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Aktuelles Heft

INHALT #189

Titelbild
Editorial
• das erste: Das erste „Das Erste“ seit einem halben Jahr
• teaser: September und Oktober 2011 im Conne Island
Pttrns, My Disco
Art Brut
Can't Sleep!
20 Jahre Conne Island - 16 Jahre Drum and Bass
»The riddles keep slowin us down.«
Conne Island fühlt sich Pudelwohl
"Papst gefälscht"
»nothing can com close ...«
20 Jahre Hip Hop, 40 Jahre Torch
Dear Reader, Marching Band
Heroes in the city of dope …
CIV, Built on Trust
K.I.Z.
Toxpack
ease up^
Kode9 ♣ Mala
I like trains, Nihiling
The Riot Before, Smile and Burn, Diane Parkers Little Accidents
• inside out: Das doppelte Scheitern des Poll 2011
• doku: Noch lange nicht Geschichte
Von den Niederungen des Allerhöchsten
Der Raub- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion
Veranstaltungsanzeigen
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• neues vom: Sommer 2011

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20 Jahre Indie part one:

Art Brut

Art Brut

"Brilliant! Tragic!"-Tour:

Art Brut (UK)
206 (D /ZickZack)

Art Brut waren vor acht Jahren eine dieser neuen Indierockbands, die in einem sehr breiten Kreis schnell Konsens wurden und im Gegensatz zu vielen anderen verwechselbaren Bands einen eigenen markanten Sound hatten. Und sie nahmen sich nicht allzu ernst, spielten die Clowns zwischen all den todernsten, selbstverliebten Indieboys mit britischer Arbeiterklasse-Ghetto-Attitüde. So richtig wusste ich sie nicht einzuordnen – der Sound hat mich bei Indieparties persönlich ein wenig genervt und mich daran erinnert, dass ich ja schon seit längerem mal wieder an die Bar gehen wollte, aber sie waren auch irgendwie sympathisch und anders und schon in Ordnung. Der in der Anfangszeit bestimmende Sprechgesang des Bandleaders und Sängers Eddie Argos erinnerte an The Streets, damals auch gefeiertes und geliebtes Konsens-»next big thing«. Von diesem Element und dem parodistischen Ansatz abgesehen war die Musik jedoch recht durchschnittlicher Indierock. Ironie verbraucht sich auf Dauer, der Sprechgesang ist in weiten Teilen dem Durchschnitts-Rock-Gesang gewichen (laut Eddie singt er auf dem neuen Album das erste Mal »richtig«) und die Ratlosigkeit noch größer. Die Band liegt niemandem wirklich am Herzen und der Entschluss pro Konzert resultierte aus einer unentschiedenen und gleichgültigen Mischung aus »naja, es spricht ja nichts dagegen«, »waren früher mal recht wichtig«, »gibt sicher Leute, die die hören wollen«, »passt schon zu 20 Jahre Indie am Conne Island« und der Zusammenarbeit mit der Agentur. Es gibt schlechtere Gründe für ein Konzert.

Die englische Band benannte sich nach dem gleichnamigen Kunstbegriff des französischen Malers Jean Dubuffet, der Werke von KünstlerInnen außerhalb der Gesellschaft (ob freiwillig oder unfreiwillig) und damit Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen in den Focus rückte – treffend auch »Outsider Art« oder primitive Kunst genannt, was den Anspruch der Band an sich selbst auch gut fasst. Sie produzieren noisigen, simplen Indierock, der sich inhaltlich mit Alltäglichem und Banalem beschäftigt, basierend auf den Tagebuch-Notizen von Argos. Nun, es gibt schlechtere und überhöhtere Inhalte als den banalen Alltag weißer englischer Mittelstandsjungs.

Und die Sache mit der Ironie... Immer schwierig, wie leicht ist sie mißzuverstehen und bleibt auf dem Weg zwischen Absender und Empfänger auf der Strecke. Im Fall von Art Brut ist sie immerhin nicht kontrovers, sondern sogar begrüßenswert. Aber auch wunderbar geeignet, um sich dahinter zu verstecken und zu verschleiern, wann etwas doch ernst gemeint sein könnte oder man sogar etwas ernst meinen will: »People think I'm being ironic all the time, but I'm not. I'm just really enthusiastic!« (Eddie Argos).

Nach dem ersten schnellen Erfolg des Debüt-Albums »Bang Bang Rock‘n‘Roll« (damals noch auf einem der Indie-Lieblings-Labels Rough Trade) und der ausverkauften zweiten Deutschland-Tour der Band konnte nicht viel mehr kommen: die beiden Folge-Alben sind bereits deutlich weniger erfolgreich. Die Band macht jedoch unbeirrt weiter.

Eddie Argos startet gemeinsam mit Dyan Valdés (The Blood Arm) das Nebenprojekt »Everybody was in the French Resistance... Now!« Dieses veröffentlicht neben Liedern, die vorwurfsvoll oder höhnisch an ein fiktives Gegenüber gerichtet sind und mit denen beide massive inhaltliche Probleme haben, auch Antwortsongs aus der Perspektive der Angesprochenen. Argos und Valdés greifen nur die Inhalte der »Geschwistersongs« auf (u.a. »Jimmy Mack« von Martha Reeves And The Vandellas – der Song, der die Idee ins Rollen brachte – , Avril Lavignes »Girlfriend«, »Gold Digger« von Kanye West, »Scarborough Fair« von Simon & Garfunkel oder Michael Jacksons »Billie Jean«), Melodien und Sound sind eigene Schöpfungen im 60s-Pop-Gewand.

Neben diesem Side-Projekt folgt nun 2011 wieder ein klassisches Art Brut-Album »Brilliant! Tragic!«. Es gibt schlechtere Veröffentlichungen und Konzerte.

Claire

07.09.2011
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
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