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Aktuelle Termine

CEE IEH-ARCHIV

#222, April 2015
#221, März 2015
#220, Januar 2015
#228, November 2015
#229, Dezember 2015
#227, Oktober 2015

Aktuelles Heft

INHALT #221

Titelbild
Editorial
• das erste: Kommunismus ist was Bestimmtes – Eine Replik auf die Autodidaktische Initiative Leipzig
Klub: Kowton
Buchvorstellung: Sascha Lange: "Meuten, Swings & Edelweißpiraten. Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus"
Die neue notwendige Offensive der radikalen Linken
Ariel Pink
Taste of Anarchy Tour
Benefizdisko!
klub: electric island w/ Ben Ufo
Discipline, Deadline, Topnovil
Danko Jones, The Admiral Sir Cloudesley Shovell
Nico Suave
Cock Sparrer, Lord James, Smart Attitude
Lagwagon
The Devil Makes Three
• review-corner event: Support Israel – In the IDF! Bericht vom Freiwilligendienst Sar El – Service for Israel
• review-corner buch: Schlichter Regress
• position: Pegida schafft sich ab.
• doku: Erinnerung, Vergessen und das linke Geschichtsbewusstsein
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• das letzte: das Letzte:

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das Letzte:

»Den Normalzustand sichert ein unsichtbares Proletariat« titelte die FAZ am 
 Februar und berichtete ihrer Leserinnenschaft von einem Zustand, den diese wohl nur durch den Konsum der »einfachen Dienstleistungen« kennt, über 
 Arbeitsbedingungen die Zeitung ungewohnt kritisch schrieb. Anlass war die Veröffentlichung zweier Studien aus dem Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) über eben jenen Dienstleistungssektor. Den Preis für die von uns bequem in Anspruch genommenen Services, hieß es, zahlten die »unsichtbaren Dienstleister: »Paketzusteller, Kassierer, Gebäudereiniger«. Sie leisten »Normalisierungarbeit«, sind also diejenigen, die diesen ganzen Scheißladen am Laufen halten und die man im Alltag allerdings leicht übersieht, weil sie einfach so selbstverständlich da sind. Elf Prozent der Deutschen seien in diesen Bereichen tätig. Das ist nicht wenig. Anfangs, mit dem Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft war daran ja noch die Hoffnung geknüpft, dass man in dem neuen Sektor dem strengen Diktat der tayloristisch organisiserten Massenproduktion entgehen könnte. Diese Hoffnung verpuffte bald in den Klimaanlagen der Callcenter. Und wer schon einmal die Waren- und Versandhöllen von amazon und DHL von innen gesehen hat, weiß wovon die Rede ist – die Optimierung von Arbeitsabläufen kennt dort keine Grenzen. Die Arbeit in jenen Gewerben ist gekennzeichnet von Überwachung und Zeitdruck, meist ganz abstrakt und subtil, von Pfusch, von gnadenlosem Konkurrenzdruck durch das bereitstehende Arbeitslosenheer, und den daraus notwendig entstehenden Schädigungen am einzelnen Arbeitskraftbehälter. Und von geringen Löhnen versteht sich. Gewerkschaften nützen nur einer Auswahl an Arbeitern und der institutionalisierte Arbeitskampf ist für den Arsch. Aber was da in der FAZ für so erschreckend befunden wird, und wie, hat etwas naives, gar höhnisches: Einfache Arbeiter – ausgebeutet? Sowas gibt’s?

Das passende Beispiel in diesem Zusammenhang lieferte jedenfalls schon vorab am 2. Januar die Frankfurter Rundschau – und damit auch ein Stück Realsatire vom allerfeinsten. Als »einfach spitze« betitelte die FR »Deutschlands beste Kassiererin« Ulrike Schwerdhöfer aus Neu-Isenburg. Tausend Euro Preisgeld gab es für die 66-jährige Seniorin von der »Lebensmittelzeitung« – aber der Preis sei eigentlich gar nicht in Geld aufzuwiegen, fand die FR. »Mein Rezept ist: Ich bin immer nett und freundlich«, gab die ausgezeichnete Kassiererin Schwerdhöfer zu verstehen. »Mir macht meine Arbeit richtig viel Spaß. Mein Hobby ist Rewe.« Sie sei sportbegeistert, geht täglich Walken und turnt regelmäßig. »Das braucht man als Ausgleich, wenn man viel sitzt. Aber wir lachen auch oft.« Neu an der Kasse und unter ihrer Ägide – der oder die wäre sehr bemitleidenswert: »Mich macht das ganz verrückt, wenn jemand so langsam schafft«. Bevor es Scanner gab, konnte sie mal »die Preise von 3000 Artikeln auswendig. Das war ein tolles Gedächtnistraining.« Gute alte Zeiten eben. Sie wird sicher ihre Gründe haben, mit 66 noch an der Kasse zu sitzen. Es fragt sich trotzdem, wie lange sie das noch machen will. »Aber mein Vater hat auch noch mit 75 an der Kasse gearbeitet. Und ich würde es am liebsten auch machen.«
Es ist also scheinbar alles nur eine Frage des richtigen falschen Bewusstseins.


[Marlon]

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12.03.2015
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