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CEE IEH-ARCHIV

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Aktuelles Heft

INHALT #196

Titelbild
Editorial
• das erste: Fußball statt Deutschland
• inside out: Der heutige Alltag
• doku: Offener Brief gegen Denunziation
• doku: Israelsolidarität oder Pro Israel?
• leserInnenbrief: LeserInnenbriefe
• sport: Distillery Games
(Veranstaltungs-)Anzeigen
• neues vom: Neues… vom Stadtteilmanagement

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LeserInnenbriefe

Meiner Meinung nach kann man so einen Teaser wie den zum Roten Salon – und zwar explizit bezüglich der Position zu Ton Steine Scherben – nur schreiben, wenn Mann/Frau saudumm ist.

Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.

Jens Altenburger

Liebe Redaktion,

Ursprünglich komme ich aus einer kleinen Stadt. Naja, so mittelklein. So nochnichtgroß-, ganz klar, nichtgroßgenug-klein. In kleinen Städten ist das Träumen leicht. Viel Anderes kann man nicht machen und die Frage „Soll ich nach der Schule weggehen oder bleiben?“, stellt sich einfach nicht. Man geht, weil es nichts zu bleiben gibt.

Ich komme nun aus einer Stadt, in der das etwas komplizierter war.

Natürlich war alles scheiße: die Schule, die Eltern, die Lehrer, die Nachbarn, die Straßen, die Häuser, die Parks, das Kino, das Einkaufszentrum, die Indiedisco, der Kaufland, der Jugendclub, die Faschos, die Faschos, die Faschos und die Faschos. Nur waren wir genug, die alles scheiße fanden und auch vorher fanden ziemlich viele alles scheiße und so gab es mit der Zeit drei Streetartkünstler, zwei coole Kneipen, Antifas (sogar genug für eine Spaltung!), ein halb besetztes Haus, und den ganzen DIY-Sozio-Subkultur-Firlefanz. Sogar ganz nette Technoparties hat es irgendwann gegeben.

Das hat die Schule, die Eltern, die Lehrer, die Nachbarn, die Straßen, die Häuser, die Parks, das Kino, das Einkaufszentrum, die Indiedisco, den Kaufland, den Jugendclub, die Faschos, die Faschos, die Faschos und die Faschos nicht besser gemacht – wir nannten sie nur nicht mehr Faschos, sondern (die Spaltung, ihr erinnert euch) Deutsche, Krauts oder Kartoffeln – dafür aber wurde das Träumen schwerer, denn jeder Traum war nun von irgendwem besetzt und ich teile meine Sachen ungern.
In jener Zeit, als neue Namen nötig wurden und mein Abitur sich langsam nährte, da lernte ich ein Mädchen kennen, nein eine Frau, eine gestandene, denn sie war schon zweiundzwanzig, kam nur noch über Weihnachten und zum Geburtstag ihrer Mutter in diese Scheiß-Stadt zurück und sprach von Aufklärung, Israel und Dialektik. Mein Palituch hatte ich selbst entsorgt und da kam sie und erzählte mir von einem Ort, an dem das Tragen dieser Dinger schlicht verboten worden war. Sie war es auch, die mir meinen ersten CEE IEH überließ.
Bis ich selbst nach Leipzig zog, verging noch eine ganze Weile, aber von diesem ersten Heft an, war ich nicht mehr ganz so ungeschützt, den Zumutungen und Gemeinheiten meiner damaligen Umwelt gegenüber.
Das klingt jetzt, beim noch einmal lesen doch alles sehr romantisierend und auch ein wenig ungerecht, denn jetzt kommt ja der Teil, in dem ich euch vorwerfen werde, wie unbedeutend, langweilig und selbstverliebt ihr geworden seid, aber ich glaube doch, dass meine Ausführungen bis hier hin ihren Zweck erfüllen und deutlich machen werden, dass es mir nicht daran gelegen ist, gemein zu euch zu sein. Im Gegenteil. Der CEE IEH hat für Zerwürfnisse gesorgt, für Schreiereien und ewig lange Selbstkritik in Emailform. Geht die Band noch? Ist Street Art nun Subkultur oder doch nur Sachbeschädigung? Gehen wir auf die Demo, wenn da Magdeburger bei sind? Was ist überhaupt Magdeburg? Habt ihr das Buch schon bestellt? An diese (nein, nicht guten alten) Zeiten musste ich beim Lesen der letzten Ausgabe denken. Denn, so ganz unter uns, wie langweilig es ist, immer und immer wieder die gleichen Texte der gleichen Gruppen über die gleichen Probleme lesen zu müssen, ist euch doch sicher auch klar. Und da kommt plötzlich, nach, ich weiß nicht wie langer Zeit, ein Kulturtext, der es in sich hat. Weltmusik im Island (ich las es und hörte schon die jungen Frauen und Männer, die von Aufklärung, Israel und Dialektik sprechen, aufschreien, denn auch ich war – ganz im Wortsinne – empört), dazu ein Text, der es wagt, mir in meiner Einstellung zu Hippies, Ausdruckstanz und eben jener Weltmusik zu widersprechen und dann auch noch in einer Form daherkommt, als wäre er kein verschriftlichtes Referat eines Kulturwissenschaftenden, sondern eine ernstgemeinte, leidenschaftliche Betrachtung eines Gegenstandes, der der Verfasserin, so gut wie das gemeint sein kann, am Herzen liegt.
Nun hoffe ich, auch wenn ich nicht recht daran glauben mag, auf weitere Texte dieser Art, auf Streitbares und Unbequemes, auf Texte, die beim Lesen weh tun, nicht weil sie vor lauter Genderei so schlecht zu lesen sind, sondern weil sie gegen den faden Connewitzer Konsens streiten.
Soviel dazu.

P.

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17.06.2012
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