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Aktuelles Heft

INHALT #176

Titelbild
Editorial
• das erste: Am Anfang war die Tat
Rockwell
The Chariot, I Wrestled A Bear Once, The Eyes of a Traitor
Im zweiten Anlauf…
TRASH – A never ending Story
Motorcitydubs
These Boots Are Made For Stomping...
Turbostaat
Die Welt ist sehr chaotisch geworden
Johnossi
la familia y amigos festival
Nichts Neues im Westen? Doch!
The Casting Out
Alkaline Trio
The Sonic Boom Foundation
The Bronx & Mariachi El Bronx
Veranstaltungsanzeigen
• doku: Mit der Rolle in der Wolle
• doku: In Bewegung – know your feminist history
• doku: And we're running down the backstreets – Oi! Oi! Oi!
• ABC: S wie Surrealismus
• review-corner film: Dreamworks statt teamWorx!!!
• kulturreport: Deutlich auf der Seite des Guten
Die verkürzte Deutschlandkritik
• doku: Eskalation in Sachsen
Anzeigen
• das letzte: Antirassismus

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And we're running down the backstreets – Oi! Oi! Oi!

41 Jahre Skinhead-Subkultur und zwei Jahre erfolgloses Planen eines Meetings in Leipzig

Für alle, die immer nur den fettgedruckten Einleitungstext von Nachrichten und Texten lesen (ja, ich weiß, dass ihr da draußen seid!), kommt hier auf die Schnelle die Kurzform: Das „Oi! – The Meeting 2010“ (im Folgenden OTM) in Leipzig fällt flach und aus. Genau wie das OTM 2009. Und voraussichtlich auch das OTM 2011.
Das war es schon. Man könnte sich jetzt also wieder angenehmen Sachen widmen (Bier trinken, Musik hören, Haare schneiden, oder was man eben den ganzen Tag so tut). Könnte man. Man könnte diesen Text aber auch weiter lesen und sich mit der Thematik auseinander setzen. Ich möchte jedoch vorwarnen: Das ist vielleicht nicht schön oder gar anstrengend. You decide!

Wir, das sind die Skinheads Leipzig. Wir sind in erster Linie eine lockere Gruppe von Glatzen, dem engeren Umfeld von Glatzen oder auch ehemalige Skinheads, die sich der Szene und Musik nach wie vor verbunden fühlen. Die meisten von uns bewegen sich bereits seit vielen Jahren in dieser Szene, obgleich wir natürlich nicht seit `69 dabei sind. Man könnte unsere Generation bereits als die zweite oder dritte der Skinheads in Leipzig bezeichnen, wobei unsere Vorgänger nach wie vor teilweise aktiv in unserer Gruppe sind oder zumindest ihren Senf immer gern mit dazu geben. Unsere „Vorgänger“ waren es auch, die bei den ersten Meetings im Norden dabei waren und gerade bei dem ersten OTM im neuen Jahrtausend sehr aktiv mitwirkten und im Hintergrund auch Antrieb waren.

Ebenfalls seit vielen Jahren sind die Skinheads Leipzig sehr eng mit dem Conne Island verbunden, da der Laden auch für uns Glatzen stets eine Plattform bot, unsere Subkultur auszuleben und Konzerte und Feiern zu veranstalten. So stand es für uns nicht immer, aber letztendlich unterm Strich doch außer Frage, das Meeting nicht irgendwo „hinzupflanzen“ und auf einer Wiese zu veranstalten, sondern in dem Laden, der für die Szene eine wichtige Bedeutung hat. Das war in der Vergangenheit auch der Grund, warum ein OTM 2002 und OTM 2005 (und 2007) bereits hier stattfanden.

Wir verstehen uns – sicherlich jeder für sich zu seinem individuellen Grad – eher als klassische Skinheads mit Werten, die abseits eines rechtsoffenen Gedankengutes zu finden sind und positionieren uns mit unserer Arbeit im Conne Island (als eher linksorientiertes Projekt und Laden) eindeutig gegen Nazis und gegen irgendwelche „innerszenischen Rechtsoffenströmungen“. Wir positionieren uns mit unserer Arbeit bei Konzerten in der Gegenwart und in der Vergangenheit auch gegen zweifelhafte Bands und haben uns in den vergangenen Jahren bewusst gegen die eine oder andere Band entschieden. Kurzum, wir als nicht-politisch motivierte Gruppe haben durchaus klare Wertvorstellungen, die sich an den traditionellen Meetings der frühen 90er Jahre orientierten.

Ebenso erheben wir für uns den Anspruch, ein Festival organisieren und veranstalten zu wollen, das eben dem Namen – „Oi! The Meeting“ – gerecht wird und nicht ein Popfestival, ein Punkkonzert oder ein Wald- und Wiesenkonzert. Doch diesem Anspruch gerecht zu werden, ist heutzutage nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt.

Wir haben in den letzten Monaten immer wieder Diskussionen geführt, in denen es sich im Kern um immer ähnliche Punkte drehte. Zum Beispiel: Welche Bands laden wir ein?

Wir veranstalten das OTM – ein Skinheadtreffen. Dass wir da keine Bands wie Broilers, Madball oder WIZO einladen, verbietet schon unser Selbstverständnis. Aber wollen wir die ultimative Rumpel-Oi!-Herde, die die Kids in Scharen zieht, aber den Großteil der Szene kalt lässt? Was ist mit klassischen Acts wie Cockney Rejects, die im Dezember gerade mal 250 Leute mobilisieren konnten? Was ist mit den „Überreitern“ Perkele, die bereits schon auf einem OTM gespielt haben? Warum nicht gleich Cock Sparrer?

Nun, unsere Szene ist träge, faul und bequem geworden. Es gibt ein absolutes Überangebot an Konzerten. Auf jedem Dorf findet jedes Wochenende ein Konzert statt und in den Szene-Städten oder überhaupt in jeder größeren Stadt gibt es jede Band alle Nasen lang zu sehen.

Ganz zu schweigen von den unzähligen „Spirit of bla“ und „Unity of bla“ Festivals, die wie Unkraut aus dem Boden schießen, auf irgendeinem Feldacker mit Zaun abgesteckt, mit einer schlechten PA-Anlage ausgestattet, ein buntes Line-up zusammengewürfelt mit fünf bis sechs Headlinern, einigen Pöbelproberaumbands, um möglichst viele Leute zu ziehen und um dem Veranstalter kräftig die Taschen zu füllen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass speziell in dieser Region und im Großeinzugsgebiet Leipzig sehr viele regionale Festivals miteinander konkurrieren und sich zwar teilweise durch größere oder breitere Zielgruppen unterscheiden, jedoch auch für ein OTM eine ernsthafte Konkurrenz sind. Denn Festivals wie z.B. das Endless Summer haben sehr wohl viele Bands im Line-Up, die wir auch gern auf einem OTM hätten. Doch macht es Sinn ein Festival zu organisieren und dabei Bands aufzustellen, die acht Wochen später auf dem nächsten Festivals um die Ecke wieder auf der Bühne stehen?

Der gemeine Skinhead ist bequem. Es ist heute nicht mehr in der gleichen unbequemen Situation wie vor zehn Jahren. Heute gibt es Myspace, Facebook, StudiVZ. Die ganze Szene – oder zumindest wer Wert darauf legt – ist miteinander vernetzt. Man sieht sich mindestens einmal im Jahr – spätestens zum Punk & Disorderly zu Cock Sparrer – ansonsten auch gern häufiger bei einem der bereits angesprochen Kraut- und Rübenfestivals, bei denen „Oi!“ auf dem Flyer steht. DAS Meeting, bei dem die ganze Szene einmal zusammen kommt, ist schlichtweg unnötig geworden.

Was aber ist mit Ska- und Reggae-Legenden? Oder Klassikern wie den Rejects oder Business? Nun, von den älteren Szeneanhängern werden diese leider nur noch bedingt als „Headliner“ wahr genommen und von den jüngeren Anhängern teilweise gar nicht mehr beachtet. Beim Konzert der Rejects im vergangenen Dezember ist eine signifikant höhere Altersstruktur festzustellen gewesen als beim inkognito beobachteten Rumpel-Herden-Oi-Konzert anderenorts. Das legt die Vermutung nahe, dass der Nachwuchs der Szene seinen musikalischen Schwerpunkt etwas anders setzt als die vorangegangene Szenegeneration. Dazu kommt eine ekelhafte Entwicklung vieler junger Menschen hin zu Liebhabern sogenannter Deutschrock-Herden, die sich neuerdings immer größerer Beliebtheit erfreuen. Was für Skinheads unserer Generation Cock Sparrer und Angelic Upstarts waren, sind für viele heute Krawallbrüder und Freiwild. Doch diesem Trend möchten wir auf keinen Fall folgen und erheben auch diesen Anspruch, dass wir qualitativ hochwertige Festivals sehen und veranstalten wollen, die auch ein „Oi!“ vor dem Namen verdienen. Doch dem können wir nicht gerecht werden, wenn wir einerseits Bands buchen wollen, die auch eine Gage erwarten und andererseits deren Finanzierung durch einen angemessenen Preis und genügend Besucher sicher gestellt ist.

Wir sind keine Veranstalter, die ein Festival organisieren wollen, wo möglichst viele Leute angesprochen werden und uns die Taschen mit horrenden Eintrittsgeldern gefüllt werden. Wir wollen ein Skinheadtreffen.

Wir wollen ein qualitativ hochwertiges Treffen mit einem Line-Up, welches den 40 Jahren Skinhead-Kult gerecht wird. Wir wollen keine Rumpel-Herden auf der Bühne sehen, die gerade „Favorite of the Month“ sind oder im schlimmsten Fall gar nichts mit Oi! zu tun haben. Und wir wollen ein Treffen, was wichtig für die Szene ist, auf dem sie zusammenkommen kann, um sich selbst und ihre Helden zu feiern.

Nach zwei Jahren andauernden Planungen und Überlegungen und dem Versuches, ein Meeting auf die Beine zu stellen, sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass die Szene ein „Oi! – The Meeting“ derzeit nicht nötig hat. Wir sind der Überzeugung, ein OTM wäre nur eines von vielen unzähligen Festivals, an welchen vielleicht ein besonderer Name dran hängt, aber ansonsten alles wie an einem gewöhnlichem Wochenende ist.

Wir sind der Überzeugung, ein OTM, wie wir es uns vorstellen – mit einer besonderen Atmosphäre eines Meetings und dem Line-Up, was einem OTM würdig ist – ist derzeit nicht durchführbar.Wir sind der Überzeugung eine Kompromisslösung zwischen all diesen Punkten wäre möglich, verdient aber den Namen „Oi! – The Meeting“ nicht mehr.

Von daher wird es bis auf weiteres kein „Oi! – The Meeting“ in Leipzig geben.

Feedback ist uns willkommen und soll per elektronischer Post an mail@oi-themeeting.de gerichtet werden.

Skinheads Leipzig, März 2010

Decken

 

22.04.2010
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
info@conne-island.de, tickets@conne-island.de