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Aktuelles Heft

INHALT #175

Titelbild
Editorial
• das erste: Wer hat Angst vorm Sozialismus?
Easter Ska Jam 2010
To Rococo Rot
Ashers, Ticking Bombs
Bouncing Souls
„It's a virus.“
welcome to electric island?
OH! OH! OH!
Welcome home!
The Artery Foundation Tour
Shrinebuilder
Good Clean Fun
Fight for Freedom!
Benefizdisco
Katatonia
Sondaschule
electric island - love edition
Inspectah Deck
Veranstaltungsanzeigen
• review-corner buch: Hitler war's
• review-corner theater: Die Prinzessin als Anarch
• ABC: M wie Metaphysik
Mit Messer und Axt
• doku: VS wirbt versteckt am schwarzen Brett
• doku: Getrennt in den Farben –Vereint in der Sache
• doku: Wir geben keine Ruhe
• doku: tears please!
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• das letzte: Die Linke Wange auch noch hinhalten

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Die Linke Wange auch noch hinhalten

Manchmal stoßen auch Metaphern und Polemiken an ihre Grenzen. Gewillt, durch Übertreibung oder schlichte Boshaftigkeit, im Rezipierenden mehr zu bewirken als durch nüchterne Argumentation, sind sie zwar oft ein angebrachtes Mittel der verbalen Auseinandersetzung, jedoch führen sie nicht immer zum gewollten Ziel. Selbst wenn die Polemik gut, der Vorwurf berechtigt und eine dadurch revidierte Meinung der einzig richtige Weg für einen gesunden Menschenverstand ist, sich nicht selbst aufzugeben, lehrt uns die Erfahrung, dass es auch gegen Grundzüge der Vernunft Resistenzen gibt. In solchen Fällen stoßen die immer gut gemeinten Anregungen auf heftigen Widerstand. Die Folge: das sowieso schon gespannte Verhältnis zwischen zwei Parteien wird urplötzlich zur offenen Feindschaft.

Man kennt diesen Mechanismus aus anderen Bereichen – solchen die sich nicht unter dem Oberbegriff der politischen Debatte fassen lassen. Der Anschaulichkeit wegen: Ein Mann kommt nach getaner Arbeit nach Hause – er macht wie immer Überstunden für die Familie. Das verdiente Essen ist nicht nur schon kalt, sondern es schmeckt auch scheiße. Die Frau ist schuld. Auf die folgende Verprügelung reagiert sie nicht mit der gebotenen Einsicht und Demut sondern mit Pfefferspray, einer eigenen Wohnung und juristischen Schritten. Freilich: diese Frau, pardon, dieses Beispiel wurde auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogen. Aber so realitätsfern ist es wiederum auch nicht. Spanien ist nicht überall!

Eine andere Ursache für Unstimmigkeiten – also keine die dem absurden Verhalten der Angegriffenen allein geschuldet ist – ist die Qualität des Vergleichs. Es gibt jene One-Size-Handschuhe-Vergleiche: sie passen. Aber es gibt auch die Goebbels-artigen: sie hinken. Und es gibt die Push-Up-Braws: sie sind offensichtlich, aber unbequem. Das wiederum passt hier aber nicht hin, denn das Thema waren ja Vergleiche. Während Goebbels für seinen Klumpfuß aber weniger schuldig zu sprechen ist als bspw. für die Judenvernichtung, ist ein hinkender Vergleich einzig von nicht allzu gewissenhaft arbeitenden Publizierenden zu verantworten.

Wenn also ein angeblicher Linkspopulist einfach nur ein gewöhnlicher Faschist und Antisemit ist – so wie Oskar Lafontaine – oder ein angeblicher Rassist und Menschenfeind ein wirklich kluger und kritischer Geist ist – so wie Christoph Türcke, dann wurde schlampig recherchiert oder vorsetzlich verleumdet. So oder ähnlich ist es auch beim BAK Shalom in der Linkspartei. Die werden oft vorschnell als nützliche Idioten bezeichnet, weil sie Staatsgelder an außerparlamentarische Kräfte abführen. Aber bei näherem Hinsehen offenbart sich: das ist gar nicht soooo viel Geld und auch an das würde man sicher auch über andere Wege kommen. Von Nützlichkeit kann also schwerlich die Rede sein.

Viele geprügelte und sich wehrende Frauen hingegen könnten vom BAK Shalom so einiges in Sachen Demut lernen. Es wurde ja oft parteiintern gegen ihn polemisiert: er sei eine antideutsche Zionistenbande, Ableger der Bahamas und Fangroup des Henryk M. Broder. Einer unter ihnen – Stefan Kunath – erklärt in der aktuellen Ausgabe der „Debatte“(1), dem theoretischen Journal der Linksjugend [‚solid], warum der BAK weder antideutsch noch zionistisch ist. Und das in der parteiüblichen Umgebung von Artikeln wie „Hoch die Internationale Solidarität“ oder „Klassische Marxistische Imperialismustheorien“. Antideutsch ist nämlich die Bahamas und Co.und die machen Kritik in 300%iger Form. Allerdings hat Stefan damit ein Problem. Nicht nur dass jeder Deutsche der antideutschen Theorie nach mehr oder minder durch Sozialisation Antisemit sei (damit hat er in etwa das geistige Niveau der verschwörungstheoretischen Hip-Hop Gruppe „Die Bandbreite“ erreicht, die auch schon sehr altklug bemerkten, dass Antideutsche ja auch Deutsche wären und das ja schon irgendwie widersprüchlich wäre) – Herr Kunath weiß auch, dass wenn der BAK Shalom „antideutsch“ wäre, könnte er sich nicht als Arbeitskreis innerhalb einer deutschen Partei bewegen, zumal noch die Parteien im Grundgesetz Artikel 21 als Staatsorgane eingeordnet werden, welche – folgt man der Forschung zur Parteidemokratie – die Aufgabe haben, „Volkes Willen“ durch ihre Parteiarbeit zu katalysieren. Und wenn man sich zwischen 300%iger Kritik und dem Wille des deutschen Volkes zu entscheiden hat, kann man schon mal schwach werden, oder? Aber immerhin, die internen Widersprüche und Bauchschmerzen, in der LINKEN aktiv zu sein, sind überwunden und so ehrlich ist Stefan vom Bundesarbeitskreis dann schon. Denn Richtung Bahamas sei einzugestehen, dass der BAK Shalom durchaus ihrer Vorstellung nach Träger „deutscher Ideologie“ sein muss.

Und um es nicht zu unterschlagen: Der BAK Shalom hat natürlich auch nichts mit Zionismus zu tun, denn schließlich bauen [sie] nicht den Staat Israel auf. Sondern eben DIE LINKE. Dass man sich ausgerechnet die antizionistischste Partei des Bundestages als Betätigungsfeld ausgesucht hat, um – wenn auch halbherzig und verlogen aber immerhin– gegen Antizionisten zu agitieren, ist sicherlich einem gewissen Masochismus geschuldet. Dass die Damen und Herren des Arbeitskreises ihre privaten Vorlieben aber genau dafür benutzen, als Ehrenrettung einer miesen, antiimperialistischen Partei aufzutreten ist dann schon mindestens – scheiße. Vergegenwärtigt man sich diesen wenigstens ideologisch miserablen Zustand des BAK Shalom im Besonderen und der Partei im Allgemeinen bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen:



Anita Hagg

Kreuz

Anmerkungen

(1) http://lsdebatte.files.wordpress.com/2010/02/debatte-ausgabe-nr-3.pdf – alle kursiven Zitate aus dieser Zeitschrift

31.03.2010
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