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Aktuelles Heft

INHALT #169

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Peter
Editorial
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Purple Rain
MITTE01
The Legacy, Daggers, Lasting Traces
Ich bin reines Dynamit....
Intro Intim
Sights and Sounds, Men Eater
Mouse on Mars
Sun Of A Bastard Tour
Street Dogs, Civet, Lousy
Moutique Ensemble
Eskimo Joe
Die Fussballmatrix
Station 17
Demo-Aftershow-Party
Hellnightstour
Absu, Pantheon I, Razor of Occam, Zoroaster
electric island
Celan, Dyse, Ulme, Exits to Freeways
Veranstaltungsanzeigen
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• ABC: H wie Historikerstreit
• review-corner film: Inglourious Basterds
• review-corner film: Die Partei, die Partei, die hat immer recht...
• leserInnenbrief: Das Ende des Nationalsozialismus feiern!
20 Jahre antideutsch-antifaschistischer Widerstandskampf
• doku: Jahresbericht 2008
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• das letzte: In eigener Sache

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H wie Historikerstreit

Für die heutige antifaschistische Linke spielt das Thema Erinnerungspolitik und die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit eine wichtige Rolle. Demonstrationen zum 8. Mai werden organisiert, Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht werden abgehalten, und viele kleine Initiativen wollen die regionale Geschichte des NS in Erinnerung erhalten. Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus soll eine Mahnung sein und ist gleichzeitig immer der spezifische Background für den Antifaschismus in Deutschland. Aber das Gedenken an den Holocaust geht heute nicht mehr nur von der Linken aus.
Heute stehen die Anerkennung des Holocaust und die Erinnerung an die Opfer des NS auf der politischen Agenda der BRD und sind ein integraler Bestandteil der Geschichtspolitik geworden: Mitten in Berlin steht das Holocaust-Mahnmal, daneben das Mahnmal für die Verfolgung der Homosexuellen. Die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wurden, wenn auch unzureichend, entschädigt und KZ-Gedenkstättenbesuche gehören zu offiziellen Staatsbesuchen.
Dies geschah nicht von heute auf morgen, sondern war ein Prozess, bei dem der Historikerstreit von 1986 eine bedeutsame Rolle spielte. Im Historikerstreit wurde der Versuch konservativer Historiker, einen Schlussstrich unter die deutsche Geschichte zu ziehen und die Verbrechen im NS zu relativieren von linker Seite zurückgewiesen. Mit dieser Debatte rückte die Auseinandersetzung über die deutsche Vergangenheit ins öffentliche Bewusstsein und sie trug so dazu bei, dass Deutschland heute seine volle Souveränität wiedererlangen konnte. Der Historikerstreit stellte einen Wendepunkt in der Gedenkpolitik der BRD in der Art und Weise dar, dass deutsche Schuld anerkannt wurde und so letztlich ein Umgang mit der deutschen Vergangenheit gefunden werden konnte, der einen positiven Bezug auf die deutsche Nation möglich machte.

Der Historikerstreit: Wer? Was? Wie?

Offiziell wurde der Historikerstreit von Jürgen Habermas eröffnet, obwohl sein Artikel „Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung“, am 11.07.1986 in der „Zeit“ erschienen, als Reaktion auf mehrere revisionistische Vorstöße einiger konservativer Historiker der vergangenen Jahre zu verstehen ist. Stellvertretend für diese werden hier Ernst Nolte und Andreas Hillgruber vorgestellt. Ernst Nolte (geb. 1923) veröffentlichte 1973 das Buch „Deutschland und der Kalte Krieg“, in welchem er den NS in die Globalgeschichte einzubetten versuchte. Dabei relativierte Nolte die Verbrechen des NS wiederholt, unter anderem indem er sie als Reaktion auf die Politik der SU darstellte. Um die Vernichtung des europäischen Judentums zu verstehen, sei, so Nolte, der sowjetrussische Klassenkampf von 1917/18 als Ausgangspunkt zu nehmen. Darüber hinaus verglich Nolte den NS mit vielen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts, wie dem Maoismus, dem Stalinismus und dem Zionismus, und kam zu dem Schluss, dass jede Bewegung seine ‚Hitlerzeit` hatte oder einen ähnlichen Ursprung gehabt und ähnliche Ziele verfolgt habe. Zehn Jahre später erschien das Buch „Marxismus und Industrielle Revolution“, das die Thesen der vorherigen Bücher zuspitzte. In diesem postuliert er, dass die Wurzel aller Gräueltaten des NS als Resultat der ‚Vernichtungslehre` der SU zu verstehen und die Entstehung des NS als Antwort auf diese vermeintliche Bedrohung zu sehen sei. Am 06.06.1986 veröffentlichte Nolte in der FAZ den Artikel „Die Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte“. Darin fragt er nochmals nach den Ursprüngen des NS und seinen Verbrechen und relativiert diese als Reaktion auf die ‚asiatische Tat` des Bolschewismus. Darüber hinaus sieht er das GULag und den ‚Klassenmord` als ursprünglicher als KZ und „Rassenmord“.
Andreas Hillgruber (geb. 1925, 1943-45 in der Wehrmacht) machte sich mit kleineren Büchern und Aufsätzen einen Namen als Kenner der deutschen Kriegs- und Außenpolitik rund um den 2. Weltkrieg. Hillgruber vertrat nicht nur inhaltlich konservative Positionen, sondern sorgte auch innerhalb der Wissenschaft für Aufregung, indem er immer wieder gegen „die Linken“, gegen „Tendenzhistoriker“ oder gegen die „Sozialgeschichte“ polemisierte. Kurz vor dem Erscheinen von Noltes erstem FAZ-Artikel veröffentlichte Hillgruber zwei Aufsätze als Buch: „Zweierlei Untergang. Die Zerschlagung des Deutschen Reiches und das Ende des europäischen Judentums.“ In der Einleitung des Buches erkennt er den Mord an den Juden als eine Katastrophe an, jedoch thematisiert er auch die Opfer der Vertreibung und die Zerschlagung des Deutschen Reiches. Letztere sei nicht nur eine Antwort auf den Krieg, sondern schon lange Ziel der Großmächte gewesen. Auch Hillgruber zeichnete wie Nolte ein Bild vom brutalen Russen, vor dem die Deutschen durch die Aufrechterhaltung der Ostfront geschützt werden mussten (was aber die industrielle Massenvernichtung gleichzeitig aufrechterhielt). Auf die inhaltliche Verflechtung der zwei Aufsätze – Judenvernichtung und Zerschlagung des Reichs – wollte Hillgruber nicht eingehen, weil er sich nicht auf Fragen der Moral einlassen wolle.
Jürgen Habermas (geb. 1929) ist Soziologe und Philosoph und war Assistent bei Adorno. In dem bereits oben erwähnten Artikel aus der „Zeit“ analysiert er detailliert die einzelnen Argumente Noltes und Hillgrubers. Beispielsweise kritisiert er Noltes Versuch, den 2. Weltkrieg als Reaktion auf den Bolschewismus erscheinen zu lassen, als Relativierung des Holocaust, der auf diese Weise nur noch als bedauerliches Nebenereignis auftritt. Viel wichtiger ist Habermas jedoch der philosophische Gehalt der Beiträge von Nolte, Hillgruber und Co: „Wer auf die Wiederbelebung einer in Nationalbewußtsein, naturwüchsig verankerten Identität hinaus will, wer sich von funktionalen Imperativen der Berechenbarkeit, der Konsensbeschaffung, der sozialen Integration durch Sinnstiftung leiten läßt, der muß den aufklärenden Effekt der Geschichtsschreibung scheuen und einen breitenwirksamen Pluralismus der Geschichtsdeutungen ablehnen.“(1) Und hierin erkennt Habermas die (bewusste oder unbewusste) Motivation und die Forschungstendenzen der konservativen Historiker: es ginge diesen um eine einheitliche Geschichtsschreibung, die den NS soweit relativiert, dass eine „Normale-Nation-Identität“ möglich wird.
In den ersten Wochen nach Habermas' Artikel in der „Zeit“ reagierten einige konservative Historiker auf seine Analysen. Nolte sah seine Privatsphäre verletzt und Hillgruber versuchte Habermas als ernsthaften Wissenschaftler zu diskreditieren, wobei beide jedoch auf Habermas' Argumente nicht eingingen. Zeitlich verzögert setzte eine Flut an Veröffentlichungen gegen mehrere konservative Historiker, insbesondere aber Nolte, ein. Sowohl in Zeitungen, als auch Fachzeitschriften äußerten sich renommierte Historiker wie Eberhard Jäckel, Hans und Wolfgang Mommsen oder auch Martin Broszat. Dabei wurden nicht nur fachliche Thesen und Mängel kritisiert, sondern auch die politischen Absichten in Frage gestellt.
Im Fokus der Kritik standen Noltes Thesen, die meist nur als Hypothesen ohne empirische Untersuchungen und Befunde existierten. Der Versuch, dem Holocaust die Singularität zu nehmen, wurde streng zurückgewiesen. Auch die Trauer Hillgrubers um die Zerschlagung des Deutschen Reichs wurde harsch als reaktionär kritisiert.
In der Debatte wurde aber auch das politische Anliegen nach einer Normal-Nation stark kritisiert. Es wurde diagnostiziert, dass hinter dem „Wunsch nach vergleichender Relativierung der braunen Vergangenheit der Drang nach der normalisierenden Historisierung einer durch singuläre Untaten gekennzeichneten Epoche,“ stecke.(2) Zu Recht wurde erkannt, dass durch die Interpretation der Geschichte sich nicht die deutsche Schuld mindern lasse und auch mit einer ‚relativierten Schuld` kann keine Sinnstiftung durch die deutsche Geschichte erzielt werden. Der Sozialhistoriker Jürgen Kocka resümierte, dass, wenn eine zustimmungsfähige Vergangenheit nur mit intellektuellen Bocksprüngen zu machen sei, man darauf verzichten sollte.(3) Die Kritik an Noltes Thesen und Positionen weitete sich in eine grundsätzliche Kritik an der Geschichtspolitik unter der Kohl-Regierung aus. Die Auseinandersetzung mit dem NS in der Öffentlichkeit war stärker denn je.(4)

Das politische und wissenschaftliche Klima Anfang der Achtziger Jahre

In der BRD war die Konstruktion einer positiven nationalen Identität über die Geschichte durch die Grausamkeiten des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg erschwert. Die Leugnung oder Verdrängung der Zeit des Nationalsozialismus war in den Achtzigern innen- und außenpolitisch aber nicht mehr möglich.
In den Sechziger Jahren gelang es noch das nationale Wir-Gefühl über das „Wirtschaftswunder“ herzustellen und zu befriedigen. Eine Reflexion über den wirtschaftlichen Aufschwung und besonders dessen Grundlage fand nicht statt. Mit den Achtziger Jahren kam es zum Ende dieser „geschichtslosen Zeit“.(5) Nicht nur durch eine Stagnation der Wirtschaft, sondern auch durch veränderte politische Prämissen musste sich gesellschaftlich mit der deutschen Geschichte befasst werden.

Bis in die 1980er Jahre war der Forschungsstand bezüglich des Holocaust bei weitem nicht so umfassend wie heute. Die beträchtliche Erweiterung des Feldes der Holocaustforschung ist als eines der positiven Ergebnisse des Historikerstreits zu verbuchen.
Bis dahin versuchten deutsche Historiker den Nationalsozialismus in große Interpretationszusammenhänge einzubetten. In allen Erklärungsmodellen erhielt der Holocaust keine besondere, exklusive Bedeutung. Es wurde sich anstatt dessen Themen wie dem Verlauf des Krieges oder der Machtergreifung durch die Nazis gewidmet. Selbst in Gesamtdarstellungen über den NS wurden die Verfolgung und Ermordung des europäischen Judentums nur am Rande gestreift. Die Täter blieben abstrakt und die Schuld wurde Wirkungsweisen oder Institutionen zugeschoben. Aber nicht nur die Täter blieben im Verborgenen, sondern auch die Opfer und ihre individuellen Schicksale.(6)
Eine gängige Interpretation stellt beispielsweise den Nationalsozialismus als einen Irrweg der deutschen Geschichte heraus. Diese hat zur Annahme, dass die Ursachen für die Entstehung des NS nicht in der deutschen Geschichte oder besonderen rassischen und antisemitischen Absichten lägen, sondern in der Vermassung der Kultur und dem allgemeinen Werteverlust durch die Moderne, die das deutsche Kollektiv entfremdete und somit den Weg zum Nationalsozialismus bereitete. Eine andere Theorie verweist auf den „verführenden Führer“ und seine kleine Gruppe von Nazis, die ausschließlich für die Verbrechen an den Juden und Jüdinnen verantwortlich waren. Als Opfer erscheinen bei diesen Erklärungen vordergründig die Deutschen.
In diese wissenschaftliche Umgebung reihte sich Ernst Nolte mit seinen Thesen vor dem Historikerstreit ein und konnte zu einem angesehenen Historiker werden.

Das gesellschaftspolitische Klima Deutschlands war, wie angedeutet, maßgeblich durch den Wunsch nach Normalität geprägt. Die dunkle Geschichte des NS stand der vollen Entfaltung der Souveränität Deutschlands im Wege. So wurde auch auf dieser Ebene versucht, durch Relativierung und Historisierung der NS-Vergangenheit die deutsche Schuld abzuschütteln.

Zwar erkannte die Regierung Helmut Kohls die NS-Vergangenheit an, dennoch war sie um „ihre Entdramatisierung“(7) bemüht. Man wollte mit anderen Staaten wieder auf Augenhöhe sein. Die Politik war auf Aussöhnung mit den Alliierten ausgerichtet. 1984 gab Kohl dem französischen Staatspräsidenten Mitterrand auf dem Schlachtfeld von Verdun die Hand, blieb aber vom 40. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie noch ausgeschlossen. Ein Jahr später legte er mit dem US-Präsidenten Reagan einen Kranz auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg nieder, auf dem auch Soldaten der SS lagen. 1984 sprach Kohl ausgerechnet in Israel von der „Gnade der späten Geburt“, was wie eine Entlassung aller Deutschen, die nach 1928 geboren wurden, aus der Verantwortung für die Verbrechen im NS, wirkte. Auch innenpolitisch waren alle Zeichen auf Normalisierung gesetzt. Per Regierungserklärung wurde 1983 die Errichtung des Deutschen Historischen Museums beschlossen, das „glücklicheren und identifikationsfähigen Perioden deutscher Geschichte“(8) Raum geben sollte. Und 1985 wollte die CDU einem Gesetz gegen das schriftliche Leugnen der NS-Verbrechen nur zustimmen, wenn gleichzeitig auch das Leugnen von Vertreibungsverbrechen unter Strafe gestellt werde.

Die Verwirklichung der Moral aus der Geschichte

Die Interventionen einiger Historiker im Historikerstreit richteten sich nicht nur gegen die Vorstöße Noltes und anderer Historiker, sondern auch gegen dieses politische Klima im westlichen Teil Deutschlands.
Die offene und öffentliche Aufarbeitung des NS und die beträchtliche Ausweitung der Holocaust-Forschung innerhalb der Geschichtswissenschaft ist ein Teil-Erfolg. Habermas und einige nicht-konservative Historiker entwarfen in diesem Zuge ein anderes Konzept, wie mit der NS-Vergangenheit umzugehen sei und wie ein Selbstverständnis Deutschlands aussehen könne. Jürgen Habermas z.B. plädierte für einen Verfassungspatriotismus, der einerseits die Bindung an den Westen festige und zum anderen eine pluralistische Gesellschaft herstellen sollte, die auch differente Meinungen aushielte und nebeneinander stehen lassen könne ohne, wie Nolte und Co., ein einheitliches Geschichtsbild zu benötigen. Am Besten trifft Broszat den Kern der zukünftigen Aneignung von NS-Geschichte als politische Prämisse: „Wer den Bürgern der Bundesrepublik den selbstkritischen Umgang mit ihrer älteren und jüngeren Geschichte wegschwatzen will, raubt ihnen eines der besten Elemente politischer Gesinnung, ….[...] Am verräterischsten ist dabei die fundamentale Verkennung, als sei die durch die Not erworbene moralische Sensibilität gegenüber der eigenen Geschichte ein kultureller und politischer Nachteil verglichen mit anderen Nationen, …[...] In solchen Perversionen patriotischer Geschichtspolitik droht der einzige Gewinn verspielt zu werden, der der Erfahrung der Hitlerzeit zu danken ist.“(9) Im Grunde postuliert er jene Geschichtspolitik, die unter der Regierung Schröder Realität wurde und dem ‚Erfolg' des Historikerstreits seinen bitteren Nachgeschmack verleiht, denn: mit der Anerkennung der deutschen Schuld konnte ein moralischer Vorteil gegenüber Nationen gewonnen und dem NS etwas Positives abgerungen werden.
So wurde bekanntermaßen 1998 nicht trotz, sondern wegen Auschwitz der Kosovo-Krieg geführt. Im gleichen Moment, in dem die deutsche Schuld anerkannt wurde, wurde deren Relativierung und Historisierung initiiert. Die BRD hatte es geschafft wieder als gleichberechtigte Nation neben den anderen zu stehen und haben heute sogar noch den ‚moralischen Joker' – aufgrund der eigenen Geschichte genau zu sehen, wann auf der Welt Ungerechtigkeit geschieht – in der Hand.
Der Schlussstrich wurde somit nicht durch die Kohl-Regierung gezogen, sondern durch die Agenda Schröders. Im Historikerstreit wurde der Versuch konservativer Historiker einen Schlussstrich zu ziehen, verhindert, und gleichzeitig wurde die heutige Schlussstrichziehung vorbereitet.(10) Gesellschaftspolitisch wurde Anfang der 1980er Jahre versucht, das (Selbst)Bild Deutschlands mit der Relativierung des NS zu gestalten. Gelungen ist es aber erst, als die Verantwortung für die NS-Verbrechen in die Identität Deutschlands integriert wurde, und auf diesem Wege die Relativierung Auschwitz' real möglich wurde.

Mandy Mercedes

Dreckschweine

Anmerkungen

(1) Jürgen Habermans. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung. Zeit 11.07.1986.

(2) Hans-Ulrich Wehler. Entsorgung der deutschen Vergangenheit? München 1988. S. 138.

(3) Jürgen Kocka. Hitler soll nicht durch ... Frankfurter Rundschau 23.09.1986.

(4) Ulrich Herbert. Der „Historikerstreit“. In: Volker Kronenberg. Außenpolitik und Staatsräson. Baden-Baden 2008. S. 95.

(5) Wolfrum. S. 347.

(6) Herbert. In: Außenpolitik und Staatsräson. S. 96-98.

(7) Claus Leggewie. Historikerstreit – transnational. In: Steffen Kailitz. Die Gegenwart der Vergangenheit. Wiesbaden 2008. S. 55.

(8) Ebenda. S. 53.

(9) Alle drei Zitate: Martin Broszat. Wo die Geister sich scheiden. Zeit 03.10.1986.

(10) Leggewie, S. 52ff.

22.09.2009
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