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CEE IEH-ARCHIV
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#238, Februar 2017
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Aktuelles Heft

INHALT #239

Titelbild
Editorial
• das erste: Subkultur im Spannungsfeld zwischen Rechts und Links
• inside out: Pressemitteilung: Conne Island gewinnt Klage gegen Überwachungsmaßnahmen durch Verfassungsschutz
Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern
KLUB: Elctric Island X Edit
WORD! cypher / End Of The Weak Leipzig (Open-Mic-Freestyle-Session).
Offenes Antifa Treffen
Freddie Joachim & Duktus // Cafe Konzert
Grails + Majeure
Lesung: Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Antisemitismus in der Querfront-Zeitschrift Compact
Lesung: Millionaires zu Besuch
Lesung: Hipster und andere destruktive Charaktere der Gegenwart
Ahzumjot & Chima Ede
Soundsystem Clash
• review-corner event: Sag mir, wo du stehst
• review-corner event: Wo wir stehen, wo wir kämpfen
• position: Antideutsche Feldforschung.
• doku: Wir fordern das Wort »Apartheid« zurück!
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• das letzte: Das Letzte

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Grails + Majeure

Eine der Schwierigkeiten beim Schreiben über Grails besteht darin, die Band aus Portland dem Post-Rock Genre zuzuordnen (dem sie ziemlich zweifelsfrei angehört), ohne sie mit den unzähligen langweiligen Musikgruppen gemein zu machen, mit denen sie sich diese Schublade teilen muss. Die Bands nämlich, die der pathetischen, dem Kitsch zugeneigten Seite des Post-Rock in breiig-öder Einheitlichkeit frönen.
Der musikalische Output von Grails hingegen, die maximal in ihren schwächsten Momenten einen Track lang dieser reizlosen, sich echo-haft fortsetzenden Spielart des Genres anheim fallen, ist geprägt von einer erquicklichen Unreinheit. Eine dem Durchschnitts-Post-Rock-Gehör Orientierungslosigkeit bescherende, musikalische Unreinheit nämlich, deren psychedelisch-krautrockiges Geheimnis vielleicht die breite Einflussnahme anderer und doch im Grails-Sound identifizierbarer Genres darstellt.
Bandinterne Verkörperung dieses unentwirrbar-innovativen Konglomerats ist neben dem beim Kraut-Psych-Trio Watter Gitarre spielenden Zak Riles ohne Frage Schlagzeuger Emil Amos. Schöpferisch ebenso tätig als Drummer der »meditative metal« Band Om, gründete er neben seinem Meta-Folk Soloprojekt Holy Sons auch noch das Trip-Hop-Tapecollage-70s-Film-Score-Samplemonstrum Lilacs & Champagne und steht so sinnbildlich für die musikkulturelle Vielschichtigkeit der Post-Post-Rock-Band.
Da das auf Temporary Residence Ltd. erscheinende Album Chalice Hymnal – übrigens das erste seit sechs Jahren – dem offiziellen Releasetermin (17.02.) zufolge erst nach Redaktionsschluss des CEE IEH hörbar sein wird, komme ich an dieser Stelle um eine krampfhaft nach adäquaten Adjektiven ringende Albumbesprechung herum, zitiere lediglich einen Satz JR Moores’ aus seiner im Record Collector-Magazin zu lesenden Albumrezension: »Chalice Hymnal is Grails’ kinkiest record to date […]« und nutze die so frei werdenden Zeilen, um dem geneigten Leser die beiden anderen an diesem Abend hörbaren Musikprojekte etwas näher zu bringen.

Grails’ Labelkollege Majeure – höchstwahrscheinlich benannt nach dem Tangerine Dream-Song Force Majeure – bezieht sein musikalisches Sprachwerkzeug hauptsächlich aus von Moog-Synths gefärbten, auditiven Erinnerungen. 80s-Sci-Fi-Movie-Soundtracks, unstillbar bewegungssüchtige Drum-Schübe in Can-Manier und die in sich versinkende Repetitivität von Steve Reich’s Minimal Music kommen dem bezugsgeilen Hörer in den Sinn. Auf seinem neuen Album Apex begeistert A.E. Paterra mit der Klangwelt zum dystopischen Vintage-Videogame deiner Wahl und ist – falls ihn jemand fragt, ob er den Soundtrack zur nächsten Stranger Things-Staffel beisteuern will – in ein paar Monaten vielleicht ebenso gehyped wie so manch anderer Vertreter der Synthesizer-basierten Rockmusik.

Um die Leipziger Band I T O E zu beschreiben, wäre wohl so ein Partizip wie »mäandernd« am angemessensten, welches ich im Kontext der Musikbeschreibung als erstes in einem Veranstaltungstext von T. Schurig – seines Zeichens primus inter pares des veranstaltenden Schubladenkonsortiums – lesen durfte. Denn die Liveauftritte der Combo stellen einen meist ungeduldigen, sich mäandernden Ritt durch das am besten in Trance zu durchschreitende Kraut-Jazz-Impro-Universum dar.

In der Gesamtbetrachtung – und um das Ganze abzurunden – könnte der Abend wohl prospektiv zutreffend mit dem Grails-Songtitel Acid Rain zusammengefasst werden, dessen Youtube-Video ein User mit dem so plumpen wie adäquatem Kommentar versah: »i don‘t mean to sound cliche but i really wish i had some weed right now«.

Kleiner Tipp: Sowohl zur Vorbereitung als auch zur Vorfreudesteigerung empfiehlt es sich, Emil Amos’ Podcast Drifter’s Sympathy zu hören, in dem er sich auf sehr unterhaltsame Weise durch seine Plattensammlung wühlt, von Drogeneskapaden berichtet und Geschichten aus seiner Biografie preis gibt.

Peter Schwartz

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13.03.2017
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