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#247, Februar 2018

Aktuelles Heft

INHALT #247

Titelbild
Ein Angriff auf uns alle
• das erste: Der Stress mit Weihnachten ist vorerst vorbei.
The Menzingers
Sepultura
Terrorgruppe
Chain & the Gang
The Pains of Beeing Pure at Heart
• position: Abwege einer Polemik
• das letzte: Den Schaden haben die Anderen

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Terrorgruppe

Nachdem sie beim Konzert vor etwas mehr als drei Jahren ein dicker Rotzfladen direkt ins Auge traf, hatten Terrorgruppe zwischenzeitlich die Orientierung verloren und sich im Folgejahr ins Werk 2 verfahren. Nun also wieder im Eiskeller.
Anlass ist die Veröffentlichung des zweiten Live-Albums Superblechdose. Im Grunde war es auch ein wenig Glück, dass Leipzig von der Release-Tour zum zwischenzeitlich erschienen Album Tiergarten verschont blieb. Denn das bereits in der 2014 veröffentlichten EP Inzest im Familiengrab reduzierte Tempo findet sich auf diesem leider ebenso wieder, wie die Einfallslosigkeit beim Texten, die sich durch auch auf Superblechdose vertretene Songs wie Schlechtmensch und Tiergarten zieht und im Opener und Berlin Diskret-Cover Immer besser auf die Spitze getrieben ist. Die neu hinzugekommene Sixties-Orgel verstärkt den Ska-Einschlag, erinnert besonders beim Einsatz an Die Grätenkinder, passt so richtig eigentlich aber nur zum Cover von K.I.Z.'s Hurra die Welt geht unter.
Paradoxerweise gelangten Terrorgruppe gerade mit den beiden neuen Alben erstmals in die deutschen Albumcharts (Platz 28 bzw. 30). Die Zeiten, in denen Fäkalausdrücke von der Bühne, der Bandname oder der Galgen vom Cover der EP Dem deutschen Volke, der tausende Fanshirts zierte, provozierten, scheinen sich angesichts der AfD- und Wutbürgerausfälle, allgemeiner Terrorhysterie und des gerichtlich bestätigten Galgentragens auf Pegida-Demonstrationen gewandelt zu haben.
Es fragt sich, was Terrorgruppe der vielgeschassten Generation YOLO außer Geschichten aus den wilden 90ern ff. anbieten können, wenn ihre Kinder sie heute um Geld für Stoff anschnorren.
Die Kritik des selbstoptimierenden Ichs in Immer Besser trifft auf die Realität einer Abstiegsgesellschaft. Das adoleszente Anarcho-Ich, dass sich einst selbstbewusst mit »holzhammermäßiger« Ironie gegen die Zumutungen der sich wiedervereinigenden Volksgemeinschaft richtete, ist weiter einer bereits 2003 in Fundamental an einigen Stellen anklingenden defensiven Position gewichen. Schon damals kritisierten Terrorgruppe beim Release, dass »in den letzten 10 Jahren - und seit dem 11. Sept. 01 immer schneller […] bei weiten Teilen der Menschheit eine eigenartige ›Rückbesinnung‹ auf mittelalterliche bzw. archaische Zustände« stattfand.
Die letzten Veröffentlichungen mögen somit lediglich Ausdruck der allgemeinen Defensive der politischen Linken sein, mit welcher Terrorgruppe klugerweise nie das Moralisieren teilte. Ob das zur Wiederbelebung von Aggropop taugt, wird sich zeigen müssen. Einem abendlichen Ausflug in die eigene Punk-Jugend genügt es allemal.

[shadab]

 

11.02.2018
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