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Aktuelles Heft

INHALT #204

Titelbild
Editorial
• das erste: Black Metal ist Mist!
AFBL-/Brunch-Saisoneröffnung
A night of music feat. Joey Cape
Filmriss Filmquiz
Amenra, Syndrome, Downfall Of Gaia, Fargo
Shai Hulud, Dead End Path, Departures, Whirr
Cloud Boat (R&S), Präzisa Rapid 3000 (Doumen), Simon12345 & The Lazer Twins (Doumen)
Peter Pan Speedrock
Sub.Island pres. Dub Echos
Zur Kritik nationaler und transnationaler Migrationspolitik
electric island „final edition“
All 4 Hip-Hop Jam 2013
Shellac (Touch & Go/us). Support: Auf
Karocel /live (Freude am Tanzen)
Suffocation, Cephalic Carnage, Havok, Fallujah
Cafékonzert-Matinée – The Powertrip: Gone To Waste, Scarred Mind, Dull Eyes
Broilers
Summerclosing Sause
• review-corner film: Hannah Arendt – eine deutsche Denkerin?
• doku: Inside Syria: Letters from Aleppo – Teil 4
• interview: „Reise ins Ungewisse“
• position: »Ich bin der deutsche Geist!«
• position: Von der Kritik der Praxis zur Praxis der Kritik
• position: Erwiderung auf den Redebeitrag der Gruppe „the Future is unwritten“ auf der Demonstration von „Rassismus tötet!“ am 27.10.2012 in Leipzig
• position: Nicht mit und nicht ohne – Teil 2: Konkret
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IIm Folgenden dokumentieren wir den vierten und letzten Teil der „Letters from Aleppo“ – eine Reihe von Briefen, die von Streetart Fotograf Boris Niehaus alias JUST zuerst beim Blog „Nerdcore“ und später beim Magazin „Reportagen“ veröffentlicht wurden. Boris reiste vor Weihnachten letzten Jahres ins syrische Aleppo, um seine unmittelbaren Eindrücke zu schildern und natürlich, um zu fotografieren. Die „Letters“ entstanden unter unmittelbarem Eindruck der Verhältnisse in Aleppo/ Syrien und wurden bis auf einige orthografische Anpassungen im Original belassen.
Die Redaktion des CEE IEH freut sich besonders über die gute Zusammenarbeit mit Boris Niehaus und dem Magazin „Reportagen“, ohne deren freundliche Zuarbeit eine Veröffentlichung nicht zustande gekommen wäre.

Am 13. Mai findet um 20:00 eine Veranstaltung des CEE IEH-Newsflyers zum Thema statt (siehe Anzeige).



Inside Syria: Letters from Aleppo – Teil 4



Die letzten beiden Tage ist wieder viel zu viel passiert. Gut, dass ich mir zu allem Notizen mache, die ich jetzt versuche durchzugehen. Schön, wie krakelig die Schrift geworden ist; und die Seiten sind alle feucht vom ewigen Regen.

Rossi hat mir gerade noch erklärt, dass die Einschläge, die wir jetzt hören, von Panzern stammen. Erst ein kleiner Knall in der Entfernung, kaum lauter als ein Gewehrschuss und dann ein bebender Rums. Nur Assad hat Panzer. Die Info ist gar nicht gut. Rossi legt sich pennen, ich gehe ins Büro des AMC und lasse mir erklären, dass die Panzer sich nur verteidigen, da es gerade eine Offensive auf den nahegelegenen Flughafen gibt. Das beruhigt.

Jetzt sitze ich hier im Dunkeln im Büro des AMC. Die Router werden über vier Autobatterien betrieben zumindest Internet geht, wenn auch nur extrem langsam. Ich klappe den Monitor runter, um die Tastatur zu sehen. Der Akku des Netbooks reicht noch für zwei Stunden.

Gestern: Wie gesagt hatte ich Mahmoud (einen Fahrer und Fixer hier aus dem AMC) jetzt einen Tag für mich. Meine Pläne waren: mir das Müllproblem der Stadt anzugucken, die Food-Situation, eine improvisierte Schule zu besuchen, den berühmten (und noch umkämpften) Markt zu sehen, das Daily-Life und die Stadt zu sehen. Begonnen haben wir bei dem Müll.

Wir steigen ins Auto und Mahmoud fährt los. Es ist gut, mal zu zweit zu sein und Mahmoud beantwortet alle meine Fragen. Ich gebe zu, auf den Müll bin ich gekommen, weil ich mit dem Fahrer der französischen Journalisten (von TV5) gesprochen hatte. Er erzählte mir (und Mahmoud bestätigt dies zu den gleichen Fragen die ich ihm stelle), dass die Fahrer der Müllabfuhr auf ihrem Weg zur Deponie (die außerhalb der Stadt liegt) von Assad-Snipern beschossen werden. Natürlich will dort jetzt keiner mehr hin und so wird der Müll entweder an die Stadtgrenze gebracht, oder einfach so in die Straßen gekippt. Und es stimmt: Die Straßen sind voll mit Müll (und Schutt) und besonders an weiten Flächen (wie zerbombten Schnellstraßenzubringer, weitläufigen Kreisverkehren etc.) sind es ganze Berge von Müll. Hunderte von Metern weit. Allein beim Vorbeifahren steigt der Gestank ins Auto. Mahmoud hält immer wieder an und fragt Passanten nach dem Weg. Wir erreichen die Stadtgrenze. Ich sehe Müllberge. Weit mehr als die in der Stadt. Wir halten, ich steige aus und krame nach meiner Kamera. Ich gehe ein paar Meter und halte nach Motiven Ausschau. Da vorne lässt ein Mann und ein Kind ihre Ziegen im Müll grasen, aber als ich komme, verscheuche ich die Tiere. Ich knipse drauf los alles stinkt nach den toten Tieren, die hier zwischen den aufgeplatzten Müllsäcken liegen; noch blutige Schädel und Berge von Hühnern, die langsam vor sich hin wesen. Das Problem ist, dass dieser ganze Müll ein schöner Herd für Krankheiten ist und besonders Laishmaniose (auch Aleppobeule genannt wiki!) verbreitet sich dafür gibt es bald keinen Impfstoff mehr in der Stadt.



Sowieso wird alles knapp. Seit Start des Aufstandes war es kaum mehr möglich, den normalen Arbeiten nach zu gehen. Alles ist zusammen gebrochen (wofür sicherlich auch das Abstellen des Stroms im befreiten Teil der Stadt gesorgt hatte). Die Leute verarmen und zugleich werden die nötigen Dinge teurer. Das Brot ist auf den doppelten und dreifachen Preis gestiegen. Bei unserer Fahrt durch die Stadt habe ich zweimal einen riesigen Menschenauflauf gesehen, die sich alle, größtenteils in unendlich langen Schlangen, vor Häusern gesammelt hatten, die eher wie verkohlte Garagen als Bäckereien aussahen. Ich bin fertig mit dem Müll und auch Mahmoud winkt mir aus der Ferne zu. Ich will Bilder von den Warteschlangen vor den Bäckereien machen und wir fahren los.

Wir fahren durch ein kleines Industriegebiet, dann das bekannte Bild: Menschenauflauf vor Baracke. Fast ein Tumult, denn es ist laut. Mahmoud hält direkt gegenüber und ich frage, ob es möglich sei, zu fotografieren. Er nickt. Das Feeling hier ist mies, ich werde angeschaut und auch FSA-Kaempfer stehen überall rum. Die Menschen sehen arm und fertig aus und alle treibt der Hunger an diesen Ort. Ich brauche die Bilder und setze die Kamera an. Klick und schon kommen drei nicht sehr freundlich aussehende FSAs auf mich zu. Ich bin umzingelt und werde auf arabisch zugequatscht. Ein suchender Blick zu Mahmoud, der auch mich nicht aus den Augen gelassen hatte, jetzt kommt und mit den Kämpfern redet. Wir sollen mitkommen und werden regelrecht abgeführt. Vorbei an der Baracke mit den vielen Menschen, die an einer kleinen Luke auf ihr Brot warten, und zu einem hohen Tor aus Wellblech. Die Kämpfer hämmern dagegen und weitere FSA`s machen auf. Wir werden hinein eskortiert und ich bemerke die Handschellen, die die Kämpfer scheinbar alle bei sich tragen. Mir wird mulmig. Wir gehen auf eine Lagerhalle zu. Drinnen stehen drei riesige Öfen, aus denen hunderte frisch-gebackene Brote auf Fließbändern kommen. Es riecht unglaublich gut. Wir gehen an den Fließbändern vorbei und auf ein kleines verglastes Kabuff zu. Mahmoud redet ununterbrochen mit den Kämpfern. In dem Kabuff sitzen vier ältere Männer, alle mit Bärten, Tarnfleckuniformen und AK`s. Mahmoud redet jetzt mit ihnen. Immer wieder wird auf mich gedeutet und alle mustern mich von oben bis unten. Schließlich nickt einer der Anführer und kommt zu mir. Er fragt auf englisch, wo ich herkomme und führt mich Richtung Ausgang. Noch immer sind circa zehn junge FSAs um uns versammelt. Wir stehen jetzt neben den Fließbändern und er bedeutet mir, eines der Brote zu nehmen. Ich fühle mich geehrt und verneine überschwänglich höflich. Jetzt greift er aufs Band und gibt mir ein Brot. Es ist noch heiß. Er verabschiedet sich, redet noch einmal mit Mahmoud und verlässt uns freundlich. Mahmoud erklärt mir, dass ich ein Foto vom Innern der Fabrik machen könnte, ich aber keine der Arbeiter ablichten dürfe. Ich stelle mich schnell auf einen leeren Getränkekasten und mache genau ein Bild. Während wir wieder hinausgeleitet werden und ich mein Brot esse, erklärt mir Mahmoud weiter, dass diese Fabrik geheim gehalten werden muss und es von daher unmöglich sei, Bilder von Außen zu machen. Schon früher wurden gezielt humanitäre Orte bombardiert, wie bspw. das im befreiten Teil der Stadt gelegene Krankenhaus (Dar al-Shifa). Ich bin froh, dass sich die Lage geklärt hat, und lasse mich nach draußen geleiten.

(Rossi war gerade im Büro und hat gesagt, dass die Gefechte hier keine 200 Meter vom Haus stattfinden und er vom Fenster die Raketen in beide Richtungen sehen kann. Wir waren kurz auf dem Dach. Ich schreibe weiter:)

Wir gehen wieder vorbei an den klagenden Menschen und rein ins Auto. Für eine Schule sei es jetzt zu spät, erklärt mir Mahmoud und auch für den Markt sei heute kein guter Tag. Ich denke über Alternativen nach, schließlich zahle ich 50 Dollar für den Tag im Auto. Mir fällt etwas ein und eher zaghaft frage ich, ob es so etwas wie ein Gefängnis gibt. Mein Fixer nickt und wir fahren los. Ein von der FSA improvisierter Knast. Generell sind Knäste hier in Syrien mit das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Egal auf welcher Seite, aber weniger natürlich noch bei Assad. Mahmoud erzählt mir von seinen Knast-Aufenthalten und dass er einer der ersten hier aus Aleppo war, der damals gegen Assad auf die Straße gegangen ist. Er saß einmal zwei Wochen und einmal drei Monate. Auch gefoltert wurde er. Mit Strom. Wir fahren wieder quer durch die Stadt, fragen dutzende Male nach dem Weg und müssen schließlich vor einer Straßensperre aus Schutt halten und die letzten 100 Meter zu Fuß gehen. Das Gebäude sieht aus wie ein Wohnhaus. Es ist hoch und freistehend. Mahmoud erklärt mir, dass es ein Ex-Polizeigebäude ist, welches eingenommen wurde und jetzt als genau solches wieder benutzt wird. Nur eben von FSAs. Wir gehen auf den Eingang zu und auf den paar Stufen zur Eingangstür liegt ein Banner mit dem Bild von Assad. Jeder, der ins Gebäude geht, muss zwangsläufig drauf treten und die Farbe ist schon ganz verblasst.



Hier und da lungern Kämpfer rum und im Eingangsbereich sitzt jemand hinter einem Schreibtisch auf dem eine Vielzahl an Gewehren liegen. Er fragt ob wir Waffen dabei hätten. Wir verneinen und dürfen eintreten. Wir gehen einen engen und zwielichtigen Gang entlang und betreten ein Büro, welches gefüllt ist mit durcheinander redenden Männern. Alle halten Zettel in den Händen und ich erkenne, dass sie meist bunte Stempel tragen. Hinter einem Schreibtisch sitzt ein Mann der in einem dicken Buch blättert. Er sucht nach den Bearbeitungsnummern der einzelnen Fälle, um den Anwesenden dann den Stand der Ermittlungen zu sagen. Computer sehe ich keine. Mahmoud drängelt sich vor und fragt etwas. Wahrend ich am Eingang warte, springen dreimal die Sicherungen raus. Jedesmal patscht ein anderer FSA durch den nassen und jetzt dunklen Gang und klickt sie an. Wir werden in ein weiteres Büro verwiesen. Hier sitzen zwei Männer hinter einem Schreibtisch und auch sie beantworten Fragen von einer Reihe Männer, die diesmal aber Gewehre tragen. Die Fenster sind wie in dem Büro zuvor mit Sandsäcken gefüllt. Wir setzten uns in schöne große Sessel und warten. Im Fernsehen läuft lautlos Al Jazeera. Mahmoud redet mit den Männern hinter dem Schreibtisch, und erklärt ihnen unser Anliegen; immer wenn sie Zeit haben und nicht gerade Stempel auf Zettel drücken, antworten sie ihm. Ich versuche ein paar Fragen einzuwerfen. Wie schon erwähnt, handelt es sich bei dem Haus um eine Ex-Polizeistation, die vor fünf Monaten eingenommen wurde und als solche weiter genutzt wird. Sie nennen es jetzt: „Security Office of the Revolution”, zu dem alle Leute kommen können, um Beschwerden jeder Art einzureichen. Meistens Diebstahlsanzeigen, wie mir gesagt wird. Ich frage, ob es Gerichte gibt oder ob die Leute hier einfach so fest gehalten werden. Sie erklären mir, dass Verbrecher erst einmal hierher kommen (quasi Untersuchungshaft), dann einen Prozess vor Gericht bekommen, um dann gegebenenfalls wieder hier einzufahren. Ich bohre etwas weiter und frage nach Gefangenen und Zellen und ob auch Assad-Kämpfer hier sitzen. Ich frage, ob ich mir die Zellen ansehen dürfe und zwischen lauter Diskussion mit einem Kämpfer, der einen Stempel für seinen Zettel will, übersetzt mir Mahmoud eine Absage. Ich frage, ob ich zumindest den Zellengang fotografieren könne. Nur ein Foto, promise. Und ich weiß nicht, ob sie mich los werden wollen, aber das scheint okay zu sein, zumindest fordern sie eine Wache vor ihrer Bürotür zu sich und erklären ihm meinen Wunsch. Er nickt und bedeutet mir, ihm zu folgen. Es geht in den Keller, das Licht flackert schwach und das Wasser von den Stockwerken über uns sammelt sich hier in Pfützen. Auch hier wimmelt es von Menschen und es gibt ein weiteres Büro. Das „Buero of Investigation”, wie ich erfahre. Das hört sich nicht gut an und auch gar nicht danach, dass hier Autodiebstähle investigiert werden. Der Gang neben dem Büro ist mit einer verbeulten Stahltür verschlossen. Wir warten etwas und mein Guide von oben quatscht mit den wohl wachhabenden Officern. Jetzt dreht er sich um, nimmt mich am Arm und führt mich zur Stahltür. Er klopft laut und ruft etwas auf arabisch. Die Tür öffnet sich und ein FSA schaut zu uns hinaus.



Mein Guide erklärt ihm etwas und ruft in den Gang. Andere FSAs kommen und es wird laut geplappert. Mein Guide führt mich am Arm durch den Gang zu einer offenen Zelle. Sie ist leer und die Wachen bedeuten mir, Fotos zu machen. Ich hebe die Kamera und just in dem Moment fällt der Strom wieder aus. Alles ist dunkel, aber scheinbar scheint das hier (so wie überall in der City) Normalität zu sein, denn gleich leuchten mehrere Taschenlampen auf. Mahmoud sagt, ich solle warten, bis das Licht wieder geht zum Knipsen. Ich fotografiere trotzdem und das Licht wird auch bis zu unserm Abgang nicht mehr angehen. Zum Glück ist das hier kein High-Tech-Knast mit elektronischen Türen, die alle aufgehen, wenn der Strom ausfällt. Ich werde weiter durch die Korridore geführt. Ich bin jetzt umringt von einer Schar FSAs, die alle auf arabisch durcheinander reden und wie schon bei der Bäckerei habe ich das seltsame Gefühl, dass Mahmoud die Kontrolle über unseren Ausflug verloren hat. Mir wird eine Küche gezeigt, in der sich Geschirr stapelt. Dann werde ich zurückgezogen, zu einer vorhin noch leeren Zelle, in der auf einmal ein Mann auf einem kleinen Teppich betet. Ich will Fotos machen, aber werde am Arm weiter gezerrt. Jetzt stehen wir irgendwo im Gang und es wird laut diskutiert. Das Licht der Taschenlampen zuckt über die Wände. Irgendetwas wurde entschieden und die Tour ist vorbei. Ich bedanke mich bei allen und schüttle Hände. Es geht durch die Stahltür ins Treppenhaus, in dem von oben etwas Tageslicht runter scheint, und dann nach draußen. Ich fotografiere noch den Assad am Boden und gleich scheren sich ein paar FSA-Models dazu, die freudig posieren. Ich bin froh, wieder draußen zu sein, und froh, wieder heil zum Auto zu kommen. Ich meine, eigentlich war alles cool. Es wird schon wieder dunkel und wir beschließen, zum AMC zurück zu fahren. Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag und habe auch von der Stadt viel gesehen und zwischendurch viel zum Anhalten angewiesen und fotografiert.
Im AMC treffe ich später wieder Rossi, der seinen Tag bei dem deutschen Abu Yassin mit einem Interview und Frontbesuch verbracht hat. Er erzählt mir, wie er von Einheit zu Einheit weiter geschickt wurde und das, je weiter es nach vorne ging, die Kämpfer weniger und weniger Englisch konnten. Am Ende war er dann bei einer Einheit der islamistischen Al Nusra, die sich auch nicht fotografieren lassen wollten. Wenn Front, dann auf keinen Fall bei denen! Aber das entscheidet sich für mich morgen.



Wir legen uns pennen und zweimal höre ich einen Kampfjet über uns weg fliegen. Ich stehe beide Male senkrecht in meinem Schlafsack im kalten Zimmer und hab Schiss… das zweite Mal ziehe ich mich schnell an und gehe nochmal ins Office runter und frage nach den Fliegern und ob alles okay sei. Klar sei es das und sie hätten die Jets auch gar nicht gehört die höre man irgendwann einfach nicht mehr, genau so wie die Mörser-Einschläge in der Ferne (an die ich mich auch schon komplett gewöhnt habe). Wir seien kein Target, wird gesagt. Ich denke noch an die sechs großen Satellitenschüsseln auf dem Dach. Ich bin trotzdem beruhigt und gehe wieder schlafen.
Mehr morgen.

P.s.: Heute war ich an der Front. Außerdem ist hier (mal wieder) eine Rakete in der Stadt eingeschlagen und hat wie durch Zufall einen der wenigen Krankenwagen getroffen, die hier im befreiten Teil der Stadt im Einsatz sind. Drei Menschen wurden getötet und 20 verletzt. In dem Viertel schlagen wohl viele Raketen ein und womöglich wollen die Assad-Truppen das dortige neue Gerichtsgebäude der FSA treffen.



Lieben Gruß euch allen!
J.

Bilder

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03.05.2013
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