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#161, Januar 2009
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Aktuelles Heft

INHALT #169

Titelbild
Peter
Editorial
• das erste: Bis auf die nackte Haut
Purple Rain
MITTE01
The Legacy, Daggers, Lasting Traces
Ich bin reines Dynamit....
Intro Intim
Sights and Sounds, Men Eater
Mouse on Mars
Sun Of A Bastard Tour
Street Dogs, Civet, Lousy
Moutique Ensemble
Eskimo Joe
Die Fussballmatrix
Station 17
Demo-Aftershow-Party
Hellnightstour
Absu, Pantheon I, Razor of Occam, Zoroaster
electric island
Celan, Dyse, Ulme, Exits to Freeways
Veranstaltungsanzeigen
• ABC: R wie Rassismustheorie
• ABC: H wie Historikerstreit
• review-corner film: Inglourious Basterds
• review-corner film: Die Partei, die Partei, die hat immer recht...
• leserInnenbrief: Das Ende des Nationalsozialismus feiern!
20 Jahre antideutsch-antifaschistischer Widerstandskampf
• doku: Jahresbericht 2008
Anzeigen
• das letzte: In eigener Sache

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Die Partei, die Partei, die hat immer recht...

„Die endgültige Teilung Deutschlands, das ist unser Auftrag“
(Chlodwig Poth)

Sie sind schmierig, sie sind korrupt und sie wollen die Macht. Dies sagen sie ganz offen. Sie tragen schlecht sitzende C&A Anzüge in grau mit weißem Hemd und roter Krawatte. So sind sie, die Mitglieder und Funktionäre der Partei Die Partei. Dies steht für „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, kurz eben Die Partei. Gegründet wurde sie im Jahre 2004 von der Satire Zeitschrift Titanic. Der ehemalige Chefredakteur Martin Sonneborn ist ihr Bundesvorsitzender, das mediale Gesicht einer noch jungen Erscheinung in der bundesdeutschen Parteienlandschaft. Gerade ist ein Film über ihre Entstehungsgeschichte, ihre spektakulärsten Aktionen, die wichtigsten Parteitage und ihre Ziele erschienen. Vor dem Hintergrund der Bundestagswahl Ende September wirkt der Film bisweilen wie ein zu lang geratener Wahlwerbespott. Vielleicht ist genau das intendiert.
Über weite Strecken bietet der Film für Titanic Leser nichts Neues. Die meisten Aktionen wurden bereits in der Zeitschrift dokumentiert. Dennoch ist es witzig, die empörten Reaktionen von Passanten in der Prager Straße in Dresden auf die offen postulierte Forderung nach Wiederabriss der Frauenkirche und die symbolische Zerstörung eines Kirchenmodells mit einem Hammer vor der Kamera zu sehen. Damit ist auch schon der Kern der politischen Botschaft der Partei benannt: Die Steine der Frauenkirche sollen als Fundament für den Wiederaufbau der Mauer dienen; es geht um die erneute Teilung, also um die Implementierung des Mottos von Chlodwig Poth, das sich in jedem Impressum der Titanic findet. Um dies zu erreichen, braucht man Macht. Dies hat Die Partei erkannt. Deshalb ist sie auch bereit, mit allen anderen Parteien zu koalieren; außer mit der FDP versteht sich, denn die ist eine Spaßpartei. Ganz im Gegensatz zur Partei, deren Existenz der Chefideologe, Oliver Maria Schmitt, auf einem Parteitag in Münster 2004, wie folgt begründete: „Wir sind eine Partei, weil wir eine Partei sind.“ Es folgt tobender Applaus der angetrunkenen Anhängerschaft.
Weil es als kleine Partei nicht leicht ist, die eigene Botschaft zu verbreiten, wurde eine effiziente Strategie entwickelt: gnadenloser Populismus. Dieser ist Programm.
Bereits während des letzten Bundestagstagswahlkampfs sorgte Die Partei für Schlagzeilen, weil sie einen Teil der ihr gesetzlich zustehenden Zeit für Wahlwerbung in den öffentlich-rechtlichen Sendern auf eBay versteigerte. In den Spots wurde dann auf äußerst plumpe Art Werbung für die Billigfluglinie HLX gemacht und behauptet, dafür habe man hunderttausende Euro bekommen, was von dem Konzern vehement bestritten wird.
Es gelingt dem Film immer wieder, durch Überaffirmation und grotesker Karikierung ein subversives Potential zu entfalten, etwa indem die Absurdität des normalen Wahlkampfs mit Hilfe von Übertreibung deutlich wird, einer Übertreibung die aufdeckenden Charakter hat. Am bekanntesten dürfte die im Film leider nicht gezeigte Aktion der Titanic Redaktion sein, als sie während Roland Kochs rassistischem Wahlkampf in der Frankfurter Fußgänger Zone einen falschen CDU Stand hatte, bei dem „gegen Ausländer“ unterschrieben werden konnte, währenddessen nur etwas weiter der richtige CDU Stand war. Dies ermöglichte dem deutschen Durchschnittsrassisten ganz offen, seinem Ressentiment freien Lauf zu lassen und davon wurde auch Gebrauch gemacht.
Die antisemitischen Attacken Möllemanns gegen Michel Friedman griff die Titanic auf, indem sie FDP Wahlplakate mit dessen Konterfei, einem schwarzen Balken über seinem Mund und dem Spruch „Gib endlich Fried – Mann“ gestaltete. Ein weiteres wurde durch den Spruch geziert: „Judenfrei und Spaß dabei“. Präsentiert wurden diese in einem kleinen Kaff, dessen FDP Bürgermeister es sich nicht nehmen ließ, sich händeschüttelnd vor den Plakaten fotografieren zu lassen, in dem Glauben, dass es sich bei den Titanic-Redakteuren um Bundesprominenz der FDP handle.
Ähnlich funktioniert auch der Film. Neben der Aktion in Dresden wird unter anderem der symbolische Wiederaufbau der Mauer an der hessisch-thüringischen Grenze gezeigt. Daran beteiligte sich auch die IG Bau, die sich jedoch nicht im Klaren war, was der eigentliche Sinn ist und in ihrem Verständnis eine Tarifmauer errichtete, um auf die Lohndifferenz zwischen West- und Ostdeutschland hinzuweisen. In der Diskussion mit dem aufgebrachten Bürgermeister rekurriert Sonneborn auf eine Forsa-Umfrage, nach der 21% der Deutschen die Mauer wieder haben wollen. Dies verschaffe der Partei die demokratische Legitimation, ja geradezu die Verpflichtung, dieses Ziel anzustreben. Stammelnd erwidert der Bürgermeister, dass Statistiken doch irgendwie nie zu trauen sei. Diese Szene stellt die gelungene Verwendung eines völlig inhaltslosen Politjargons dar, der auf diese Weise ad absurdum geführt wird.
Selbstverständlich ist die Partei nicht nur in Ostdeutschland unterwegs, sieht sie ihr Wählerklientel doch mehrheitlich im Westen. In der verfallenen Krefelder Innenstadt, vor dem seit Jahren geschlossenen Stadtbad agitiert die Partei gegen den Geldtransfer von West nach Ost. Passanten werden Bilder – jeweils eins aus West- und eins aus Ostdeutschland – gezeigt, wobei deutlich wird, dass die Wessis den Ossis paradiesische Zustände finanzieren. Während in Krefeld kein Geld für die Sanierung des Stadtbades da ist, weist Ostdeutschland die weltweit höchste Dichte an Spaßbädern auf, ein Skandalon, das die Parteipropagandisten nicht müde werden zu betonen. Zu guter Letzt werden noch Lebensmittel an die verdutzte, Not leidende Krefelder Bevölkerung verteilt, weil, so Sonneborn, sie in dieser schrecklichen Stadt leben müssen.
Des Weiteren wird noch ein Besuch dreier Parteifunktionäre im Bundestag, ihrem zukünftigen Arbeitsplatz, mit der Kamera begleitet und verschiedene Politiker vorgeführt. Eines der Highlights stellt die Reise der Partei nach Georgien dar. Neben einem Gruppenbild vor der Stalinstatue in dessen Geburtsstadt wird ein Kooperationsabkommen mit einer realen georgischen Partei geschlossen. Symbolisch werden Geschenke überreicht, Reden geschwungen und auf die Zusammenarbeit angestoßen. Dies brachte Die Partei in die Prime Time Nachrichten des georgischen Fernsehens.
In der letzten Zeit musste Die Partei jedoch zwei große Rückschläge hinnehmen. Zum einen wurde die von ihr selbst beantragte Überwachung ihrer Untergruppierung „Verfassungsfeindliche Plattform“ durch den Verfassungsschutz abgelehnt, mit der Begründung, sie stelle keine wahre Bedrohung der bundesrepublikanischen Ordnung dar. Zweitens und viel gravierender wurde der Partei vom Bundeswahlleiter der Parteienstatus aberkannt. Sie sei keine richtige Partei, sondern eine Spaßpartei. Dagegen wurde natürlich sofort von dem Parteijuristen Widerspruch eingelegt. Der Schriftverkehr und viele weitere Infos finden sich auf der homepage http://www.die-partei.de
Der Film hat Längen und ist bisweilen redundant. Titanic Leser kennen Einiges schon. Ich fand den Film witzig, aber wenn man nicht auf den Titanic Humor steht, kann man auch getrost in „Inglourious Basterds“ gehen.

Sebastian Voigt

DDR-Brötchen

22.09.2009
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