Mo Di Mi Do Fr Sa So 
00 00 00 00 00 00 01 
02 030405060708 
09 10 1112131415 
16 17 18 192021 22 
23 24 25 26 2728 29 
30 31 

Aktuelle Termine

CEE IEH-ARCHIV

#201, Februar 2013
#202, März 2013
#203, April 2013
#204, Mai 2013
#205, Juni 2013
#206, September 2013
#207, Oktober 2013
#208, November 2013
#209, Dezember 2013

Aktuelles Heft

INHALT #207

Titelbild
Editorial
• das erste: Das emanzipatorische Potential der Geissens
electric island: DIAL w/ John Roberts, Lawrence
Turbostaat
Music Of The Living Dead. Über die Angleichung von Leben und Tod im Brutal Death Metal.
Benefizdisco
The Black Dahlia Murder, Aborted, Revocation
WORD! cypher / OPEN MIC.
Kleine Bühne: Empowerment, WolfxDown, Barren, Angstbreaker
Herr von Grau »Freiflug« 2013
Betty Ford Boys X Ecke Prenz
14.10.1943 – Aufstand im Vernichtungslager Sobibór
The Dillinger Escape Plan, Maybeshewill, Deathcrush
Reverie w/ Louden Beats
Sophia Kennedy & Carsten „Erobique“ Meyer + electric island
Benefizdisco
GIRLZZZ EDIT DJ NIGHT
Hard Skin, Brassknuckle Boys, High Society, The 3 Skins
• inside out: Nachrichten aus der Provinz
• inside out: Montag ist Ruhetag.
• leserInnenbrief: LeserInnenbrief
• review-corner buch: Erich Mühsam: Die Freiheit als gesellschaftliches Prinzip (1929) – Eine Einführung
• doku: Erich Mühsam – Die Freiheit als gesellschaftliches Prinzip (1929)
• doku: Unterstützung bei sexistischen Erfahrungen im Conne Island
• doku: Wir bleiben dabei – gleiche Rechte für alle!
• doku: Berlin-Hellersdorf: Eine logistische Herausforderung
• doku: Verfolgte, die auf UN und Völkerstrafrecht bauen, haben bereits verloren.
Anzeigen
• das letzte: Über den Zusammenhang von Anarchismus, Totalitarismus und Haustieren

LINKS

Eigene Inhalte:
Facebook
Fotos (Flickr)
Tickets (TixforGigs)

Fremde Inhalte:
last.fm
Fotos (Flickr)
Videos (YouTube)
Videos (vimeo)

Im Folgenden dokumentieren wir zwei Redebeiträge, die auf der antirassistischen Demonstration am 14.09. in Rackwitz gehalten wurden. Der Umstand, dass in Rackwitz eine Unterkunft für Asylsuchende entstehen soll, brachte BürgerInnen in Rackwitz dazu 1200 Unterschriften gegen diese geplante Unterkunft zu sammeln. Neben offen rassistischen Aussagen der BürgerInnen, werden auch vermeintlich sachliche Argumente ins Feld geführt, die doch nur einen eigenen latenten Rassismus versuchen zu verstecken.
Die Demonstration Pogrome verhindern bevor sie passieren ist leider nicht nur in der sächsischen Provinz eine Notwendigkeit geworden. In Berlin Hellersdorf zum Beispiel formierte sich ein ähnliches Bündnis zwischen ordinärem Plattenbaubewohner, Stadthausbesitzern bis zur NPD, um gegen eine Unterkunft für Asylsuchende aktiv zu werden.



Wir bleiben dabei – gleiche Rechte für alle!

Auch wir vom Verein Bon Courage möchten uns mit der heutigen Demonstration solidarisch zeigen. Im Zuge unserer mehrjährigen Zusammenarbeit mit den Asylbewerberinnen und Asylbewerbern im Landkreis Leipzig ist uns nur allzu bewusst, mit welchen schwerwiegenden Problemen diese Menschen tagtäglich konfrontiert und mit welchen Schikanen sie immer wieder aufs Neue drangsaliert werden. Zur Verdeutlichung jener prekären Situation möchte ich im folgenden näher auf die Zustände, unter denen die Asylsuchenden zu leiden haben, eingehen.
In den vier Asylbewerberheimen des Landkreises Leipzig – sprich in Elbisbrach, Hofgarten, Thräna und Wahren – leben derzeit etwa 300 Asylbewerberinnen und Asylbewerber, deren Asylverfahren sich oftmals über viele Jahre hinzieht, die Asylsuchenden somit psychisch belastet und in Ungewissheit verharren lässt.
Durch Arbeitsverbot und Residenzpflicht werden die Flüchtlinge hierbei extrem in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und in die gesellschaftliche Isolation getrieben. So ist es ihnen beispielsweise nicht gestattet, ohne wichtige Beweggründe ihren jeweiligen Wohnbereich zu verlassen, zumal die Ausländerbehörde nur mit großem bürokratischen Aufwand einen so genannten „Urlaubsschein“ vergibt. Stellt euch vor, ihr dürftet euer Stadtviertel unter Androhung von Strafe nicht mehr verlassen – ich frage euch, wie würdet ihr euch fühlen?
Die vier bereits angesprochenen Asylunterkünfte wurden am Dorfrand in kasernenartigen wie auch sanierungsbedürftigen Gebäuden eingerichtet, wo die Asylsuchenden auf engstem Raum zusammen leben müssen. So stehen jeder Person lediglich sechs Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Enge und die Tatsache, dass in den Asylheimen lediglich Gemeinschaftsduschen, Gemeinschaftstoiletten und Gemeinschaftsküchen zur Verfügung stehen, münden immer wieder in alarmierenden Berichten mangelnder hygienischer Zustände, die u.a. im Ungezieferbefall der Gebäude gipfeln.

Flüchtlinge, die demgegenüber die Erlaubnis erhalten haben, eine eigene Wohnung beziehen zu dürfen, sehen sich mit großen Schwierigkeiten konfrontiert, überhaupt erst einmal eine Wohnung zu finden, da viele Immobilienfirmen keine Menschen mit Mirgationshintergrund als Mieterin oder Mieter akzeptieren.
Doch nicht nur in Bezug auf die Wohnraumsituation, sondern auch hinsichtlich der Verpflegung mit Lebensmitteln und Konsumgütern erweist sich der Landkreis Leipzig als rückständig und unnachsichtig – schließlich ist er der letzte Landskreis, in dem die Asylsuchenden ihre Leistungen nicht durch das Auszahlen von Bargeld, sondern in Form so genannter Gutscheine erhalten. Dieses System bringt zahlreiche Probleme für die Betroffenen mit sich. Nicht nur, dass die Asylsuchenden lange Einkaufswege auf sich nehmen müssen, da die Gutscheine ausschließlich in wenigen, vertraglich gebundenen Läden einlösbar sind, nein, das Gutscheinsystem schränkt darüber hinaus auch das zu erwerbende Angebot enorm ein.
Folglich können die Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit Hilfe der Gutscheine nur Lebensmittel, Getränke und Hygieneartikel, aber beispielsweise keine Spielwaren, Haushaltsutensilien oder Tickets für öffentliche Verkehrsmittel erwerben. Hinzu kommt noch die immer wieder erneute Erniedrigung an den Kassen, die aus dem Zwang, mit Gutscheinen bezahlen zu müssen, hervorgeht. Immer wieder stoßen die Betroffenen hierbei auf Unverständnis und Unwissen seitens der Kassiererinnen bzw. Kassierer wie auch der restlichen Bevölkerung.
Da weder in den Heimen noch im Landkreis qualifizierte Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeiter tätig sind, haben die Flüchtlinge keinerlei Anlaufstelle, um sich bei den angeführten Problemen und Schwierigkeiten Rat und Hilfe einzuholen. Das Engagement unseres Vereins wirkt dabei durch Personal- und Zeitmangel sowie knappe finanzielle Mittel oftmals leider nur wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Wer ein Teil dieses Tropfens sein und sich mit uns für bessere Lebensbedingungen der Asylbewerberinnen und Asylbewerber engagieren möchte, ist recht herzlich zu unserem Aktionstag unter dem Motto „Ausländer raus... aus der Isolation“ am 27. September 2013 von 14:00 bis 18:00 Uhr auf dem Markt in Borna bei Leipzig eingeladen. In diesem Rahmen wird u.a. auch die von uns erarbeitete Broschüre „Von außen sieht es nicht so schlimm aus... doch das ist nur ein Trick“ vorgestellt. Die Broschüre dokumentiert unsere Zusammenarbeit mit den Asylbewerberinnen und Asylbewerbern des Landkreises in Form zahlreicher Interviews und kann bereits heute kostenlos am Lauti abgeholt werden.
Trotz der oftmals deprimierenden Zustände, trotz des Gefühls, einen Kampf gegen Windmühlen führen zu müssen, halten wir dennoch unbeirrt an unserer Arbeit fest. Für uns sind alle Menschen unabhängig ihrer Herkunft gleich und verdienen demnach auch gleiche Rechte und gleiche Behandlung. Wir haben es satt, mit ansehen zu müssen, wie Asylsuchende im Landkreis Leipzig, wie Menschen, die in der Vergangenheit durch Kriegserlebnisse, politische Verfolgung oder den Verlust geliebter Familienmitglieder traumatisiert worden sind, in Deutschland Tag für Tag als Menschen dritter Klasse behandelt, nein, gedemütigt werden!

Darum fordern wir:

•        eine dezentrale und vor allem menschenwürdige Unterbringung der Asylsuchenden;
•        die Ersetzung des Gutscheinsystems durch die Ausgabe von Bargeld;
•        die Aufhebung des Arbeitsverbots sowie
•        die Abschaffung der Residenzpflicht!

Wir bleiben dabei: Die rassistische Praxis von Staat, Behörden und Gesellschaft durchbrechen, die Asylsuchenden im Alltag unterstützen – gleiche Rechte für alle!

26.jpg

28.09.2013
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
info@conne-island.de, tickets@conne-island.de