zahl der Abonnent*innen der zentralen Mailingliste des Conne Island, in den letzten fünf Jahren quasi halbiert hat. Auch darin, wie häufig sich Menschen nicht gesehen fühlen. Wenn es zum Beispiel etwas zu reparieren oder umzusetzen gibt, fühlen sich Menschen, die fachlich kompetent wären, oft übergangen; stattdessen werden Neuanschaffungen getätigt oder ein Unternehmen beauftragt. Dieser Abschied von einer gewissen DIY-Mentalität ist bezeichnend für die feststellbare Ferne zum Ehrenamt.

Konkret lassen sich insgesamt drei Problemfelder ausmachen: 1. Die Zugänglichkeit zum Island, 2. Die Identifikation mit dem Island und 3. die Sozialstruktur des Ehrenamts.

1. Zugänglichkeit zum Island

Eines der größten Probleme des Islands ist nicht, dass kein Interesse am Ehrenamt besteht, sondern, dass die Leute nicht lange bleiben. Hier geht es um die Zugänglichkeit: Meistens werden Menschen nicht allzu umfangreich in Aufgabenbereiche eingeführt, geschweige denn, ihnen die kompletten Aufgabenspektren des Islands vorgestellt. Teilweise arbeiten Menschen bereits jahrelang ehrenamtlich für den Laden, bevor sie verstehen, wie das Island funktioniert. Auch die mangelnde Betreuung einzelner Aufgaben, namentlich unter anderem der Klodienste, sorgt dafür, dass Ehrenamtliche in diesen Diensten immer weniger Fuß fassen. Das heißt auch, dass diese Aufgabenfelder immer mehr direkt von Festangestellten ausgeführt werden müssen, anstatt sie nur zu betreuen.

Ursprünglich funktionierte es mal so, dass Menschen in den »äußeren« Bereichen des Elends anfingen: Eine befreundete Person nahm jemanden mit zum Einlassdienst, zum Aufbauen oder mal zum Subbotnik. Diese Leute lernten andere Ehrenamtliche kennen, die sie in die Aufgabenvielfalt des Ladens einführten und nach und nach konnten sie die zugrundeliegende Struktur entdecken. Irgendwann stellten sie sich dann eventuell im Plenum vor und fingen an, mehr Verantwortung zu übernehmen. Heute hingegen werden Menschen, die Interesse anmelden, direkt ins Plenum geschickt, wo die eingefahrenen Strukturen sie erstmal überfordern. Dort angekommen, werden die Neuankömmlinge eher einer Aufgabe »zugeteilt”, ohne sie wirklich darauf vorzubereiten. Aus diesem Anlass werden sie dann von einem überarbeiteten, gestressten Festi "eingearbeitet", der sie mit halbherzigen Erklärungen vergrault; kein Mensch wird so die Zusammenhänge des Elends verstehen und dort länger bleiben wollen. Es scheint gerade so, als gäbe es den größten Zulauf mittlerweile gegen Bezahlung: Die meisten neuen Gesichter stellten zuletzt die Bereiche Tresen und Büro. Hier scheinen gerade Festis das Gefühl zu haben, mit ihrer Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag auch ein Anrecht auf die Gestaltung des Islands zu haben, während Ehrenamtliche offensichtlich das Gefühl haben, keine Entscheidungsmacht mehr zu besitzen.

2. Identifikation mit dem Island

Das bringt uns zum nächsten Punkt und der Frage: Warum umsonst arbeiten? Wie der Name Ehrenamt bereits ausdrückt, geht es nicht um die Bezahlung. Was also bringt eine*n dazu, im Island zu arbeiten? Natürlich können hier direkte Vorteile, wie der garantierte, (fast) kostenlose Konzerteintritt oder die Freigetränke genannt werden. Diese Vorteile sind allerdings oft nur während oder nach der Arbeit einlösbar und sind somit keine besonders gute "Entlohnung", wenn es sich dabei um Arbeit außerhalb von Veranstaltungen handelt. Vier Mal nüchtern Klo putzen und sich dann einmal kostenlos besaufen ist also nicht drin.

Aber natürlich ist das nicht die einzige Motivation, die Menschen haben, um Zeit und Energie ins Island zu investieren: Unbestreitbar ist es für viele auch einfach schön, an diesem Projekt mitzuwirken, Teil davon zu sein und etwas beizutragen. Doch genau hier offenbaren sich diverse Schwierigkeiten. Denn die Identifikation mit dem Island wird grundsätzlich zunehmend schwerer, da viele Bereiche im Zuge der Professionalisierung konsequent von den Festangestellten eingenommen werden. Auch die dadurch ausgeübte Kontrolle und der Sparwille machen sich spürbar bemerkbar. Das Ehrenamt muss die Chance haben, sich mit den Mitteln des Island die Räume anzueignen und diese zu gestalten, doch dazu fehlen meist der Wille der Festis, das Wissen um die Möglichkeiten und der Zugang zu Räumen und Mitteln. Immer häufiger steht die Kontrolle durch die Festangestellten im Vordergrund.

Prinzipiell sind die Stellen der Festangestellten dazu geschaffen worden, dem Island die nötige Basis und Infrastruktur zu geben, um ehrenamtliche Arbeit zu erleichtern, möglich zu machen und gegebenenfalls zu koordinieren; nicht, um einen gewinnorientierten, reibungslosen Geschäftsablauf zu gewährleisten, politische Themen zu besprechen oder besprechen zu lassen. Diese Aufgabe scheint einerseits immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Aus dieser Konsequenz heraus verkümmert auch das Ehrenamt zunehmend. Andererseits verdrängt die Progression der Professionalisierung mehr und mehr die engagierten Ehrenamtlichen, die Lust haben sich zu beteiligen. Sollte eine Grafikstelle alle Plakate gestalten oder sollte sie nicht vielleicht Ehrenamtliche einbeziehen, die Interesse haben die Werbung für Veranstaltungen zu verantworten? Sollten Café- und Küchenstellen das Café neu gestalten? Sollten sie sich nicht lieber darum kümmern, eine Gruppe Ehrenamtis zu finden, die dazu Bock hat, den gegebenen Raum selbstbestimmt zu gestalten, um sich überhaupt erst damit identifizieren zu können.

Es stellt sich in diesem Kontext auch die Frage, welche ehrenamtliche Arbeit nach Auffassung des Elends eigentlich mit Privilegien, Identifikation oder Entlohnung versehen werden sollte: Bar- und Garderobenschichten und das allseits gehasste Kloputzen gehören dazu, der direkte Bezug ist da. Die meisten dieser Schichten werden entweder bezahlt oder es besteht die Möglichkeit direkt auf oder vor der gewünschten Veranstaltung zu arbeiten und sich dabei ein wenig zu bekesseln. Gleiches gilt für die offiziellen Conne-Island-Work-Events wie den Subbotnik, die festangestelltlich abgesegnet sind. Alles verständlich.

Komplexer wird es bei all den Hintergrundaufgaben, also bei der Conne-Island-Care-Work, um es überspitzt zu sagen: Organisation von Plena, Protokolle schreiben, größere politische Themen vorbereiten, putzen, aufräumen, Textarbeit, Lektorat, Redaktionsarbeit, Kulturtexte verfassen, Betreuung von Räumen und Veranstaltungen, Gartenarbeit, Aufhübschen des Freisitzes, Reparaturen und Installationen, ohne bei dieser Aufzählung das leiseste Anrecht auf die Vollständigkeit aller vergessenen Aufgaben zu erheben. In all diesen Bereichen wird das Ehrenamt kaum wahrgenommen und umso weniger nichtmonetäre Entlohnung es gibt, desto schneller gehen die Leute. Denn keine*r braucht so zu tun, als sei das Conne Island ein Hort der Dankbarkeit. Gestörte Betriebsklimata und unfreundliche Festis wurden lange für die Privilegien in Kauf genommen. Umso mehr einzelne Ehrenamtliche sich beim Erfüllen ihrer Aufgaben solchen Umständen aussetzen mussten und umso weniger sie dafür bekamen, desto schneller waren sie auch aus dem Island verschwunden. Natürlich gibt es auch alteingesessene Ehrenamtliche, die seit gefühlten Ewigkeiten am Laden herumdümpeln und allerhand Aufgaben übernehmen, auch die Kompetenzen dafür zugesprochen bekommen und genug Wissen über die Ladenstruktur haben – was aber auch bedeutet, dass sie nicht stellvertretend für alle Ehrenamtlichen als Argument oder Vergleich herangezogen werden dürfen. Viele Ehrenamtliche sind auch nicht unbedingt vom Geld angezogen. Geld hat die Eigenschaft, Menschen anzuziehen, die vor allem den Finanzfluss brauchen und eine Bar sehen und nicht so sehr an der Gestaltung des Arbeitsplatzes interessiert sind. Gemeint ist nicht, dass es keine Überschneidungen gibt, dennoch kommt die nichtbezahlte Arbeit einfach zu kurz, was insofern besonders schmerzhaft ist, weil diese Arbeit den Laden häufig am meisten prägt und das nicht nur räumlich, sondern auch und vor allem in Form von Kultur und Theorie.

Auch die politische Identifikation leidet. So wird das Conne Island häufig nicht als cooler linker Laden, der politisch gut vertretbare Positionen hat und nice Sachen im Internet schreibt wahrgenommen. Das liegt daran, dass der Dissenz über einige Positionen nicht nach außen sichtbar ist und der Laden häufig als feste Gruppe gesehen wird. Der Versuch der Bildung solcher Texte und Positionen durch Alteingesessene und Festangestellte erschwert die Identifikation mit dem Laden genau deshalb nur noch mehr. Es gab einmal die Losung, dass der Laden keine feste Gruppe sei und dass diejenigen Entscheidungen träfen, die an dem entsprechenden Montag im Plenum säßen. Heutzutage ist das blanker Hohn, angesichts der Tatsache, dass mittlerweile klar definierbar Menschen "dazugehören" und auch klar ist, wessen Meinungen wie stark gewichtet werden. Ein paar Festangestellten ist die Relevanz ihrer Stimme geradezu selbstverständlich bewusst, was dazu führt, dass mit ihrer Stimme Entscheidungen stehen oder fallen. So wird sich sicher kein Ehrenamti zukünftig mit dem Laden identifizieren können.

Der politische Identifikationsmangel kommt auch nicht von irgendwo. Viele Menschen haben schlichtweg keine Lust, sich in einem Raum den sie selbst gestalten wollen, rassistischen oder sexistischen Klischees oder sonstiger Diskriminierung auszusetzen, die dann im Plenum als »Missverständnis« abgetan wird. Auch wenn sicherlich daran gearbeitet wird, die Insel zu einem weniger beschissenen Ort zu machen, sollten wir uns doch immer vor Augen halten, dass der Platz voll von männlichen und weiblichen Mackern ist, rassistische Tendenzen kleingeredet und ignoriert werden und patriarchale und autoritäre Strukturen im Island immer noch ein relevantes Problem sind.

3. Sozialstruktur des Ehrenamts

Das Ehrenamt am Laden scheint so arg von den Festangestellten getrennt zu sein wie Ost von West vor '89. Oft ist Kommunikation mit den Festis außerhalb des Plenums geradezu undenkbar. Untereinander scheint leider kein richtiger Zusammenhalt und Austausch zu entstehen. Das liegt vor allem daran, dass es keine »teambildenen Maßnahmen« mehr gibt, wie es so schön im neoliberalen Jargon heißt. Gemeinsame Aftershows oder allgemeine Saufabende fallen aus vermeintlich finanziellen oder zeitlichen Gründen weg. Wie soll es da möglich sein, eine soziale Bezugsgruppe aufzubauen? Natürlich gibt es weiterhin Trink- und Feierabende, doch diese finden zunehmend in exklusiven, sich bekannten Kreisen statt und es werden immer seltener neue Gesichter einbezogen, geschweige denn, dass sie zufällig aus Party- oder Veranstaltungskontexten entstehen.  

Neben der tatsächlichen sozialen Problematik spielt auch die finanzielle eine Rolle: Wer arbeitet und dafür keine Kohle bekommt, wird schnell ausgeschlossen. Während es früher gängig war, dass alle, die gearbeitet haben auch Essen und Getränke bekamen, gibt es heute die Verpflegung maximal noch zum Subbotnik und Bier nur noch während oder im direkten Anschluss an die Arbeit. Natürlich ist es einfach zu sagen, dass dafür dann jede*r selbst sorgen solle, doch das verkennt die prekäre Lage gerade jener, die auch außerhalb der Veranstaltungen oft im Island abhängen. Außerdem ist der soziale Aspekt eines gemeinsamen Essens oder eines gemeinsamen Getränks nicht zu unterschätzen, denn während der Arbeit spricht es sich meist schlecht und kaum etwas schafft mehr Raum für ein Gespräch als ein gemeinsames Essen.

Ein Vorschlag

Sich kritisch an etwas abzuarbeiten, ohne einen Ausweg anzubieten und in dem Wissen, es nicht zu müssen, ist einfach. Diese Kritik bietet aber die Möglichkeit, die erbrachten Analysen zu nutzen, um eine Lösung anzubieten. Hier lässt sie sich stumpf in zwei Komplexe unterteilen: Bildet Banden und sauft zusammen. Und nein, hier soll kein Drogenkonsum beworben werden, der Alkoholkonsum jeder einzelnen Person sollte maßvoll sein und bei Problemen mit jeglichen Drogen sollte vertrauensvolle Hilfe angeboten werden. Es geht um die soziale Komponente dieses Begriffes, aber von Anfang an:

Das Erste was passieren muss, ist das Bilden von Crews, die für sich selbst verantwortlich sind, namentlich: Klocrew, Werkstattcrew, Freisitzcrew, Gartencrew, Baucrew – welche auch immer nötig sind. Verantwortung muss auf Ehrenamtliche übertragen werden. Dies muss konsequent passieren und Festangestellte sollten hier nur administrativ tätig werden. Eine entsprechende Struktur kann dafür sorgen, dass Festangestellte deutlich entlastet werden und sich auf ihre eigentlichen Aufgabenfelder fokussieren können. Konkret bedeutet das also: Menschen einladen, die Lust haben Aufgabenbereiche selbstbestimmt zu gestalten. Eigene Kommunikationswege sollten geschaffen werden, damit die einzelnen Leute untereinander in Austausch treten können. Eigene Plena für diese Strukturen tragen dazu bei, sich die Räume anzueignen und zu gestalten. Crews könnten zusätzlich zum selbstzugeschriebenen Aufgabenspektrum eigene Veranstaltungen planen, entwickeln und durchführen (Ist es nicht endlich Zeit für die Kloparty?). Ein großer Teil der Ladengestaltung und der Ideensammlung würde zurück an die Ehrenamtis gehen und weniger von den Festangestellten getragen werden müssen. Auch das Erkennen und Ausbessern von Fehlern in der Struktur, seien sie materiell oder ideell, ließe sich so wesentlich einfacher bewerkstelligen. Erforderlich ist dafür, es lässt sich nicht oft genug betonen, die Mitarbeit der Festangestellten. Ja, es wird am Anfang nicht glatt laufen und es werden Fehler passieren und es wird Geld kosten und es wird Aufwand sein. Wandel ist nie einfach, vor allem nicht, wenn er nachhaltig sein soll. Und zur Geldthematik besteht noch ein weiterer wichtiger Punkt: Ehrenamtliche brauchen die materiellen Strukturen! Eine Bank lässt sich schlecht ohne Säge, Akkuschrauber, Schleifpapier, Bohrmaschine und ausreichend Material reparieren, eine Veranstaltung lässt sich schlecht ohne Lautsprecher, Licht, Deko, Catering und Gagen umsetzen und ein Text schreibt sich schlecht ohne verfügbare Räume, Interne, Drucker und Computer. Wenn etwas fehlt oder kaputt geht, dann muss es zeitgemäß ersetzt werden. Eine Umgestaltung des Cafés erfordert vielleicht auch, dass mal etwas grundlegend und teuer umgebaut werden muss, aber das sollten wir doch in Kauf nehmen, damit wir uns einen Laden gestalten können, in dem wir gerne sind. Wenn so etwas dann tatsächlich passiert, bietet sich noch eine weitere große Chance für die Crews: Skillsharing. Eine einzelne Person hat meistens kaum die Zeit, Menschen neue Fähigkeiten beizubringen, schon gar nicht, wenn diese dann auch noch andere Verpflichtungen hat. In einer Crew sieht das schon anders aus. Nein, sicher muss das Island dafür nicht nur geben, die Crews haben natürlich Verpflichtungen zu erfüllen: Kommunikation unter- und miteinander, auf Schlüssel aufpassen, die benutzten Kaffeetassen zurückbringen, die Überbleibsel der letzten Party zusammenkehren, allgemein die Räume in Ordnung halten und den restlichen Haufen unangenehmer Pflichten. Vor allem tragen sie die Verantwortung dafür, neue Ehrenamtliche aufzunehmen und sie in den Laden einzuführen. In diesem Sinne würden sie eben auch eine ehrenamtliche Anlaufstelle für neue, interessierte Menschen darstellen, die Kapazitäten haben, um sie ordentlich einzuführen.

Eine solche Infrastruktur alleine rettet aber noch nichts. Zusätzlich muss eine weitere Komponente stattfinden. Die berühmt-berüchtigte »Crewparty«. Ja, der Diskurs ist so alt wie das Island selbst und bereits in der ersten Ausgabe des CeeIeh wurde sich über den Umgang mit ehrenamtlichen Personen beklagt, aber die Freigetränkediskussion ist, so schmerzhaft das auch ist, untrennbar mit dem Ehrenamtsdiskurs verbunden. Überspitzt gesagt: Keine Freigetränke, kein Ehrenamt. Gleiches gilt für Essen. Das heißt nicht, dass das Elend eine kostenlose Snackbar ist, sondern, dass es nur fair ist, Menschen, die sich zehn Stunden für ein Projekt den Arsch aufreißen, bei geöffneter Küche ein Essen anzubieten. Auch die Aftershow- und Crewpartys, die allgemeinen Saufabende und einfach dummer Scheiß müssen möglich sein. Und natürlich ist es auch schön, quasi umsonst auf bereits ausverkaufte Veranstaltungen zu gehen, aber eine Veranstaltung an sich ermöglicht keine soziale Vernetzung. Auch, wenn die Umsetzung solcher Partys nicht einfach ist und es meistens an anderen hängen bleibt, am nächsten Tag das Café aufzuräumen, sind es doch genau die Momente, die den Laden zu einer echten Crew werden lassen!
Wir haben das schon immer so gemacht!

Wenn wir nichts unternehmen, wird sich das Island in nichts mehr vom Werk 2, dem Felsenkeller, der Distillery oder gar dem Täubchenthal unterscheiden, außer, dass die Besprechung der Festangestellten immer montags um 18:00 stattfindet und sich Plenum schimpft. Dieser Text soll als Diskussionsgrundlage für einen Diskurs verstanden werden, der längst überfällig ist. Und auch wenn es vielleicht leicht fällt, diesen Diskurs als das Geheule einiger Ehrenamtlicher abzutun, die nur außerhalb der Arbeit freisaufen wollen, sollte sich jede*r vielleicht mal in seiner eigenen Position reflektieren und schauen, an welchen Stellen sich der aufgezeigten Kritik vielleicht angenommen werden kann. Wo liegt die Grenze zwischen Koordination und Kontrollwahn, zwischen Professionalisierung und Ehrenamt?

Zusammengefasst: Es steht alles auf dem Spiel, was das Conne Island so besonders macht. Ohne das Ehrenamt sind wir nichts. In diesem Sinne entsteht hoffentlich ein guter Diskurs und mit ein bisschen Glück ist das Conne Island noch zu retten.

Ein paar Ehrenamtliche

28.04.2021
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
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