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Aktuelles Heft

INHALT #173

Titelbild
Editorial
• das erste: Trübsal in der Krise?
„We only die once“
JMT
Skindred, Forever Never
Erich Mühsam - kein Lampenputzer
MITTE03
HALFTIME
electric island
Martsman
Shoah
Benefizdisco
Saint Vitus
Toxpack
Joey Cape, Tony Sly, Jon Snodgrass
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• ABC: M wie Metaphysik
• review-corner buch: „Die Zukunft der Erinnerung“
• review-corner buch: Alles nur Wahn?
Von der Volksgemeinschaft zur Weltgemeinschaft
1917 – Anfang und Ende des Kommunismus?
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• das letzte: Die Fäuste ballen

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Die Fäuste ballen

– aber den sozialen Frieden bewahren!
Bitte denkt nicht an Streik!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

so mancher fragt sich in diesen Tagen: Ist unsere soziale Marktwirtschaft wirklich „die beste aller Welten“?
Wir vom DGB haben in den letzten Jahren immer wieder gesagt: Wir müssen schmerzhafte Einschnitte hinnehmen, damit es wieder aufwärts geht mit unserer Wirtschaft. Und wir haben Wort gehalten: Leiharbeit, Flexibilisierung, Hartz IV, Lohnzurückhaltung – gemeinsam mit unserem Partner, dem BDI, konnten wichtige Innovationen auf den Weg gebracht werden.

Doch statt Aufschwung haben wir nun eine schwere Wirtschaftskrise. Wie es dazu kommen konnte, ist auch mir ein Rätsel. Unsere Wirtschaft ist eben manchmal launisch wie ein Computer: Plötzlich stürzt sie ab, und dann muss man sie wieder zum Laufen bringen. So stehen uns jetzt noch mehr Arbeitslosigkeit, noch mehr Verzicht ins Haus. Da kommt Zorn und Wut bei den Menschen auf. Dafür habe ich Verständnis, obwohl ich persönlich nicht von der Krise betroffen bin. Aber es bereitet mir auch Sorge, denn der soziale Friede ist in Gefahr.

Unsere französischen Kollegen haben in letzter Zeit Unternehmer als Geiseln genommen, in Griechenland brannten wochenlang Barrikaden. Sicherlich: Das zeigt Wirkung und scheint den Menschen dort Freude zu machen – die Stimmung in Athen soll besser gewesen sein als auf unseren Gewerkschaftsfesten, trotz der tollen Rockgruppen, die wir auch heute wieder für die Jugendlichen aufspielen lassen. Aber wir sind keine Griechen, keine Franzosen. Unsere Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins haben ihren König geköpft, Revolutionen durchgeführt und 1968 zu Millionen die Betriebe besetzt – ohne vorher das Einverständnis ihrer Gewerkschaften einzuholen! Das ist nicht unsere Streitkultur.

Für uns deutsche Gewerkschafter war der soziale Friede schon immer ein hohes Gut. Wir haben unser Land nicht im Stich gelassen, als es 1914 schwierige Konflikte mit den Nachbarn gab. Wir haben nach dem Regierungswechsel 1933 das konstruktive Gespräch mit der Politik gesucht, anstatt wie die heißblütigen Spanier gleich einen Bürgerkrieg anzufangen. Wir haben in den 1970er Jahren den Gastarbeitern klar gemacht, dass wilde Streiks nicht zu unserer demokratischen Kultur in Deutschland passen. Denn Streitkultur darf nicht zu Streikkultur entarten.

„Dampf ablassen“ muss jeder mal. Das ist ganz normal, meine Frau kann ein Lied davon singen. Aber richten wir unseren Zorn nicht gegen die Arbeitgeber, die Politik oder unsere Wirtschaftsordnung. Nehmen wir lieber Finanzhaie, Wall Street und ausländische Heuschrecken ins Visier. Dann können wir auch die Bundesregierung und die Arbeitgeber für unser berechtigtes Anliegen gewinnen – wo kämen wir denn sonst hin?

Deshalb darf die heutige Kundgebung keine Kampfansage sein. Wenn einige kurzsichtige Arbeitgeber nun zurück ins 19. Jahrhundert, zurück zum Klassenkampf wollen, dann sagen wir ihnen klipp und klar: Ohne uns, da machen wir vom DGB nicht mit. Statt Öl ins Feuer zu gießen, heißt unsere Devise: Der Klügere gibt nach.

Wir werden das wie bisher für Euch richten. Deshalb gilt für heute und für morgen, für die Straße und den Betrieb:

- Habt Vertrauen in uns und befolgt ausschließlich unsere Anweisungen!
- Wiederholt ausschließlich die Parolen, die wir über den Lautsprecher durchgeben!
- Wenn wir die Kundgebung auflösen, geht brav nach Hause, schaltet den Fernseher ein und schaut, wie machtvoll wir gewesen sind! Mit ein wenig Glück könnt Ihr Euch für zwei, drei Sekunden selbst auf dem Bildschirm erkennen.
- Pustet drei Mal in Eure Trillerpfeifen, wenn Ihr Eurem Ärger über Euren Vorgesetzten Luft machen wollt!
- Vergrault die Investoren nicht und habt Verständnis für harte Entscheidungen!
- Kommt bloß nicht auf die Idee, auf eigene Faust zu handeln und eigenständig Kontakte zu Leuten aus anderen Betrieben aufzubauen! Leute, die davon reden, wollen nur der Gewerkschaft schaden!
- Wenn Ihr trotz alledem unsicher seid, wendet Euch an die jeweils zuständige Stelle. Wir haben für jedes Problem das richtige Formular!

Michael Summer

Kampfkatze

dokumentiert von: http://klassenlos.tk/data/pdf/michi.pdf

22.01.2010
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