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Aktuelles Heft

INHALT #182

Titelbild
Editorial
• das erste: Unsere Insel stinkt
„ …a Mala Beat is a Mala Beat is a Mala Beat is a…“
Springtoifel
Karnivool, The Intersphere
The Creator: Pete Rock & CL Smooth
Napalm Death, Immolation, Macabre
Hot Christmas Hip Hop Lounge
Paperclip Release Night
We can feel the mountains in our skin and bones
Clash of the Monsters
Weihnachts-Tischtennis-Turnier
Man overboard
Caliban
Snowshower
NYE @ Conne Island
Kritik und Ressentiment
Veranstaltungsanzeigen
Großbaustelle Conne Island
Konzertabsage Maroon
Zur Absage der Veranstaltung mit Justus Wertmüller
• doku: Vielfalt tut gut
• doku: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
Es gibt tausend gute Gründe
Resultat einer infantilen Inquisition
Zu den Texten in diesem Heft
• review-corner film: Keeping it unreal
• doku: Sizilianische Verhältnisse
• doku: Macker, verpiss Dich!
Sind die Dichotomien unser Unglück?
Anzeigen
Punktsieg für den Antirassismus oder Reproduktion rassistischer Ausgrenzung?
• das letzte: Voll leer

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Zur Absage der Veranstaltung mit Justus Wertmüller

Das Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig (BgA) hat im Oktober das Conne Island bzw dessen Räume für eine Veranstaltung mit Justus Wertmüller zum Thema Integration angefragt. Diese Anfrage wurde vom Conne Island Plenum abgelehnt.
Warum dem BgA eine Absage erteilt wurde, ist simpel. Der Weg dorthin war es nicht. Es konnte keine einheitliche Position für die Veranstaltung gefunden werden, die ablehnende Meinung überwog. Zur Transparenz der Diskussion und der Entscheidungsfindung veröffentlichen wir diesen Text.
Im Conne Island werden alle Entscheidungen im Konsensprinzip gefällt. Das bedeutet, egal, ob es um eine Band, eine Raumanfrage, um die Vergabe einer Stelle o.ä. geht, werden so lange Argumente ausgetauscht bis eine einvernehmliche Entscheidung getroffen wird. Das bedeutet nicht, dass immer alle einer Meinung sind. Sondern vielmehr, dass - gelegentlich in einem langwierigen Prozess - eine Position gefunden wird, die alle Anwesenden mittragen können, manchmal trotz weiterbestehender Vorbehalte. Ein unbegründetes „Vetorecht“ ist nicht Teil unserer Diskussionskultur, genauso wenig, wie das Durchsetzen einer Einzelmeinung um jeden Preis. Sonst könnte und würde unser Laden nicht funktionieren, wie er funktioniert. So erstaunlich wie das für viele klingt, dieses Prinzip funktioniert ganz hervorragend, keineR kommt auf die Idee einfach nur „nein“ zu sagen und damit die Diskussion abzuwehren oder eine Entscheidung zu verhindern. Auch so genanntes Filibustering (so lange reden, dass eine Entscheidung verhindert werden kann) wird nicht praktiziert. Gelegentlich, allerdings sehr selten, kann keine einvernehmliche Entscheidung getroffen werden. Dann kann eine Veranstaltung gegebenenfalls nicht stattfinden. Meist wird eine Entscheidung getroffen auf Grundlage der Stimmung im Plenum, zwar auf Kosten noch vorhandener Gegenmeinungen, aber im Sinne eines gemeinsamen Vorankommens (zum Beispiel, wenn klar ist, eine Position wird sich auch nach nochmaliger Diskussion nicht durchsetzen).
In mehreren Diskussionen, an denen sowohl Veranstaltungs-Befürwortende (unter ihnen VertreterInnen des BgA) als auch -Ablehnende teilnahmen, die sonst keine regelmäßigen TeilnehmerInnen des CI Plenums sind, wurden Argumente und Positionen ausgetauscht. Am Ende wurde deutlich, dass kein Konsens für eine Veranstaltung mit Justus Wertmüller zum Thema Integration herzustellen ist, und somit diese Veranstaltung nicht im Conne Island stattfinden wird. Im entscheidendem Plenum überwog die Position, diese Veranstaltung mit Justus Wertmüller abzusagen. Die Absage im Sinne einer Conne Island Entscheidung hat das ganze Plenum getragen. Es blieben bei Einigen Zweifel an der Entscheidung übrig.
Die Gründe, innerhalb der Ja- wie der Nein-SagerInnen und der Unentschiedenen waren unterschiedlich. Während einige BefürworterInnen der Ablehnung Positionen von Justus Wertmüller als sexistisch und/oder rassistisch klassifizierten, hielten ihn einzelne BefürworterInnen der Zusage für einen Antirassisten und Antisexisten. Einige fanden seine scharfe Kritik an der Linken besonders gewinnbringend und richtig, andere sahen in seinen Aussagen verallgemeinernden Hass auf Linke sowohl im Generellen wie im Speziellen.
Besonders ausgiebig wurde darüber diskutiert, ob die Gegenpositionen so schwer wiegen, dass sie eine Absage an eine Veranstaltungsanfrage rechtfertigen. Dies war für das Conne Island Plenum der Kern der Frage: abzuwägen zwischen dem Standard, dass Veranstaltungen von Gruppen in der Regel stattfinden können, und den Gegenargumenten in diesem speziellen Fall.
Einen großen Anteil an der Absage hatte die Einschätzung, dass Justus Wertmüller in Veranstaltungen in einer Art auftritt, die eine Diskussion nicht befördert, sondern im Gegenteil z.B. durch Polemik oder abwertende bis diskriminierende Äußerungen andere Meinungen diffamiert oder mundtot gemacht werden. Und dass dieses Verhalten auch dazuführt, dass von vornherein TeilnehmerInnen von der Diskussion ausgeschlossen werden. Fast schon unnötig zu erwähnen: auch diese Einschätzung teilten nicht alle.
Formale Begründungen für die eigene Position fanden sich auf beiden Seiten. Die einen meinten z.B., dass genau diese Diskussion ins Conne Island gehört. Die anderen fanden, dass Justus Wertmüller mit einem linken Selbstverständnis nicht vereinbar ist.
Für einige war die Absage vorrangig eine Konsequenz aus der langjährigen wiederholt ausfallenden und unsachlichen Kritik gegen Linke allgemein oder Teile der Linken.
Dabei ist es wichtig zu betonen, dass es niemandem um die Kritik an Linken als solche ging. Gesellschaftskritik, das Diskutieren um Begriffe und das Hinterfragen von vermeintlichen linken Selbstverständlichkeiten ist und bleibt im Conne Island erwünscht und wird weiterhin befördert (das zeigt u.a. der monatliche CEE IEH Newsflyer). Die grundsätzliche Ausrichtung des Conne Island ist weiterhin die Messlatte, anhand derer individuell über jede Veranstaltung diskutiert wird. Dies ist weder eine generelle Absage an das Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig noch an die Bahamas. Die Bahamas wird genauso wie andere kritische Zeitschriften weiterhin im Café verkauft, zum Lesen ausgelegt und als Teil des politischen Meinungsspektrums verstanden.
Wir hoffen, dass diese Stellungnahme die Gerüchteküche runterkochen kann. Dass wir es nicht allen Recht machen, ist eine Erfahrung, die wir seit fast zwanzig Jahren kennen. Das ist uns genauso klar wie egal.

Conne Island Plenum, November 2010

 

30.11.2010
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
Tel.: 0341-3013028, Fax: 0341-3026503
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