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#250, Juni 2018

Aktuelles Heft

INHALT #250

Titelbild
No content without consensus
• das erste: Das Ende der Fahnenstange
Vergessene Flüchtlinge.
Vereinte Nationen gegen Israel
Modern Life Is War
Identitätskrise
Punk Matinee Bowlette
Identitätskrise
Boysetsfire
• doku: Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung
• doku: Warum die imperiale Lebensweise die Klassenfrage ausblenden muss
• doku: Antifa: »Gib mir irgendwas, das bleibt.«
• das letzte: Meinung – Freiheit - Wahn

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Identitätskrise

Eine Vortragsreihe von HARP- Teil 1

Paul Stephan: Authentizität statt Identität. Thesen für eine anti-identitäre Bewegung
 
»Identität« ist eine Schlüsselkategorie im Denken der Neusten Rechten. CSU, AfD und Identitäre Bewegung eint, dass sie ihnen als Wert an sich gilt, den es um jeden Preis zu verteidigen gälte. Aber auch auf der linken Seite geht man vielfach davon aus, dass es irgendwie wichtig sei, identitäre Kollektive zu schaffen, um den Herrschenden im Kampf etwas entgegenzuhalten (die Identität der Schwulen, der Schwarzen, der Queeren, der Arbeiter …). Diese Identitäten werden stets von einem festen Panzer der Emotionalisierung flankiert. Dabei handelt es sich wesentlich um negative Emotionen wie Arroganz, Angst, Wut, Kränkung bis hin zum blanken Hass, die durch Abgrenzung und Abwertung das eigene Selbst sichern, das sonst zu diffundieren droht. Hinter der Trutzmauer trotziger Distinktion kann eine solche Identität bestenfalls zur Errichtung abgeschotteter safe spaces führen – in denen sich eine ursprüngliche kindliche Offenheit jedoch nur in einer defizitären, weil von der Außenwelt eben abgelösten Form bewahren kann.
Auf der anderen Seite ist ein diffuses, entleertes Selbst zu beobachten, das zu keinerlei Abgrenzung mehr fähig ist und tatsächlich handlungs- und denkunfähig wird. Seine Grundhaltung ist die Resignation, seine Ideologie – sofern es diese überhaupt noch in der Lage ist zu artikulieren – der Nihilismus. Willkommene Manövriermasse autoritärer Politiken. Leider wird dieser Typus auch von Seiten linker Theoriebildung oft als Gegenmodell zum »Wutbürger« geradezu heraufbeschworen.
Wie ließe sich demgegenüber auf individueller wie kollektiver Ebene eine Subjektivität denken, die weder in wütender Kränkung verharrt noch jede Eigenheit aufgibt? Hier wäre der von pro-nihilistischer Seite her in Verruf geratene Begriff der Authentizität ins Spiel zu bringen, der genau eine geöffnete Identität beschreibt, die sich primär bejahend und nicht verneinend definiert. Eine solche Identität zeigt sich etwa auf kollektiver Ebene in Verhältnissen der Liebe und Freundschaft, sie basiert auf positiven Emotionen wie Mut, Stolz und Mitgefühl.
Gefühle können nicht verordnet werden und totalitär wäre erst recht eine staatliche oder parastaatliche Psychopolitik. Wenn negative Emotionen zudem einfach nur unterdrückt werden, steigern sie sich erst recht ins Wahnhafte. Doch die Gesellschaft kann und sollte darauf hinarbeiten, seelische Verletzungen zu minimieren und positive Emotionen zu fördern, um den Aufstieg der identitären Bewegungen bereits im Ansatz zu bekämpfen. Es gibt nur einen Weg, die Hydra zu bezwingen …



***



Benjamin Kaiser: Für eine Kleine Identität. Philosophisch-ethische Gegendarstellung gegen die großen Identitäten der identitären Bewegung
 
Die Identität, der sich die identitäre Bewegung verschrieben hat, krankt an ihrer eigenen Größe: So definieren sie Identität als eine ethnokulturelle, die sich wiederum als ein Stufenmodell von regionaler, nationaler und zivilisatorischer Identität manifestiere. Der einzelne Mensch ist letztlich nur Träger der Summe all dieser identitätsstiftender kollektiver Identitäten und steht am Ende dieser Deduktion.
Anhand der Alteritätsethik von Emmanuel Levinas soll hier hingegen ein Plädoyer für eine Kleine Identität gegeben werden. Identität gibt es für Levinas nur vor allen historischen, kulturellen und ethnischen Zuschreibungen, sie ist der aus sich selbst heraus gelebte Egoismus des Einzelnen in seiner jeweiligen leiblichen Zentriertheit, dasjenige, wo das Selbe mit sich selbst identisch ist. Identität muss sich nicht erst bilden, man hat sie. Erst durch den Standpunkt der Kleinen Identität wird eine Ethik möglich, in dem die Anderen nicht »in die Wahrnehmung eines ›Wir‹ eingeschlossen« (Website der iB) werden müssen. Ganz im Gegenteil, die Anderen bekommen dasselbe Recht zugesprochen wie das Selbe: eine Identität zu haben, die niemand an ihrer statt zu leben, und erst recht nicht zu beanspruchen vermag.



Eine Veranstaltung der Halkyonischen Assoziation für radikale Philosophie. Weiteres online unter harp.tf

 

10.06.2018
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