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#222, April 2015
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Aktuelles Heft

INHALT #221

Titelbild
Editorial
• das erste: Kommunismus ist was Bestimmtes – Eine Replik auf die Autodidaktische Initiative Leipzig
Klub: Kowton
Buchvorstellung: Sascha Lange: "Meuten, Swings & Edelweißpiraten. Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus"
Die neue notwendige Offensive der radikalen Linken
Ariel Pink
Taste of Anarchy Tour
Benefizdisko!
klub: electric island w/ Ben Ufo
Discipline, Deadline, Topnovil
Danko Jones, The Admiral Sir Cloudesley Shovell
Nico Suave
Cock Sparrer, Lord James, Smart Attitude
Lagwagon
The Devil Makes Three
• review-corner event: Support Israel – In the IDF! Bericht vom Freiwilligendienst Sar El – Service for Israel
• review-corner buch: Schlichter Regress
• position: Pegida schafft sich ab.
• doku: Erinnerung, Vergessen und das linke Geschichtsbewusstsein
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• das letzte: das Letzte:

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Schlichter Regress

von Malina Schwarz

In der Öffentlichkeit nach einem Tampon zu fragen, gilt für Frauen als unschicklich. Viel zu intim und privat sei dies. Die Frage, wann man Kinder bekommen möchte oder warum man noch keine habe, kann dagegen ganz selbstverständlich jeder Frau gestellt werden. Noch immer scheint es so, als sei es ganz natürlich, dass jede irgendwann ein Kind haben möchte. Mit ihrem Buch »Die Uhr, die nicht tickt« versucht Sarah Diehl zu zeigen, dass es noch heute nicht selbstverständlich ist, dass Frauen auch bewusst kinderlos glücklich sein können. Auch im 21. Jahrhundert müssen sie sich für eine private Entscheidung erklären oder gar rechtfertigen. Diehl, die sich auch als Dokumentarfilmerin einen Namen gemacht hat, stellt mit ihrem Buch eine Streitschrift vor, die bekannte Literatur und Forschungsergebnisse zu diesem Thema mit Passagen aus von ihr geführten Interviews verbindet. Da eine Auseinandersetzung mit der Frage nach einem Leben mit oder ohne Kinder spätestens seit Simone de Beauvoir in regelmäßigen Abständen und unterschiedlicher Intensität geführt wird, stellt dieses Buch keine wirklich neuen Erkenntnisse vor. Auch einige Verkürzungen, wie die Rede von »der Politik« und »der Wirtschaft« und ein stellenweise veraltetes Männer- und Väterbild (»ein einsamer Wolf, den es zu zähmen gilt«), sind dem Buch negativ anzurechnen. Die Stärke liegt in seiner schlichten Darstellungsweise, die es auch für Menschen – mit oder ohne Kinder – interessant macht, die sich noch wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Gängige Familien- und Rollenbilder werden dabei ebenso kritisiert, wie die konservative Ausrichtung des deutschen Sozialstaates, der noch immer eher Frauen als Männer nach der Geburt eines Kindes zum Rückzug ins Private motiviert. Aus einer gesellschaftskritischen Perspektive sind die von Diehl geführten Interviews vor allem hinsichtlich der Durchdringung mit postmodernen Argumentationsmustern interessant. Da ist die Rede davon, das »Liebesbedürfnis aus[zu]handeln«, vor der Geburt eines Kindes zu klären »wer am Ende welche Leistung erbringt« und die Frage aufzuwerfen, »was so großartig an einer Liebe sein soll, die mich ewig bindet«. Leider bezieht sich Diehl auf diese verinnerlichten neoliberalen Anforderungen unkritisch und versucht in einem ähnlichen Duktus die Entscheidung gegen das Gebären von Kindern als ebenso produktiv für die Gesellschaft zu rechtfertigen wie ein Leben ohne (eigenen) Nachwuchs. So fällt die Autorin hinter ihren eigenen emanzipatorischen Anspruch zurück, dass es sich bei Mutterschaft um »eine zutiefst private Entscheidung« handelt, die keiner Legitimierung bedürfen sollte.

Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt. 
 glücklich. Arche-Literaturverlag. 2014

Eine Buchvorstellung mit der Autorin findet am 
 März 19 Uhr in der feministischen Bibliothek MONAliesA statt.

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12.03.2015
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