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Reden ist Silber,
Schreiben ist Gold.

Ein Beitrag von Mark Knochen

Heute habe ich mal in meinem persönlichen Archiv gekramt und zwei schöne Briefe gefunden, die ich einst an den TV-Sender RTL geschrieben habe. Und, welch große Freude – auf eines dieser Schreiben bekam ich damals sogar Antwort. Gut, ausführlich hat man sich nicht mit mir befasst, dafür ich mich mit zwei Sendungen aus dem Programm des Senders. Und da beide Formate immer noch ausgestrahlt werden, hat es auch an Aktualität nichts verloren.

Kleine Anfrage an RTL zur Sendung „Deutschland sucht den Superstar“

Viele werden die Sendung kennen und entweder lieben oder eben nicht. Doch der Titel der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ sorgt für eine falsche Wahrnehmung und damit für einige Verwirrung bei allen Beteiligten. Um diesen Umstand in Zukunft zu entgehen wendete ich mich mit folgendem Brief direkt an RTL:
Mexikanischer Humor: Jesus zerhackt das Kreuz  fuer ein besseres Leben (Fresko von Jose Clemente Orozco), 27.0k
Mexikanischer Humor: Jesus zerhackt das Kreuz - für ein besseres Leben (Fresko von José Clemente Orozco)
Kurze Erklärung und Übersicht über die anderen Karikaturen im Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

Leider finde ich erst heute Zeit, mich bei Ihnen zu melden. Ich möchte einige Anmerkungen zu Ihrer Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ machen – speziell zum Titel dieser Sendung.
Der Titel „Deutschland sucht den Superstar“ suggeriert den Zuschauern und überhaupt allen, die von dieser Sendung in irgendeiner Art und Weise Kenntnis erlangen, dass alle Deutschen einen Superstar suchen.
Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich wirklich nicht daran interessiert bin, einen Superstar zu suchen. Auch finden möchte ich keinen. Doch der Titel Ihrer Sendung schließt mich zwangsweise mit ein! Zum Beispiel müsste ich mich nun im Ausland vor Freunden dafür rechtfertigen, warum ich, mit all diesen anderen Deutschen, unbedingt einen Superstar suche, wozu wir einen Superstar brauchen und was wir uns davon versprechen. All diesen Fragen kann ich nur entgegnen, dass ich weder das eine noch das andere möchte .... der Titel Ihrer Sendung dagegen nimmt mir jede Argumentationsgrundlage. Von Zeit zu Zeit wurde ich sogar andeutungsweise mit zynischem Unterton gefragt, ob wir Deutschen denn nicht schon genügend schlechte Erfahrungen mit so genannten Superstars gemacht hätten.
Vielleicht ist es Ihnen möglich, mich in Zukunft aus dieser Verallgemeinerung auszuschließen und die Sendung vielleicht anders zu nennen? Folgende Vorschläge könnte ich Ihnen anbieten:

  1. „Deutschland sucht den Superstar – außer Mark Knochen“
  2. „Fast alle Deutschen suchen den Superstar“
  3. „Viele Deutsche suchen den Superstar“

Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie mit meinem Anliegen einverstanden sind. Ich würde mich freuen, sehr bald von Ihnen eine Antwort zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen, Mark Knochen

Ein anderes Schreiben behandelte die Sendung „Wer wird Millionär“ mit Herrn Jauch.

Sehr geehrter Herr Jauch,

schon oft hab ich Ihre Sendung „Wer wird Millionär“ gesehen und begeistert mit geraten. Die Fragen sind teilweise einfach und teilweise schwierig zu beantworten. Doch auch die komplizierten Fragen hielten mich bisher nicht davon ab, jeweils bis zu 125.000,- DM Frage mitzukommen. Ist es daher möglich, dass auch ich eine Gewinnsumme erhalten könnte? Sicher nicht die ganzen 125.000,- DM, aber vielleicht einen Teil davon? Ich bin beim Mitraten wirklich immer so weit gekommen, ehrlich. Über einen positiven Bescheid würde ich mich sehr freuen. In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Die karge Antwort:

das meinen Sie nicht ernst, oder????

*****.******@endemol.de


Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, daher folgte prompt ein Antwortschreiben meinerseits:

Sehr geehrte Frau ******,

ich meine das sehr wohl ernst. Denn ich bin wirklich immer bis mindestens zur 125.000,- DM Frage mitgekommen. Und ich schau die Sendung sehr, sehr oft. Für die weitere Bearbeitung sende ich Ihnen anbei meine Kontoverbindung.

Vielen Dank und viele Grüße


Und da darauf dann keine weitere Antwort erfolgte, die dritte Anfrage:

Sehr geehrte Frau ******,

sicher ist meine 2. Mail nicht angekommen, so dass Sie noch nicht antworten konnten. Deshalb möchte ich Ihnen hier nochmals schreiben: Mit Bedauern habe ich Ihren abschlägigen Bescheid erhalten und gelesen. Ich kann sogar verstehen, dass Sie mir vielleicht nicht glauben wollen und dass ich beim Mitraten zu Hause immer so weit bei den aktuellen Spielen gekommen bin. Und ich muss zugeben, manche der gestellten Fragen sind aber auch wirklich vertrackt.

Reicht es Ihnen vielleicht, wenn ich in den nächsten 14 Tagen meine Antworten auf die kommenden Fragen notiere und in 2 Wochen per Email an Sie schicke? Dann könnten Sie sehen und direkt nachvollziehen, dass ich fast immer richtig liege beim Beantworten der Fragen. Ich bin sicher, dass dieser Beweis für Sie ausreichend sein wird und mir die Gewinnsumme auszahlt werden kann.

In Erwartung Ihrer Antwort
Mark Knochen


Und daraufhin hat sich nie wieder jemand von RTL bei mir gemeldet. Schade eigentlich.

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last modified: 28.3.2007