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Aktuelles Heft

INHALT #179

Titelbild
Editorial
• das erste: Linke Sprache, schwere Sprachen
„Dumbshit“
Future Islands
„Live-gespielte Clubmusik“
»Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt«
Keith Caputo & Band
The Chap, Bachelorette
Burning Fight Tour
Who Knew
Tanzstern Galactica
Benefizdisco
Dark Tranquility, Insomnium
electric island
Rassismus? Kein Problem für Dich?
Das Geschlecht des Situationismus
Veranstaltungsanzeigen
• review-corner buch: Geschichtsstunde mit Maos Gespenstern
Revolutionärin im Dienst des Kindes
Why Theory?
• doku: Redebeitrag des Bündnis gegen Antisemitismus
Anzeigen
• das letzte: Der mit dem Alien tanzt

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Der mit dem Alien tanzt

„Avatar“ war ein ideenloses Effektfeuerwerk, „Der mit dem Wolf tanzt“ gefühlte zehn Stunden lang, in „The Last Samurai“ durfte Tom Cruise mitspielen und „Dune“ (David Lynch) wurde im Schneideraum unter der Ägide der Produzenten verstümmelt. Was haben alle diese Filme und viele weitere ihres erzählerischen Kalibers gemeinsam? Der Protagonist ist ein aufgeklärter Weißer, der ursprünglich auf Seiten der Unterdrücker autochthoner Völker steht, sich jedoch ihnen zuwendet, um sie schließlich im Idealfall zur erfolgreichen Überwindung der Ausbeutung durch seine früheren Verbündeten zu führen.
Das alte Schuldgefühl der ehemaligen Kolonisatoren bricht in Filmen dieser Machart, rezipiert von einer breiten Masse, wieder und wieder hervor. Durch den erzählerischen Kniff jedoch, dass nämlich der ehemalige Unterdrücker gleichzeitig auch Führer und Befreier ist, gelingt dem Publikum die Identifikation mit dem Protagonisten. Die Geschichte über eine indigene Bevölkerung wird gewendet hin zu einer Erzählung über die Abarbeitung der eigenen Schuld durch Identifikation mit den Unterdrückten. Riten und Bräuche werden unhinterfragt romantisiert, der Protagonist tritt ihnen voller Ehrfurcht und Erstaunen gegenüber, gleich wie repressiv und grausam sie auch sein mögen. Dies führt nicht zuletzt zu einer verkitschten Wahrnehmung kultureller Unterschiede und befördert, gerade im Westen des 21. Jahrhunderts, da die meisten althergebrachten Traditionen sich mehr und mehr auflösen und gesellschaftliche Prozesse immer komplexer werden, eine Sehnsucht nach simplen Regeln, nach Ursprünglichkeit. All diese Filme beschreiben virtuell einen willkommenen Reinigungsprozess, der durch das Abtauchen in eine fremde Kultur erfahren wird. Gerade so als könne man Jahrhunderte menschlicher Entwicklung einfach ignorieren, indem man sich lustig anmalt, ordentlich auf Trommeln drischt, bewusstseinsverändernde Substanzen zu sich nimmt und peinliche Tänze aufführt. Dies alles kriegt man auch im Westen, nämlich im nächstgelegenen Stadion seines Vertrauens oder bei der nächsten, allerdings elektronisch beschallten, Tanzveranstaltung.
Hinzu tritt die Eindimensionalität der dargestellten indigenen Charaktere. Sie sind bloße Chiffren, mit Bedeutung aufgeladene Straßenlampen, die dem sich in ihrem Licht reinigenden Weißen den Weg leuchten. In der Regel sind sie nichts als stereotype Pappkameraden, welche von ihren vermeintlichen Fürsprechern in Hollywood kunterbunt eingefärbt und mit Federn geschmückt werden. Und sie müssen auch eindimensional sein. Wie sonst könnte der weiße Protagonist erst von ihnen akzeptiert und schließlich ihr großartigstes Mitglied, in vielen Fällen Führer, werden. Historisch betrachtet hätte also jede fiese Kolonisationsscheiße verhindert werden können, wenn man einfach jeweils einen Weißen dort abgesetzt hätte, der sich mit den Eingeborenen verbündet und sie schließlich gegen die Unterdrücker zu Felde führt.
Die Weißen möchten also nicht bloß Vergebung für die von ihnen verübten Gräuel erfahren, sondern auch Führer der Geknechteten sein. Aber nicht etwa von außen, sondern von innen, als Teil indigener Kultur und Ursprünglichkeit. Alles andere wäre ja rassistisch und man kann ja bekanntlich seinen Sprechort nicht verlassen. Erst wenn man selbst Teil des indigenen Sprechortes geworden ist, eben Reinigung erfahren hat, dürfe man also solch eine Rolle beanspruchen. Dann aber auch richtig, als Führer nämlich.

schlaubi

Dreifachdecker

23.08.2010
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